Schule gestalten / 22.06.2018

Herausforderung Ganztagsschule

Lernen Sie, worauf es gerade in der Anfangsphase der Neustrukturierung besonders ankommt.

Wenn sich Ihre Schule zu einer Ganztagsschule entwickelt, kommen viele Neuerungen auf Sie zu: verstärkte Kooperation, Etablierung einer neuen Lernkultur, Zeitorganisation und-strukturierung, längere Präsenzzeiten in der Schule etc. Für alle Beteiligten bringt die Ganztagsschule eine Fülle von Veränderungen mit sich, an die es verständlich und praxisorientiert heranzuführen gilt – um Ängste abzubauen, Vorurteile zu entkräften und die Akzeptanz von Ganztagsschule als Schulmodell der Zukunft zu stärken.

Bild: Shutterstock.com/Andrekart Photography

Die folgenden fünf Tipps haben sich sowohl in der Schulentwicklungsberatung und -begleitung als auch in der Praxis an den Schulen als nützlich erwiesen. Sie geben Ihnen als Lehrkraft, als Ganztagskoordinator(in), als Schulleiter(in) oder Mitarbeitende im Ganztag einen ersten Eindruck davon, welche Facetten die Ganztagsschule umfasst und was bei ihrer Entwicklung bedacht werden sollte.

1. Vorhandene Arbeitsergebnisse berücksichtigen

Durch die Umstellung auf eine Ganztagsschule werden veränderte pädagogische und organisatorische Überlegungen erforderlich, die nicht mehr unbedingt mit den Inhalten des Schulprogramms einer Halbtagsschule übereinstimmen. Doch berücksichtigen Sie im Zuge der Konzeptentwicklung die bereits geleistete Arbeit. Durchforsten Sie Ihr Schulprogramm auf verwertbare und zu übernehmende Aspekte. Ist-Stand-Analysen hinsichtlich unterschiedlicher Merkmale sind häufig wiederverwendbar oder zumindest mit geringem Aufwand an die neue Situation zu adaptieren.

2. Verpflegungsbereiche mitbedenken

Für die warme Mittagsmahlzeit ist ein Speiseraum notwendig, in dem mehrere Schülerinnen und Schüler gleichzeitig ihr Essen einnehmen können. Da es sich bei Speisesälen meist um größere Räume handelt, muss hier besonders auf die Schalldämmung geachtet werden. Das Abtrennen kleinerer Nischen oder Bereiche (z. B. für einzelne Klassen) durch Trennwände kann zur Beruhigung und Strukturierung des Speiseraums beitragen. Auch empfiehlt es sich, keine Stühle mit schrägen Stahlrohrbeinen zu wählen, da diese zu viel Lärm verursachen.

3. Größere Unterrichtseinheiten anbieten

Was können 15 Minuten mehr an Unterrichtszeit bringen? „Mehr Ruhe und mehr Konzentration“ ist die Antwort, die erfahrene Lehrkräfte darauf geben. Stoßen Sie eine Diskussion um die Taktung in Ihrer Schule an. Denn größere Unterrichtszeiteinheiten führen noch zu viel mehr. 60 Minuten (und andere Zeitstrukturmodelle) … 

… führen zu einer Veränderung der Unterrichtskultur, bedeuten mehr effektive Lernzeit und ermöglichen ein konzentrierteres Arbeiten.
… verändern die Schulkultur und das Pausenklima.
… führen zu einer flexibilisierten Stundenorganisation.
… ermöglichen Lehrkräften und Schüler(inne)n, sich auf weniger Fächer pro Tag zu konzentrieren.

4. Fächerübergreifendes Lernen nutzen

Der Unterricht im Ganztag bietet zahlreiche Gelegenheiten, fächerübergreifendes Lernen zu etablieren. Einerseits kann damit die Verbindung von Unterrichtsfächern über einen befristeten Zeitraum für bestimmte Unterrichteinheiten oder ein Projekt gemeint sein. Die einzelnen Unterrichtsfächer sind damit nicht dauerhaft abgelöst, sondern betrachten bestimmte Inhalte aus verschiedenen Perspektiven. Andererseits ist auch über die Aufhebung von Fächergrenzen nachzudenken, sodass sich Fächer zum Beispiel zu einem naturwissenschaftlichen Unterricht (Biologie, Chemie, Physik) oder Unterricht in Gesellschaftslehre (Geografie, Geschichte, Politik) vereinen.

5. Identifikation mit der Schule stärken

 

Machen Sie sich bewusst, warum Sie sich zu einer Ganztagsschule entwickeln (möchten). Diskutieren Sie dies in der Steuergruppe oder im Kollegium: Warum werden Sie eine Ganztagsschule? Wodurch zeichnet sich Ihre Schule aus? Welchen Gewinn haben die Akteure dadurch? Mögliche Zielperspektiven könnten die Verminderung sozialer Disparitäten, die stärke Identifikation mit der Schule und der Schulkultur, die Überwindung der Trennung von Schule und Lebensraum, die Verbindung von formellem und informellem Lernen sowie die Integration von Freizeit und Unterricht durch die funktionale Ausdehnung von Schule sein. Zur Identifikation mit der Schule können auch visuelle Hilfen (Logo, einprägsamer Leitspruch) beitragen. 

Diese Tipps stammen aus dem Ratgeber „99 Tipps: Ganztagsschule“ von Ilse Kamski, Saskia Koltermann und Josefa Kinecki. Darin erhalten Sie noch ausführlichere Anleitungen sowie zahlreiche weitere hilfreiche Tipps für Ihren Schulalltag.

Die Reihe „99 Tipps“ liefert kompakt aufbereitetes Wissen in Tipp-Form. Die Autorenteams weisen langjährige Berufserfahrung auf und geben ihre wertvollsten Ideen und nützlichsten Ratschläge weiter. Alle Tipps sind im Unterricht und in der Schule erprobt und haben sich gut bewährt.

Die „99 Tipps“ kommen ohne langwierige theoretische Erläuterungen aus und bieten direkte, unkomplizierte Lösungsansätze, die Sie sofort ausprobieren können.

Fortbildungen der Cornelsen Akademie 

Praxistag „Soziales Lernen im Ganztag“ 
Der Umgang von Kindern ist häufig von Konflikten geprägt, die in verbalen bzw. körperlichen Auseinandersetzungen wie Beleidigungen, Ausgrenzungen und gewaltsamer Durchsetzung der eigenen Interessen münden. Insbesondere Jungen suchen über Körperkontakt Anerkennung und Wahrnehmung durch andere. Disziplinarische Maßnahmen oder Gespräche führen oft nicht zum Erfolg. 
 

Schulentwicklung über das Schulprogramm
Die Leistungsgesellschaft macht auch nicht vor Schulen halt! Konkurrenzbedingter Profilierungsdruck verlangt von Ihnen und Ihrer Schule die planvolle Entwicklung eines pädagogisch verbessernden und leistungsstärkenden Schulprogramms für alle Beteiligten. Begreifen Sie und Ihr Kollegium die Institution Schule als lernende und sich ständig modernisierende Organisation und gestalten Sie so die Zukunft Ihrer Schule.
 

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