Unterricht gestalten / 11.01.2019

{Klexer} Lapbooks – Entdeckermappen selbst gemacht

Die Lapbook-Methode als Portfolio im Religionsunterricht

Lapbooks werden bei Schulkindern und Lehrkräften immer beliebter. Doreen Blumhagen zeigt Ihnen, wie Sie ein Lapbook als Lernportfolio über das erste Grundschuljahr ganz einfach in Ihre alltägliche Unterrichtsarbeit integrieren können – zum Beispiel im Fach Religion.

Bild: Shutterstock.com/Lyubov Kobyakova

Lapbook – Was ist das eigentlich?

"Lapbook" heißt übersetzt "Schoßbuch". Es ist eine Mappe, die so groß ist, dass sie gerade auf den Schoß (engl. lap) eines Schulkindes passt. Das Besondere an dieser Mappe: Sie ist mehrfach aufklappbar, sodass die Kinder viele, verschiedene "Minibücher" mit Informationen zu einem Gesamtthema darin sammeln können. Solche Minibücher sind zum Beispiel kleine Hefte, Drehscheiben, Pop-up-Karten, Umschläge, Leporellos, Flip-Flaps oder Faltbücher. Sie werden von den Kindern selbstständig bastelnd, malend und schreibend zu einzelnen Teilthemen gestaltet. Diese Minibücher müssen zuerst aufgeklappt, gedreht oder durchgeblättert werden, um die enthaltenen Informationen lesen zu können.

Lapbooks kommen bei Grundschulkindern super an. Ihnen gefällt es, sowohl Inhalte in den Minibüchern zu "verstecken" als auch fertige Lapbooks anderer Kinder zu "entdecken". Denn jede dieser Entdeckermappen ist individuell gestaltet und einmalig. Daher sind die Kinder meist höchst motiviert, ihre eigenen Lern- und Arbeitsergebnisse zu dokumentieren und zu präsentieren.

Wie können Sie ein Lapbook als Portfolio im Religionsunterricht einsetzen?

Ein Lapbook im Religionsunterricht einzusetzen ist für ein Einzelthema (zum Beispiel "Bibel" oder "Weltreligionen") nahezu unmöglich. Schließlich gilt es – bei lediglich einer Unterrichtsstunde pro Woche im Fach Religion – den Lehrplan des Schuljahres zu erfüllen. Deshalb empfehle ich die Lapbook-Methode parallel zur Arbeit mit dem Religionslehrbuch. So entsteht beispielsweise zum Lehrwerk Kinder fragen nach dem Leben (Kifra) ein vielseitiges Portfolio.

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Die Schülerinnen und Schüler gestalten einzelne Minibücher – thematisch vorbereitet oder Blanko-Vorlagen – zu den wichtigsten Inhalten aus jedem Lehrwerk-Kapitel. Die Minibücher können sowohl während als auch nach der Erarbeitung eines Kapitels angefertigt werden. Sie können Zeichnungen, Gedanken, Gebete, biblische Geschichten, Steckbriefe oder Ergebnisse von Rechercheaufgaben beinhalten. Die Kinder können festhalten, was sie gelernt haben oder was ihnen nach der Erarbeitung eines Kapitels wichtig ist. Oder formulieren für sie noch offene Fragen.

Auf diese Weise hält jedes Kind am Ende des Schuljahres eine Lapbook-Schatzkiste mit lauter individuellen Minibüchern über seinen gesamten Lernprozess und seine persönlichen Themen in den Händen.

So gelingt der Einstieg in die Lapbook-Methode mit Erstklässlern

Die Einführungs- und Kennenlernphase des Religionsunterrichts in der ersten Klasse eignet sich sehr gut für das Falten und die Gestaltung des Lapbook-Umschlags (Anleitung siehe M 1).

Dazu erklärt und zeigt die Lehrkraft jeden einzelnen Schritt. Die Schülerinnen und Schüler falten dies nach. Anschließend kleben die Schüler die Überschrift, das ausgefüllte Namenschild, und die Bilder der KV 1 auf ihren Umschlag. Dabei lernen sie auch die beiden Begleitfiguren, einen Jungen und ein Mädchen, aus dem Kifra-Lehrwerk kennen. Ihren fertigen Lapbook-Umschlag bewahren die Kinder am besten in einer Prospekthülle im Hefter auf.

Tipp: Zeigen Sie den Kindern vor dem Einstieg ein bereits fertiges Lapbook (mit Minibüchern), damit sie die Lapbook-Methode kennenlernen. Durch das Stöbern im Beispiel-Lapbook erhalten die Kinder außerdem einen Eindruck, welche Themen sie im Religionsunterricht erwarten.

In einem ersten Minibuch (siehe KV 2) können sich die Schülerinnen und Schüler selbst vorstellen. Dazu malen oder kleben sie ein Bild von sich auf die Außenklappen des Minibuchs. Sie malen oder schreiben über sich auf die Innenseiten.

Tipp: Jedes fertige Minibuch sollte sofort eingeklebt werden, damit es nicht verloren geht. Das Lapbook sollte in einer Prospekthülle im Hefter aufbewahrt werden.

Das Kifra-Lapbook am Beispiel des Kapitels „Ich-Du-Wir“

Zur Ergebnissicherung des Kapitels „Ich-Du-Wir“ können die Grundschulkinder unterrichtsbegleitend weitere Minibücher für ihr Kifra-Lapbook anfertigen (siehe KV 3 und 4). Während sie sich in der Lapbook-Methode üben, lernen sie auch mit dem spezifischen Wortschatz umzugehen: Papier, Quadrat, Rechteck, Kreis, zur Mitte falten, zur Spitze falten, auffalten, einschneiden, ausschneiden, umdrehen, Faltlinie, Schneidelinie …

Tricks: Vor allem im Anfangsunterricht haben einige Kinder beim Falten der Minibücher noch Probleme in ihrer visuellen Wahrnehmung und Feinmotorik. Folgendes kann dann helfen:

  • Zur besseren Wahrnehmung der Schneidelinien spuren die Kinder diese mit dem Zeigefinger nach. Gibt es immer noch Probleme spuren die Kinder (oder Sie selbst) die Linie zusätzlich mit einem farbigen Stift nach.
  • Kopieren Sie die Vorlagen auf dickeres Papier (ca. 100g/m³).
  • Für gerades Falten knicken die Kinder das Papier an der Faltlinie über ein Lineal.
  • Kinder, denen es schwer fällt, ohne Linien zu schreiben, kleben Blätter mit Lineatur in ihre Minibücher.

Die Minibücher können durch Spiele (zum Beispiel Kartenpaar-Suchspiele, Dominos), eine Gebets- oder andere Text- oder Bildersammlung ergänzt werden. Diese können in Briefumschlägen oder selbst gebastelten Sammeltaschen in das Lapbook geklebt werden.

Reflexion mit dem Lapbook

Am Ende des Schuljahres und/oder zu Beginn des neuen Schuljahres können die Kinder mit ihren Kifra-Lapbooks reflektieren, welche Themen sie im Religionsunterricht behandelt haben. Dafür gibt es verschiedene Vorgehensweisen:

  • Die Kinder schauen sich gemeinsam ihre Lapbooks an und sprechen über die Themen und was ihnen besonders wichtig war.
  • Jedes Kind stellt aus seinem Lapbook ein Minibuch vor, das ihm besonders gut gefällt. Dazu spricht das Kind entweder vor der Klasse oder die Kinder stellen sich ihr ausgewähltes Minibuch mithilfe der Kugellagermethode gegenseitig vor.
  • Die Kinder legen ihre Lapbooks im Klassenzimmer aus und schauen sie in einem "Museumsrundgang" gemeinsam mit der Lehrkraft an.

Tipp: Möchten Sie die Lapbook-Arbeit im neuen Schuljahr fortsetzen oder über mehrere Klassenstufen nutzen, sammeln Sie die Lapbooks am Ende eines Schuljahres ein. Zu Beginn des neuen Schuljahres wird dann einfach ein weiterer Umschlag an das bereits gestaltete Lapbook angeklebt (siehe M 1).

Weiterführende Unterrichtsideen zum Lapbook

Wenn die Kinder mit der Lapbook-Methode vertraut sind, können sie thematische Lapbooks zu einer Unterrichtseinheit selbstständig erarbeiten. Folgende Themen bieten sich dafür an: "Leben zur Zeit Jesu", "Das Kirchenjahr" und ähnliche.

Weiterführende Literatur

Blumhagen, Doreen: Lapbooks im Grundschulunterricht. Anleitungen zum Einsatz von Lapbooks sowie Blanko-Vorlagen, auch auf CD-ROM. Verlag an der Ruhr: 2018. ISBN: 978-3-8346-3790-1

Blumhagen, Doreen: Mein Kirchenjahr-Lapbook. Kopiervorlagen zum Schneiden, Falten und Weitergestalten. Verlag an der Ruhr: 2018. ISBN: 978-3-8346-3793-2

Blumhagen, Doreen: Mein ABC-Lapbook. Kopiervorlagen zum Schneiden, Falten und Weitergestalten. Verlag an der Ruhr: 2018. ISBN: 978-3-8346-3792-5

Die Autorin

Doreen Blumhagen unterrichtet die Fächer Deutsch, Mathe, Sachunterricht, Religion und Musik. Sie war neun Jahre an einer Grundschule tätig und unterrichtet aktuell an einer Förderschule für geistige Entwicklung. Sie gehört zum Cornelsen-Autorenteam der Lehrbuchreihe Kinder fragen nach dem Leben. Zur Lapbook-Methode bietet sie ab Herbst 2019 in den Cornelsen Informationszentren wieder Workshops an.

 

Fortbildungstipp

Anders Lernen lernen – ein Methodentraining
Sie eignen sich Techniken an, mit denen einfacher gelernt werden kann und erfahren, wie Sie Ihren Schülerinnen und Schülern das Lernen auf spielerischen Wegen beibringen. Zudem besteht die Möglichkeit, die unterschiedlichen Methoden und Übungen unmittelbar auszuprobieren und auszuwerten.
 

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