Unterricht gestalten / 05.06.2020

{First Steps} Tasty but healthy! – Gesunde Ernährung, auch im Englischunterricht

Lecker und dabei noch gesund. Geht das? 
Aber sicher!

Smoothies, Superfood-Bowls und gesunde Wraps sind die neuen Trendgerichte und in der Food-Szene von Großstädten allgegenwärtig. Auch jedes Kind weiß, dass Obst und Gemüse nicht nur in der Erkältungszeit ein unabdingbares Muss für eine gesunde Ernährung sind.

Bild: Shutterstock.com/Monkey Business Images

Warum ist es wichtig, sich gesund zu ernähren?

Eine gesunde Ernährung hat bewiesenermaßen Einfluss auf unsere Entwicklung, auf den Gemütszustand und auf unsere allgemeine Fitness. Auch nahezu alle unsere Sinne sind bei der Nahrungsaufnahme beteiligt: Sehen, Riechen, Fühlen und Schmecken. Essen hat folglich immer etwas mit Genuss zu tun. „Kein Genuss ist vorübergehend. Der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“ (J. W. von Goethe)

Ernährungserziehung als unabdingbares Muss

Nach Erkenntnissen der WHO (World Health Organisation) hat sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die extrem übergewichtig sind, von 1975 bis 2017 weltweit verzehnfacht. Eine nachlassende Ernährungserziehung seitens des Elternhauses sowie die gefühlt höheren Kosten für gesunde Lebensmittel werden oftmals als Ursache ausgemacht. Dabei sind die Faktoren zur Vermeidung von Übergewicht gerade im Kindesalter simpel: mehr Bewegung und gesünderes Essen, ausreichend Schlaf- und Erholungszeit sowie angemessener Medienkonsum, also Stressregulation.

Getreu dem Motto „Je früher, desto besser“ sollte man die Thematik bereits in der Grundschule aufgreifen, denn ein gesundes Frühstück vor Schulbeginn sowie ein nährstoffreiches Pausenbrot sind für Kinder dieser Altersklasse enorm wichtig. Nur so erhalten sie die notwendige Energie, um konzentriert lernen zu können. Das gemeinsame Essen eines gesunden Frühstücks stärkt zudem die sozialen Kontakte der Kinder untereinander. Und wenn man gemeinsam frühstückt, schmeckt alles gleich doppelt so gut.

Im dritten oder vierten Schuljahr bietet es sich an, eine Einheit zu gesunder Ernährung per cross-curricular learning durchzuführen, also Sachunterricht auf Englisch.

Was versteht man unter cross-curricular learning?

Cross-curricular learning meint allgemein das Unterrichten von fachfremden Inhalten in englischer Sprache. Die Vorteile liegen auf der Hand. Zum einen können die Schülerinnen und Schüler ihre im Englischunterricht erworbenen kommunikativen Kompetenzen in authentischen Situationen (z. B. gemeinsames Zubereiten von Speisen) anwenden. So verbringen sie automatisch mehr Zeit mit der Fremdsprache, erweitern ihre Sprachkenntnisse und sind stolz auf das, was sie bereits können. Zum anderen finden sie Gelegenheit, über ihre Sprache(n) und die Fremdsprache nachzudenken, Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen und dadurch ihre Sprach- und interkulturelle Kompetenz weiterzuentwickeln.

Was sollten Sie als Lehrkraft beachten?

  • Englisch ist das Kommunikationsmittel, nicht der Lerngegenstand. Die Schülerinnen und Schüler sollten über eine gewisse Sprachkompetenz verfügen. Auch sollte keine perfekte fremdsprachliche Sprachproduktion erwartet werden. Nehmen Sie deutsche Antworten auf, übertragen Sie diese ins Englische und/oder geben Sie korrektives Feedback.
     
  • Lassen Sie die Kinder beispielsweise aktiv eine gesunde Leckerei zubereiten. Beziehen Sie Realien mit ein und verdeutlichen Sie das Gesprochene stets durch Gestik, Mimik sowie Bildkarten.
     
  • Nutzen Sie leistungsstärkere Kinder als Sprachmittler. 
     
  • Haben Sie Geduld. Es ist für alle erst einmal Neuland, sachunterrichtliche Themen in einer fremden Sprache zu erforschen. Beginnen Sie mit kurzen Sequenzen und steigern Sie die Menge der Inhalte allmählich.

Ein möglicher Einstieg in das Thema

Klären Sie zuerst, was gesund und was ungesund ist. Bitten Sie hierfür die Kinder, zu Hause Bilder von Lebensmitteln, die sie gerne essen, aus Prospekten auszuschneiden. Weisen Sie sie darauf hin, dass sie keine Bilder von fertig zubereiteten Gerichten mitbringen sollen. Bereiten Sie zwei Plakate vor. Ein Plakat mit dem Wort healthy und ein Plakat mit dem Wort unhealthy in der Mitte inkl. Beispielbildern (z. B. Schokoriegel bei unhealthy und Apfel bei healthy). Durch das Vorstellen ihrer mitgebrachten Lebensmittelbilder wird der (individuelle) Wortschatz eines jeden Kindes erweitert. Es kann auch besprochen werden, ob ein Lebensmittel wirklich ungesund ist oder ob es auf ein gesundes Maß beim Essen ankommt. Jedes Kind klebt oder legt sein Bild auf das entsprechende Plakat. Vorerfahrungen werden erfasst, indem man nach bestimmten Vorlieben fragt (Do you prefer healthy food? Why?) und die Kinder ihre Antwort begründen lässt (I really love unhealthy food because…). Besprechen Sie auch, was noch alles im Zusammenhang mit dem Thema Gesundheit wichtig ist: Bewegung, ausreichender Schlaf, angemessener Medienkonsum und somit weniger Stress, denn auch Kinder leiden heutzutage oftmals schon unter Freizeitstress. Als Alternative zum Gespräch können Sie auch bereits im Vorfeld einen Fragebogen an die Kinder austeilen, in dem diese einen Tag lang notieren, was sie essen und inwiefern sie sich bewegt haben bzw. was sie in ihrer freien Zeit nach Schulschluss unternommen haben.

Für die nächste Einheit bringen Sie verschiedene Lebensmittel von zu Hause mit bzw. solche, die die Kinder genannt haben (Today I’ve brought some healthy and some unhealthy food). Anstelle der Realien können Sie selbstverständlich auch Bildkarten oder die ausgeschnittenen Prospektbilder nutzen. Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler besteht nun darin, die Lebensmittel nach Gruppen zu ordnen: Which food belongs to the same group? Please sort the food. Nach Klärung der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, werden dann die entsprechenden Begriffe eingeführt: drinks – vegetables, salad and fruit – bread, cereal, potatoes, pasta, rice – dairy, fish, meat and eggs – fats and oils – snacks and sweets.

Erläutern Sie den Kindern, dass es bestimmte Empfehlungen gibt, von welcher Gruppe man welchen Umfang zu sich nehmen sollte:

  • It is most important to drink six servings a day (1½-2 liters). You can choose between water and unsweetened tea or just mix juice with sparkling water.
     
  • Eat fruit twice and vegetables three times a day.
     
  • You can have four servings out of the bread, cereal, potatoes, pasta and rice group.
     
  • It is possible to eat three servings of dairy and one serving of fish, meat or eggs. Eat fish once or twice a week, meat two to three times a week and a maximum of two or three eggs per week.
     
  • You can have two servings (tablespoons) of fats and oils.
     
  • Eat a very small amount of snacks and sweets.

Unsere Kopiervorlagen können Sie hier gratis herunterladen:

Zur Vertiefung erhalten die Schülerinnen und Schüler die Food pyramid (Kopiervorlage 1), in die sie die Nahrungsmittelbildchen aufkleben können. Ebenso bekommen sie die Kopiervorlage 2 (My healthy week) mit dem Auftrag, eine Woche lang täglich in der Pyramide anzumalen, wie viele Einheiten sie von jeder Gruppe gegessen haben und in die Gedankenblase zu zeichnen oder schreiben, was sie an Bewegung umgesetzt haben bzw. was sie getan haben, um Stress zu vermeiden (z. B. ausreichend Schlaf, wenig Medienkonsum). Der Smiley bzw. der Stern dient der Einschätzung: Inwiefern habe ich etwas für meine Gesundheit getan? Habe ich ausgewogen gegessen und mich bewegt?

Weitere Unterrichtsideen zum Thema:

  • Hören Sie die Geschichte Funny faces aus der Unit 5 von Sunshine 1/2 und lassen Sie die Kinder im Anschluss ihre eigenen Funny faces gestalten (KV 3/4). Als Dialogform bietet sich dazu an: Can I have (two tomatoes), please? – Yes, here you are. – Thank you. – You’re welcome. Ihre gestalteten Funny faces können die Schülerinnen und Schüler im Museumsgang betrachten und anschließend auch präsentieren.
     
  • Führen Sie einen wöchentlichen Healthy food day ein. An diesem Tag gibt es ein gesundes Frühstück, das reihum von den Erziehungsberechtigten der Kinder vorbereitet und zur Schule gebracht wird. Es bietet sich an, möglichst saisonales Obst und Gemüse zu verwenden. Zum einen wird damit der Geldbeutel geschont und zum anderen lernen die Kinder automatisch auch, welches Obst und welches Gemüse zu welcher Zeit im Jahr wächst. Selbstverständlich kann solch ein Healthy food day auch auf die ganze Schule ausgeweitet werden: Ein wöchentlich stattfindendes gesundes Frühstück, das in der ersten Pause verkauft wird, bietet allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, in den Genuss von leckerem, gesundem Essen zu kommen (z. B. Obst- oder Gemüsespieße, Obstsalat, Joghurt oder Quark mit Haferflocken und Obst, Smoothies, Sandwiches aus Vollkornbrot mit Salat und magerem Aufschnitt).
     
  • Aber auch Snacks können gesund sein. Wie sagt man so schön: Das Auge isst mit. Werden Sie kreativ und gestalten Sie gemeinsam mit Ihren Schülerinnen und Schülern Igel, Pinguine oder auch Schlangen aus gesunden Nahrungsmitteln. Leistungsstarke Kinder können ihr Tier auch in Rätselform beschreiben: My animal has got a carrot nose and carrot feet, an olive head and olive wings. Its body is a cheese ball.
     
  • Verdeutlichen Sie den Schülerinnen und Schülern Inhaltsstoffe verschiedenster Lebensmittel. Eindrucksvoll ist immer der Zuckergehalt. Nutzen Sie hierfür Würfelzucker: Ein Würfel enthält drei Gramm. Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler beispielsweise den Zuckergehalt einer Flasche Limonade ausrechnen und in Form von Würfeln neben die Flasche legen. Eine andere Möglichkeit wäre, den Fettgehalt verschiedenster Lebensmittelreste mit Hilfe eines Löschpapiers zu erkennen. Bitten Sie die Kinder Gurken, Wurst, Schokolade, Chips oder Äpfel zu zerdrücken und diese dann eine gewisse Zeit auf einem Blatt Löschpapier liegen zu lassen. Nach dem Trocknen zeigt sich sehr anschaulich, welche Lebensmittel Fett und welche hauptsächlich Wasser enthalten.
     
  • Das Schreiben eines thematisch passenden Akrostichons – eines Gedichts, bei dem die Anfangsbuchstaben von Wörtern hintereinander gelesen einen eigenen Sinn ergeben – stellt eine gute Möglichkeit für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler dar (KV 5).

Schon ganz bald werden Ihre Schülerinnen und Schüler sich genussvoll gesund ernähren – und wenn nicht zu Hause, dann auf jeden Fall in der Schule. Genuss hinterlässt schließlich immer einen bleibenden Eindruck!

 

Daniela Röbers ist Grundschullehrerin in NRW und in der Lehrerfortbildung sowie als Autorin, Beraterin und Referentin für den Cornelsen Verlag tätig.

Schlagworte: