Vom 10. April ca. 16 Uhr bis zum 15. April ca. 11:00 Uhr stehen aufgrund einer Systemumstellung einige Funktionen wie Registrierung, Login sowie der Kauf von Produkten vorübergehend nicht zur Verfügung. Die Nutzung Ihrer digitalen Produkte über die E-Bibliothek ist weiterhin möglich.
Methodenkompetenz / 22.06.2018

Flipped Classroom: der umgekehrte Unterricht

Lernen individualisiert & selbstständig

Schüler/-innen, die sich Wissen im eigenen Tempo selbstständig zu Hause aneignen. Unterrichtszeit, die statt für Frontalunterricht für die Anwendung des Wissens genutzt wird. Und neue Medien, die didaktisch sinnvoll zum Einsatz kommen. Klingt spannend? Dann sollten Sie "Flipped Classroom" kennenlernen!

Flipped Classroom
Bild: stock.adobe.com/Africa Studio

Flipped Classroom: für individualisiertes und selbstständiges Lernen mit neuen Medien

Dass der klassische Frontalunterricht als alleinige Unterrichtsform lange überholt ist, wissen Sie natürlich längst. Die Praxis stellt Sie schließlich vor neue Herausforderungen: Immer heterogenere Klassen, zunehmend kompetenzorientierter Unterricht und auch die Allgegenwärtigkeit der digitalen Medien machen ein Umdenken nötig. Eine spannende, wirkungsvolle und durchaus lohnenswerte Alternative ist der Einsatz des Flipped-Classroom-Konzepts.

Mit der Flipped Classroom-Methode unterrichten - Buch mit Kopiervorlagen - Klasse 11-13

Mit der Flipped Classroom-Methode unterrichten · Selbstorganisiertes Lernen fördern
Englisch · Klasse 11-13

Buch mit Kopiervorlagen

Was ist Flipped Classroom?

Das Konzept stammt ursprünglich aus den USA. "To flip" heißt soviel wie "umkehren, drehen, wenden" – und genau das passiert bei Flipped Classroom: Die Unterrichtsorganisation wird umgekehrt. Die Schülerinnen und Schüler eignen sich die Inhalte, die Sie sonst auf konventionelle Art im Unterricht vermitteln würden, selbstständig zu Hause an. Das tun sie anhand eines Skripts, das Ihnen als Leitfaden bei der selbstständigen Erarbeitung Orientierung bietet, und vor allem mithilfe der neuen Medien, die ohnehin fest zu ihrem Alltag gehören – nämlich durch sogenannte Screencasts, also kurze Videos. Im Unterricht wird dann anhand entsprechender Aufgaben geübt, vertieft und die Transferleistung erbracht; Sie agieren als Berater/-in. Statt den Schülerinnen und Schülern im Unterricht Inhalte zu vermitteln und ihnen dann die passenden Übungen als Hausaufgaben aufzugeben, kehren Sie die Situation also um. So legen Sie den Schwerpunkt des Unterrichts auf die Anwendung dessen, was die Schüler/-innen sich zu Hause selbstständig angeeignet haben. 

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ihre Schülerinnen und Schüler können zu Hause in ihrem eigenen Tempo vorgehen und im Unterricht dann eigenständig oder in der Gruppe an der Anwendung des Wissens arbeiten. Sie stehen den Schüler/-innen bei Bedarf als Coach zur Seite und behalten die individuellen Lernfortschritte besser im Blick. Natürlich können die neuen Medien Sie als Lehrer/-in nicht ersetzen. Aber ihre Rolle verschiebt sich vom Wissensvermittler zum Berater, der die Schülerinnen und Schüler durch persönlichen Kontakt und individuelle Unterstützung zum eigenverantwortlichen Lernen anleitet. So können Sie durch das neue Konzept die Selbstständigkeit der Schüler/-innen fördern, die Unterrichtszeit besser nutzen und natürlich auch jede Menge Abwechslung in Ihren Unterricht bringen.

Flipped Classroom: Einteilung und Aufwand

Ob Sie einzelne Stunden oder ganze Unterrichtseinheiten mit Flipped Classroom gestalten oder Ihren Unterricht sogar noch viel umfassender darauf ausrichten, bleibt Ihnen völlig freigestellt. Sie müssen also gar nicht alles über den Haufen werfen, sondern können sich – gemeinsam mit Ihren Schüler/-innen – auch langsam an das Konzept herantasten. 

Obligatorisch für die Umsetzung des Konzepts sind lediglich zwei Komponenten: die Screencasts, die die jeweiligen Inhalte vermitteln, und die vertiefenden Aufgaben, durch die die Schüler/-innen das Gelernte anwenden. Möglich sind darüber hinaus auch detaillierte Skripte (also ein Leitfaden, der die Schülerinnen und Schüler mit allen Informationen zur Vorgehensweise, Hinweisen auf differenzierte Materialien, Aufgaben und zugehören Kompetenzen durch den zu erarbeitenden Stoff begleitet), Lehrerblogs (mit Hinweisen zu Vorgehen, Aktuellem und Ergänzungen) oder Schülerportfolios (mit Dokumentation von Lernwegen und Ergebnissen). Wenn Sie sich auf die Basisvariante mit den obligatorischen Screencasts und vertiefenden Aufgaben beschränken, brauchen im Unterricht keine Computer zur Verfügung zu stehen: Die erklärenden Videos schauen die Schüler/-innen zu Hause, die Materialien für den Unterricht liegen ausgedruckt vor. 

Auf Sie kommt zu Hause also die entsprechende Vorbereitung mit Anfertigung der Screencasts zu, während Ihre Schülerinnen und Schüler zu Hause ihre Hausaufgaben machen müssen, indem sie sich die Screencasts ansehen, sich Notizen machen und gegebenenfalls auch Fragen notieren. Innerhalb des Unterrichts bearbeiten die Schülerinnen und Schüler dann die Aufgaben und stellen wenn nötig Fragen, während Sie sie individuell beraten und die Fragen beantworten.

Mit der Flipped Classroom-Methode unterrichten - Buch mit Kopiervorlagen - Klasse 5-13

Mit der Flipped Classroom-Methode unterrichten · Selbstorganisiertes Lernen fördern
Spanisch · Klasse 5-13

Buch mit Kopiervorlagen

Was sind Screencasts?

Screencasts sind Videos, bei denen lediglich das Geschehen auf dem Computerbildschirm ("Screen") mitsamt Ton aufgezeichnet wird. Sie filmen also nicht sich selbst als "aufgezeichneten Frontalunterricht", sondern entwickeln sozusagen ein "Tafelbild", das Sie entsprechend erklären. Im Video wird dann später nur Ihr "Tafelbild" zu sehen sein, während Ihre Stimme aus dem Off die passenden Erläuterungen liefert. Sie können beispielsweise eine PowerPoint-Folie vorbereiten, die Sie dann mit einem Screencast-Recorder aufzeichnen. Achten Sie aber darauf, die Inhalte auf der Folie nach und nach zu entwickeln und zu erläutern. Im Unterricht starten Sie sonst schließlich auch nicht mit einer fertig vollgeschriebenen Tafel, die Sie dann erklären: Sie entwickeln alles in verständlichen Etappen und kleinen Wissenshäppchen. 

Screencast-Recorder beziehungsweise Screencast-Software gibt es übrigens in vielfältiger Form zum Download: kostenlos oder gegen eine (meist geringe) Gebühr, für Computer oder Tablets, für Windows oder Mac beziehungsweise für iOS oder Android. Einige bekannte Namen sind hier Screencast-O-Matic, Debut Video Capture, Doceri oder Explain-Everything. 

So oder so gilt: Trauen Sie sich, tüfteln Sie ein wenig herum und probieren Sie "Flipped Classroom" aus. In das Erstellen von Screencasts müssen Sie sich erst etwas hineinfuchsen, es funktioniert aber ganz schnell immer besser. Gleichzeitig bauen Sie sich einen Fundus von Videos auf, die Sie auch später noch immer wieder einsetzen können. Das Ganze ist also absolut kein Hexenwerk – und wunderbar für individualisiertes und selbstständiges Lernen geeignet!

Dieser Artikel basiert auf dem Ratgeber "Unterrichten mit dem Flipped-Classroom-Konzept – Das Handbuch für individualisiertes und selbstständiges Lernen mit neuen Medien" von Alexandra Kück, Verlag an der Ruhr, ISBN 978-8346-2508-3.

Fortbildungstipp

Selbstorganisiertes Lernen an berufsbildenden Schulen (SchiLf)
Sie entdecken durch die Prinzipien des selbstorganisierten Lernens, welche Möglichkeiten der Ansatz des handlungsorientierten Lernens bietet.

Begriffe und Modelle im Themenfeld „Bildung und Digitalisierung“
Medienkompetenz, Digital Natives und Digital Immigrants, SAMR, Flipped Classroom, Web 2.0, 4K, … - immer mehr neue Begriffe prägen die aktuellen Entwicklungen im Rahmen der
Digitalisierung von Schule und Bildung. Vor diesem Hintergrund sowie angesichts des zunehmenden Einsatzes Digitaler Medien werden diese Begriffe erklärt und eingeordnet.

Schlagworte:

01.12.2020
Aktueller Tipp: Lerntagebuch
Besser lernen in Pandemiezeiten
Homeschooling, Hybridunterricht, vorübergehende Quarantäne – der Unterricht und das Schulleben laufen noch immer nicht rund. Eine große Herausforderung ebenso für Schülerinnen und Schüler wie für ihre Lehrerinnen und Lehrer. Welche Hilfestellungen, welche Motivation bekommen die Kinder und Jugendlic... Weiterlesen
09.04.2020
Gedächtnis wie ein Sieb?
Das geht auch anders – Lerntricks für Ihre Schülerinnen und Schüler
"Oh, weiß ich nicht." "Hatten wir das überhaupt schon?" "Keine Ahnung." Seit drei Stunden arbeiten Sie jetzt schon an dieser Unterrichtseinheit und bei Ihren Schülerinnen und Schülern scheint nichts hängengeblieben zu sein. Liegt’s an Ihnen, den Schüler/-innen, dem Stoff? Das ist schwer zu sagen. Gu... Weiterlesen
29.04.2019
{Klexer} Wörterbucharbeit in der Grundschule
Clever nachschlagen – die besten Tipps
Warum ist Wörterbucharbeit mit Grundschulkindern im Zeitalter von Digitalisierung und Internet immer noch so aktuell und wichtig? Im folgenden Artikel erfahren Lehrkräfte nicht nur das Warum, sondern erhalten auch hilfreiche Informationen, Anregungen und Tipps – für das Einführen in die Wörterbuchar... Weiterlesen
11.01.2019
{Klexer} Lapbooks – Entdeckermappen selbst gemacht
Die Lapbook-Methode als Portfolio im Religionsunterricht
Lapbooks werden bei Schulkindern und Lehrkräften immer beliebter. Doreen Blumhagen zeigt Ihnen, wie Sie ein Lapbook als Lernportfolio über das erste Grundschuljahr ganz einfach in Ihre alltägliche Unterrichtsarbeit integrieren können – zum Beispiel im Fach Religion.... Weiterlesen