Schule gestalten / 04.11.2020

Warum Feedback so wertvoll ist

So etablieren Sie eine gute Feedbackkultur in der Schule 

Es gehört zweifellos zu den Kommunikationsformen, die das größte Potenzial für Erfolg und Zufriedenheit bergen: gutes Feedback. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine simple Rückmeldung oder Beurteilung einer bestimmten Vorgehensweise oder eines Sachverhalts. Nein, gelungenes Feedback ist viel komplexer. Und ein echter Gewinn!

Bild: Shutterstock.com/Rawpixel.com

Feedback hat viele Facetten 

Machen Sie sich zunächst einmal folgenden Aspekt bewusst: Als Lehrkraft sind sie per definitionem Experte bzw. Expertin in Sachen Feedback. Es gibt im Schulalltag so viele institutionalisierte Feedbackformen, dass es Ihnen vermutlich bereits in Fleisch und Blut übergegangen ist, Rückmeldungen zu geben, Kompromisse zu finden und auf Bedürfnisse Ihres Umfelds einzugehen. Notenvergabe, Zeugniskonferenzen, Elternabende, Absprachen im Kollegium … In Ihrem beruflichen Leben ist Feedback ein fester Bestandteil. 

Doch es lohnt sich für Sie, einmal genauer zu beleuchten, wie Feedback darüber hinaus noch stattfinden kann und wie Sie davon profitieren können. Als Lehrkraft, aber auch als Mensch. 

Gutes Feedback dient der Weiterentwicklung

Früher war Feedback vor allem eine von der Lehrkraft vorgenommene Beurteilung des Schülers oder der Schülerin und galt als Instrument zur Leistungsmessung. Das ist heute anders. Für Lehrerinnen und Lehrer ist gerade die Gegenperspektive spannend: Wie nimmt die Lerngruppe meinen Unterricht wahr? Was läuft schon richtig gut und wo gibt es noch Luft nach oben? Wo kann ich mich verbessern? 

Aber auch Feedback unter Kolleginnen und Kollegen, zwischen Lehrenden und Schulleitung oder im Kontakt mit Erziehungsberechtigten ist ein unterstützendes Werkzeug, das Sie regelmäßig bewusst anwenden sollten, um miteinander in Kontakt zu bleiben und sich weiterzuentwickeln. Indem Sie ankündigen oder – besser noch – gemeinsam festlegen, in welchen Abständen Feedback in welcher Form stattfinden soll, schaffen Sie einen sicheren Rahmen, der zu einer guten Kommunikationskultur beiträgt und Konflikten vorbeugt. 

Der erste Schritt: Klarheit schaffen und Motive hinterfragen

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer guten Feedbackpraxis lautet: Schaffen Sie Klarheit. Hinterfragen Sie dazu Ihre eigenen Motive und Ziele. Werden Sie sich bewusst, welchen Wert Sie persönlich in einer guten Feedbackkultur sehen und welche Wichtigkeit Sie diesem machtvollen Kommunikationstool im Unterrichtsalltag einräumen. Je klarer Ihre Haltung ist, desto souveräner können Sie diese auch vermitteln. 

Wichtige Fragen, die Sie sich stellen sollten: 

  • Was verstehe ich unter Feedback? 
  • Wofür soll es in meinem Fall gut sein? 
  • Wie viel Zeit bin ich bereit und imstande, regelmäßig in einen Feedbackprozess zu investieren? 
  • Welches Feedback hat mir persönlich in der Vergangenheit richtig weitergeholfen?
  • Welches hat mich geärgert?
  • Was hindert mich gerade, dem Thema Feedback einen größeren Stellenwert beizumessen? 

Erkenntnisgewinn durch ehrliches Schüler-Feedback

Um im Unterricht eine Atmosphäre herzustellen, in der ehrliches Feedback willkommen und selbstverständlich ist, müssen Lehrende und Lernende kooperieren. Das klingt herausfordernd, doch bei genauerem Hinsehen bedeutet es vor allem, dass Sie Ihren Schülerinnen und Schülern damit die Chance geben, den Unterricht aktiver mitzugestalten. Diese Möglichkeit nehmen sie vermutlich sehr gerne wahr, denn dadurch fühlen sie sich ernst genommen und wertgeschätzt. Probieren Sie es aus. 

Wenn Sie Feedbackprozesse in Ihrem Unterricht etablieren, wird sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv auf die Verbindung zu Ihren Schülerinnen und Schülern auswirken. Wirkungsvolle wechselseitige Rückmeldungen sind motivierend, verbessern das Lernklima und helfen Ihnen, noch gezielter auf Ihre Klasse einzugehen. Ihr Unterricht wird besser. 

Mit gegenseitiger Offenheit Potenziale entfalten

Nicht nur im Umfeld Schule gilt: Feedback ist dazu da, Erkenntnisse zu gewinnen, um ein bestimmtes Verhalten verändern und verbessern zu können. Es setzt im Idealfall einen Lernprozess in Gang und ist deshalb ungemein hilfreich, um die eigenen Potenziale bewusst zu entfalten. Dafür braucht es allerdings gegenseitige Offenheit, eine Portion Mut und ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander

Seien Sie also neugierig und lernen Sie von Ihren Schülerinnen und Schülern. So erfahren Sie, wie diese Ihren Unterricht aufnehmen, was ihnen besonders gut gefällt und womit sie sich schwertun. Ausgehend von diesen Rückmeldungen haben Sie dann die Chance, Änderungen vorzunehmen. Lassen Sie sich auf den Perspektivwechsel ein und machen Sie sich auf Überraschungen gefasst. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, denen Sie bisher keine Bedeutung beigemessen haben, die aber einen großen Unterschied machen. 

Drei einfache Feedback-Methoden für Ihren Unterricht

Gelungenes Feedback im Schullalltag ist keine Zauberei. Aber es erfordert ein bisschen Übung und eine Struktur. Zur Erinnerung und Inspiration hier drei sehr einfache Methoden, die Sie vermutlich bereits kennen und direkt mal wieder anwenden können. 

Ampel-Feedback

Die simple, aber effektive Feedback-Ampel gibt Ihnen die Möglichkeit, eine sehr schnelle und direkte Rückmeldung von Ihrer Klasse zu einer bestimmten Fragestellung zu erhalten.

Beispiel: "Wie kommst du mit dem Unterrichtsstoff zurecht?"

  • Grün bedeutet: "Ich habe keine Probleme, alles zu verstehen."
  • Gelb bedeutet: "Ich verstehe manches nicht und wünsche mir mehr Erklärungen."
  • Rot bedeutet: "Ich komme nicht so gut mit und bin überfordert."

In der Grundschule können Sie die drei farbigen Pappen selbst miteinander basteln und dann immer wieder für verschiedene Fragestellungen nutzen. Ihre Schüler/-innen gewöhnen sich daran und lernen, dass ihre Meinung wichtig ist.

Feedback-Fragebogen

Sehr beliebt ist auch ein einfacher Fragebogen, den die Schülerinnen und Schüler am Ende einer Stunde oder Unterrichtseinheit bekommen. Meist anonym tragen sie dann ein, kreuzen an oder bewerten anhand einer Skala, was Ihnen wichtig ist zu erfahren. Sie können damit unterschiedliche Aspekte abfragen – von der inhaltlichen Qualität des Unterrichts über die Methodenwahl bis hin zu einem thematischen Ranking oder persönlichen Präferenzen.

Ein solcher Fragebogen darf ruhig auch ein Textfeld für individuelle Angaben enthalten, sollte aber nicht zu lang ausfallen und schnell ausfüllbar sein. Im Idealfall nutzen Sie die gesammelten Informationen, um sie später gemeinsam mit der Klasse zu besprechen und daraus eine schöne Idee oder einen Plan für die Zukunft zu entwickeln. 

Feedback in Bewegung

Um Ihre Schülerinnen und Schüler in Bewegung zu bringen und gleichzeitig eine wertvolle Rückmeldung zu erhalten, eignet sich beispielsweise die Vier-Ecken-Methode. Sie können aber auch mit Wolle oder Klebeband eine Linie auf den Boden "zeichnen", an die Sie dann bestimmte Aspekte oder Antwortmöglichkeiten auf Papier auslegen. Die Schüler/-innen stellen sich nun zu der Antwortvariante, die ihnen am meisten entspricht. So erhalten Sie innerhalb kürzester Zeit mit geringem Aufwand ein gutes Stimmungsbild.

Eine Erweiterung dieser Methode ist, dass die Schülerinnen und Schüler sich innerhalb ihrer Gruppe über die gewählte Option austauschen und anschließend kurz den anderen ihre Wahl erläutern oder ihre Gedanken dazu vorstellen. Dabei lernen sie sich selbst, ihre Kompetenzen und (Lern-)Präferenzen besser kennen. 

Feedback will gelernt sein

Ein bewusster Feedbackprozess öffnet einen Raum für Rückmeldung, der in der regulären Unterrichtsstunde oft nicht da ist. So wird – teils auch auf spielerische Weise – eine stressfreie Kommunikation möglich.

Doch nicht immer verläuft von Beginn an alles freundlich und respektvoll. Feedback zu geben und zu erhalten will gelernt sein, sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von Ihnen als Lehrkräften. Es ist nie leicht und selbstverständlich, Kritik anzunehmen und das eigene Verhalten zu hinterfragen. Im Gegenteil. Es kann unangenehm sein, sich unfair anfühlen oder einen Rechtfertigungsreflex auslösen. 

No-Gos thematisieren

Um Frust und Enttäuschung vorzubeugen und eine positive Grundstimmung herzustellen, sollten Sie daher – gerade bei ausführlicheren Methoden – die wichtigsten Feedback-No-Gos im Gespräch mit Ihrer Lerngruppe zum Thema machen. Dazu gehören beispielsweise schwammige, verallgemeinernde oder unsachliche Aussagen, ein genervter Tonfall und destruktive verbale "Rundumschläge". Persönliche Bewertungen, Angriffe oder Beleidigungen haben im Feedbackprozess ebenfalls nichts zu suchen. Machen Sie spürbar, warum.

Es hilft Ihren Schülerinnen und Schülern, zu verstehen, warum konstruktive Rückmeldungen so wertvoll und erwünscht sind. Alle Beteiligten müssen sich darüber verständigen, wozu das Feedback gut sein soll und was ausgehend davon passiert. Es lohnt sich außerdem, die Ergebnisse mit der Klasse zu reflektieren und gegebenenfalls weitere Maßnahmen miteinander zu definieren. 

Feedbackkultur als Schulentwicklungsthema

So kann im Laufe der Zeit ein gegenseitiges Vertrauen entstehen, das nicht nur konkrete Vorteile für die (Weiter-)Entwicklung jedes Einzelnen hat, sondern sich auch positiv auf das alltägliche Miteinander auswirkt. Je besser es gelingt, eine präsente und wertschätzende Feedbackkultur im Schulgeschehen zu etablieren, desto mehr werden alle Beteiligten davon profitieren. 

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