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Methodenkompetenz / 25.06.2018

Lernen lernen – mit der richtigen Methode

Das Vermitteln von Methoden wird in allen Schulformen und Jahrgangsstufen immer wichtiger

Effektiv lesen, für einen Vortrag recherchieren, schlüssig argumentieren und mit Mitschülern zusammenarbeiten – das sind Kompetenzen, die alle Schüler/-innen brauchen. Lern- und Arbeitsmethoden haben in vielen Schulen inzwischen einen festen Platz im Curriculum. Aber sie in den Unterricht zu integrieren, ist nicht immer einfach.

Bild: Shutterstock.com/Ronnachai Palas

Dreiklang aus Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz

Immer mehr Lehrkräfte wissen, dass es sich lohnt, nicht nur Fachliches zu unterrichten, sondern die Schülerinnen und Schüler auch dabei zu unterstützen, für sich die passenden Lernmethoden zu finden, das Lernen zu lernen und ihre sozialen Kompetenzen zu trainieren. Viele Schulen haben eigene Methoden-Curricula entwickelt oder zumindest Methodentage, Projekte oder Stunden für das Erlernen und Einüben von Methoden reserviert.

In der Grundschule fängt es damit an, zu lernen, wie man ein Hausaufgabenheft führt oder die Schultasche packt. Natürlich zählen auch Lesetechniken oder Methoden zum Auswendiglernen dazu. Individuell herauszufinden, welcher Lerntyp man ist, und die eigenen Fähigkeiten und Schwächen realistisch einzuschätzen, das gehört ebenfalls in den Methodenkoffer. Und eine wichtige Rolle spielt das soziale Lernen: Wie arbeitet man in Gruppen oder mit einem Partner gut zusammen? Wie löst man Konflikte? Wie vertritt man den eigenen Standpunkt? 

Dieser Dreiklang aus Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz zieht sich im Idealfall von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss durch. Dabei kommt es darauf an, dass Methoden nicht nur vorgestellt, sondern auch eingeübt und mit Inhalten des Fachunterrichts trainiert werden. Kurz: Die Methoden müssen lebendig und regelmäßig genutzt werden. Das setzt eine gute Abstimmung im Lehrerkollegium voraus. 

Was als Einzelinitiative engagierter Lehrkräfte begann, hat inzwischen Eingang in die offiziellen Lehrpläne gefunden. So werden etwa in Bayern Themen und Methoden gleich miteinander verknüpft. Miriam Leick und Sascha Rogowsky unterrichten als Lehrer/-in in Bayern und sind Autoren der Cornelsen-Fachbuchreihe „Methoden-Curriculum“. Sie erläutern, worauf es bei der praktischen Umsetzung ankommt.

Welche Methoden sind wichtig?

Der Dreiklang aus Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz sollte an die Altersstufe der Schüler angepasst werden. Bei der Sachkompetenz geht es zum Beispiel darum, Arbeitspläne aufzustellen und zu verfolgen, um Lesetechniken oder Methoden, um ein Referat zu erarbeiten. Das Setzen von Zielen, die Analyse eigener Stärken und Schwächen, aber auch der Umgang mit Kritik sind Bestandteile des Selbstkompetenz-Parts. Das soziale Lernen schließlich dreht sich etwa um die gelingende Zusammenarbeit in der Gruppe, aber mit zunehmendem Alter kann zum Beispiel auch Mobbing und der Umgang damit zum Thema werden. 

Grundschullehrerin Miriam Leick hat beobachtet, dass die Schülerinnen und Schüler ein großes Bedürfnis haben, sich Strukturen zu erarbeiten. „Das mag an den neuen Medien liegen, dass es in den Köpfen relativ unstrukturiert zugeht und die Kinder und Jugendlichen es sehr wertschätzen, sich ein systematisches, klares Vorgehen zu erarbeiten. Dafür hat sich zum Beispiel die Mindmap-Methode bei uns sehr bewährt“, sagt sie.

Worauf kommt es bei der Auswahl der Methoden an?

Inzwischen gibt es eine große Bandbreite an Übungen, Arbeitsblättern und Vorschlägen, um viele Aspekte des methodischen Lernens anzugehen. Neben den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler sind die persönlichen Vorlieben und Kompetenzen für Lehrerinnen und Lehrer ein valides Kriterium, ihre Auswahl zu treffen. Dazu Miriam Leick: „Ich finde es wichtig, als Lehrerin authentisch zu sein und die Unterrichtseinheiten auch so auszuwählen, dass sie zu einem selbst passen.“ 

Realschullehrer Sascha Rogowsky geht es bei der Auswahl der Methoden besonders darum, „das aktive Lernhandeln der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen und sie dazu anzuregen, ihren Kopf einzuschalten“. Außerdem müsse es natürlich der Jahrgangsstufe gerecht werden: So bekommt das soziale Lernen ein stärkeres Gewicht, je älter die Schüler werden. In den höheren Jahrgangsstufen spielt dann zum Beispiel auch das Präsentieren eine größere Rolle. Und in den 9. und 10. Klassen geht es in seinem Curriculum um das Thema Bewerbungen.

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Einzelstunden, Methodentag oder Projektwoche – was ist am sinnvollsten?

Ein generelles Rezept gibt es nicht, findet Rogowsky. „Aber natürlich ist es am Anfang des Schuljahres viel sinnvoller als am Schluss.“ Und es lohne sich, das Methodenlernen regelmäßig in den Unterricht einzubauen und in einem bestimmten Rhythmus immer wieder aufzugreifen und einzuüben. An Rogowskys Schule gibt es ein eigenes Fach, das „Kompass“ genannt und gern auch mit „I can“ umschrieben wird, um die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler  in den Mittelpunkt zu stellen. 

Miriam Leick geht in Einführungsstunden ausführlich auf eine neue Methode ein – um sie in späteren Stunden nach einer kurzen Auffrischung für neue fachliche Inhalte zu nutzen.

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Was bringt eine gemeinsame Linie innerhalb des Kollegiums?

Mit Kolleginnen und Kollegen eine gemeinsame Linie zu finden, ist auf verschiedenen Wegen möglich. Je kleiner die Schule und je begeisterter das Kollegium das Methodenlernen anwenden, umso besser wird die Abstimmung funktionieren. Miriam Leick: „Ich habe das Glück, an einer kleinen Schule zu unterrichten, in der wir eng zusammenarbeiten und uns regelmäßig Feedback geben können.“ Sich auf einen Jahresplan zu verständigen bringt Vorteile: „Man hat so die Übersicht, was sich ergänzt, was sich wiederholt und was man sinnvoll zusammenfassen kann“, sagt Leick. 

Wenn eine Methode einmal eingeführt wurde, sollte man sie auch weiter verfolgen und anwenden. Je mehr Kolleginnen und Kollegen an einem Strang ziehen und in ihrem Fachunterricht auf eingeführte Methoden zurückgreifen, desto besser ist es für die Schülerinnen und Schüler. Aber: Druck hilft nicht. „Ich verstehe das Methoden-Curriculum als ein Angebot an meine Kollegen, das sie nutzen können, aber nicht müssen“, sagt Sascha Rogowsky. „Niemand soll gezwungen werden, aber wenn ein solcher Prozess ins Rollen kommt, steigen oft immer mehr Kollegen mit ein.“ 

Um alle unkompliziert auf einen Stand zu bringen, gibt es an Rogowskys Schule die „Methodenwand“, an der alle Lehrerkollegen das Wesentliche zu den unterrichteten Methoden nachlesen und sich aktuell informieren können.

Wie lässt sich das Methodenlernen von der Grundschule bis zum Schulabschluss sukzessive aufbauen?

„Je früher man mit dem Lehren von Methoden anfängt, umso besser können die Kinder sie später auch selbstständig für sich nutzen und umso leichter fällt es ihnen, sich im Laufe ihres Lebens neue Methoden anzueignen“, erzählt Miriam Leick von ihren Erfahrungen. 

Es braucht einen langen Atem, bis Methoden wirklich in Fleisch und Blut übergehen und für die Schüler wie selbstverständlich zu ihrem Lernen dazugehören. Das sieht Leick schon in ihren Grundschulklassen: „An unserer Schule kann ich eine Klasse mehrere Jahre hintereinander betreuen und ich sehe jetzt zum Beispiel in einer vierten Klasse, wie das seit der zweiten Klassen Gelernte große Früchte trägt. Die Kinder arbeiten gut in der Gruppen zusammen, sie können recherchieren und sich selbst realistisch einschätzen. Aber das braucht einfach Zeit.“ 

Viele Lerntechniken begleiten die Schüler ihr (Schul-)Leben lang. Sie immer wieder aufzugreifen, ist deshalb sinnvoll. Sascha Rogowsky hat ganz bewusst Wiederholungen in sein Curriculum eingebaut und erklärt das so: „ Methoden wie das Erstellen einer Aufgabenliste oder eines Wochenarbeitsplanes kann man auf jeder Jahrgangsstufe altersgemäß trainieren. Und gerade in der Pubertät, wenn das Lernen anstrengend und schwierig wird, lohnt es sich, Methoden nochmals aufzugreifen und zu intensivieren.“

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