Unterricht gestalten / 07.09.2020

{Klexer} Klimawandel als Thema in der Grundschule? – Na klar!

Grundschulkinder wollen wissen, was passiert und was sie tun können.

Der Klimawandel ist die globale Herausforderung unserer Zeit. Es muss gelingen, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu reduzieren, um zu verhindern, dass sich die Erde so sehr erwärmt, dass nachfolgende Generationen an den gravierenden und unumkehrbaren Folgen leiden. Wie kann dieses komplexe Thema für Grundschulkinder aufbereitet werden?

Bild: Shutterstock.com/Ilike

Jedes Kind kennt Greta Thunberg – und Greta Thunberg hörte schon als 8-Jährige in der Schule das erste Mal davon, dass die Erde immer wärmer wird und dies vor allem die Menschen verursachen. Sie überlegte, was sie selbst beitragen könne, um die Erderwärmung zu stoppen. Mit 15 Jahren begann sie mit einem Schulstreik für das Klima. Inzwischen hat sich aus ihrer Initiative eine große Bewegung entwickelt: Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt gingen freitags auf die Straße oder treffen sich seit der Corona-Pandemie im Netz, um die Politik und die breite Öffentlichkeit zum Handeln für den Klimaschutz zu bewegen. Unterstützt werden sie von den Scientists for Future, einem Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die das Anliegen der jungen Menschen berechtigt finden und wissenschaftlich untermauern.

Welche Fakten zum Klimawandel gibt es laut Scientists for Future?

Die Durchschnittstemperatur auf der Welt ist seit Beginn der Aufzeichnungen bereits um etwa 1°C angestiegen – die Hälfte davon erfolgte in den letzten 30 Jahren. Weltweit waren die Jahre von 2014 bis 2019 die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ursache dafür sind die von den Menschen erzeugten Treibhausgasemissionen. Durch die Erwärmung werden häufigere Extremwetterereignisse verursacht – dazu gehören Hitzewellen, Dürren und Starkniederschläge. Die indirekten Folgen gefährden die menschliche Gesundheit durch Ernährungsunsicherheit und die Verbreitung von Krankheiten. Um die Erderwärmung zu stoppen, müssen die Treibhausemissionen rasch sinken. Aber derzeit steigen die Kohlendioxid (CO2)-Emissionen weiter – mit abzusehenden dramatischen Folgen für die gesamte Menschheit.

Was sind Treibhausgase und wie entstehen Treibhausgasemissionen?

Die Atmosphäre grenzt die Erde vom Weltraum ab und filtert die Strahlung der Sonne: Das Licht und die Wärme lässt sie hindurch – beides wird für das Leben auf der Erde gebraucht. Teilweise wird diese Wärme zurück ins Weltall reflektiert. Treibhausgase schließen einen Teil der Wärme ein – so wie eine Winterjacke Körperwärme zurückhält. Die Atmosphäre besteht aus einem Gemisch von verschiedenen Gasen – zu 99 Prozent aus Sauerstoff und Stickstoff und zu einem Prozent aus verschiedenen Treibhausgasen. Treibhausgase sind Kohlendioxid (CO²), Methan (CH4), Lachgas (N2O) und Fluorkohlenwasserstoffe. Mit der Anreicherung dieser Gase in der Atmosphäre verändert sich die langjährige mittlere Temperatur der Erde – es wird wärmer. Durch die vom Menschen verursachten Emissionen seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre um 40 Prozent erhöht.

Was verursacht die Emission von Treibhausgasen?

Den größten Teil des vom Menschen erzeugten Treibhauseffekts wird durch Kohlendioxid (CO2) verursacht. Es entsteht bei der Verbrennung fossiler Energieträger – wie Kohle, Erdgas oder Erdöl. Diese werden in der Industrie, im Verkehr und bei der Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Besonders zerstörend für die Umwelt ist die Brandrodung der Regenwälder. Alle 3 bis 4 Sekunden wird ein Stück Wald so groß wie ein Fußballfeld vernichtet! Bäume speichern CO2. Je mehr Wälder wir vernichten, desto mehr CO2 wird frei. Abholzung und Brandrodung verursachen 30 Prozent des weltweiten Jahressausstoßes von Treibhausgasen. Die meisten Rodungen dienen der Gewinnung von Weideland oder von Anbauflächen für Futterpflanzen von Nutztieren. Auch Nutztiere produzieren erhebliche Mengen des Treibhausgases Methan (CH4). Sie sind die größte Methanquelle und der größte Verursacher des Stickstoffausstoßes. Nutztierhaltung ist somit einer oder sogar der Hauptverursacher von Klimawandel.

Das Treibhausgas Methan (CH4) entsteht vor allem in Klärwerken, auf Mülldeponien, beim Anbau von Reis und als „Abgas“ von Wiederkäuern. Feuchtgebiete und Ozeane setzen natürlicherweise Methan frei. Es entsteht beim Abbau von organischem Material unter Ausschluss von Luft.

Distickstoffmonoxid (N2O), auch Lachgas genannt, wird beim Düngen in der Landwirtschaft freigesetzt. Es entsteht beim Abbau von Stickstoffdünger.

Was können wir tun?

Kurz gesagt: alles, was Treibhausgasemissionen verringert oder vermeidet. Wir können in verschiedenen Lebensbereichen etwas dafür tun, dass möglichst wenig Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen.

  • Im Verkehr: Fahrrad fahren, Fahrgemeinschaften, Carsharing, öffentliche Verkehrsmittel nutzen – weil die Benzinverbrennung CO2 freisetzt; auf Autos verzichten, wenn es möglich und sinnvoll ist; wenig oder gar nicht fliegen.
     
  • Beim Umgang mit Strom und Heizung: Strom sparen, weil der meiste Strom aus Kohleverbrennung stammt; weniger Videos im Internet anschauen, weil diese sehr viel Strom auf den Servern verbrauchen; auf Ökostromanbieter wechseln und weniger heizen, um Erdöl oder Erdgas zu sparen.
     
  • Beim Einkaufen: Plastik vermeiden bzw. recyceln. Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Wenn Altplastik nicht recycelt, sondern mit dem Restmüll verbrannt wird, setzt das CO2 frei ; nicht alles neu kaufen, sondern Flohmarkt, Secondhand, Upcycling nutzen, Kaputtes reparieren, denn sonst muss neu produziert und hierher transportiert werden.
     
  • Beim Essen: möglichst oft pflanzliche Nahrung und weniger Fleisch und Milchprodukte essen, weil die Nutztierhaltung einer der größten Treibhausgasverursacher ist; möglichst wenig Lebensmittel wegwerfen und saisonale und regionale Produkte kaufen und essen, um Transportwege zu vermeiden
     
  • Den Regenwald schützen: Papier sparen, Recyclingpapier nutzen, Papiermüll sorgfältig entsorgen sowie Fleisch aus Massentierhaltung und Palmölprodukte vermeiden – sich einmischen, Verbündete suchen

Wie kann das Thema im Unterricht behandelt werden?

Für die Grundschule gilt, dass die Inhalte auf das Wesentliche reduziert werden müssen, damit die Schülerinnen und Schüler den Kern des Problems erfassen können. Dabei stehen die Fakten und die richtige Darstellung im Mittelpunkt. Die jüngeren Schulkinder können sich die Fakten nicht selbst erarbeiten – sie brauchen eine klare und motivierende Präsentation. Dabei sollten wir nicht Verzicht predigen und apokalyptische Zukunftsvisionen an die Wand malen, sondern Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und den Genuss von Dingen propagieren, die dem Klima nicht so erheblich schaden.

Vorschlag für den Ablauf des Unterrichts in der 4. Jahrgangsstufe

  1. Einstieg: Greta Thunberg

    Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Da sie selbst schon als Kind ihr Engagement für das Klima begann, eignet sie sich gut als Identifikationsfigur für die Schülerinnen und Schüler. Die Kinder können erzählen, was sie selbst schon von Greta und deren Engagement wissen. Zusätzlich könnten sie über Greta Thunberg mithilfe von Kindersuchmaschinen im Internet recherchieren und ihre Erkenntnisse auf der Kopiervorlage (siehe KV 1) „Wer ist Greta Thunberg?“ festhalten.
     
  2. Die Atmosphäre der Erde / Was ist der Treibhauseffekt?

    Eine kurze und altersgerechte Erklärung des menschengemachten Treibauseffektes erhalten die Schülerinnen und Schüler mithilfe eines YouTube-Videos (siehe Tipps unten). Danach erläutern sie selbst zu einer Abbildung, woraus die Atmosphäre der Erde besteht (siehe KV 2a) und festigen ihr Wissen, indem sie den Lückentext „Was ist der Treibhauseffekt?“ ausfüllen und einen kurzen Sachtext lesen (siehe KV 2b).
     
  3. Was sind Treibhausgase und wo entstehen sie? 

    Die Treibhausgase und ihre Entstehung prägen sich besser ein, wenn die Kinder die Texte mit entsprechenden Bildern verbinden (siehe KV 3).
     
  4. Das können wir tun

    Um die eigenen Handlungsmöglichkeiten geht es in der letzten Einheit „Das können wir tun“ (siehe KV 4). Nun wird noch einmal zusammengefasst, welche Einflussmöglichkeiten es gibt auf die Entstehung von Treibhausgasen. Dann überlegen die Schülerinnen und Schüler, was sie selbst tun möchten.

Quellen und Literaturempfehlung:

·         Sophia Fahrland: Klimaschutz fängt auf dem Teller an. ISBN 978-3-83121-0561-5

·         Mojib Latif: Heißzeit. ISBN 978-3-38684-8

·         Jonathan Safran Foer. Wir sind das Klima! ISBN 978-3-46205321-0

·         Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. ISBN 978-3-550-20079-

·         https://www.scientists4future.org/

Zur Autorin 

Ulrike Blumensath ist Grundschullehrerin mit dem Schwerpunkt Sachunterricht. Sie leitet das Pädagogische Zentrum für Natur und Umwelt in Cottbus und ist Brandenburgische Landeskoordinatorin bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten. Als Autorin hat sie für den Cornelsen Verlag an der Umweltfreunde-Reihe mitgearbeitet.

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