Konfliktmanagement / 13.09.2018

Die drei Säulen einer konstruktiven Konfliktkultur

Mit Konflikten richtig umgehen

Ob Sie es wollen oder nicht: Konflikte gehören zum Schulalltag schlichtweg dazu. Entscheidend ist der richtige Umgang mit den unvermeidlichen Differenzen. Wie aber schaffen Sie eine positive Konfliktkultur an Ihrer Schule? Welche konkreten Handlungsmöglichkeiten haben Sie? Hier finden Sie Antworten.

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Schule ohne Konflikte gibt es nicht

Jana und Lisa schreien sich lauthals an, Tobias beschimpft Markus aufs Übelste, Lukas schubst Hannah und dann prügeln sich auch noch Jan und Leon. Streitigkeiten gibt es im Schulalltag immer wieder – und bestimmt haben auch Sie schon einmal gedacht: "Wie schön wäre es, wenn sich alle einfach vertragen würden!" 
Fakt ist: Konflikte lassen sich nie ganz vermeiden. Sie gehören zum Schulalltag, aber auch zum Leben allgemein schlichtweg dazu. Entscheidend ist allerdings die Frage, wie wir mit ihnen umgehen. Von einer konstruktiven Konfliktkultur profitieren letztlich alle – und es gibt vielfältige Möglichkeiten, um eben diese an Ihrer Schule zu etablieren.

Drei Säulen für eine konstruktive Konfliktkultur

Generell gilt: Eine Konfliktkultur haben Sie auch jetzt schon. An jeder Schule wird auf bestimmte Weise mit Differenzen umgegangen – die Frage ist nur, wie. Eine konstruktive Konfliktkultur ist immer auf drei Säulen aufgebaut:

1. Prävention, also der langfristige Aufbau von Konfliktfähigkeit;

2. Intervention, also das kurzfristige Eingreifen im Fall der Fälle;

3. Konfliktbewältigung, etwa durch Mediation, um Konflikte bewusst auszutragen und sinnvoll zu lösen.

 

Präventionsmaßnahmen sind letztlich darauf gerichtet, dass sich alle Akteure mit ihrer Schule identifizieren. Die Prävention umfasst dabei einerseits allgemeinere Bereiche, wie zum Beispiel die Gestaltung von Klassenraum und Schule, eine Schülervertretung, eine Schülerzeitung, Schulvereine oder die Gesundheitserziehung. Zusätzlich gibt es Maßnahmen, die die Konfliktfähigkeit ganz gezielt trainieren, also eine spezifische Prävention leisten sollen. Beispiele hierfür sind:

  • soziales Kompetenztraining beziehungsweise das soziale Lernen,
  • der Klassenrat,
  • die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg,
  • Klassensprecher- oder Peer-Leader-Training,
  • Antiaggressions-/Coolness-/Deeskalationstraining,
  • Streitschlichter- oder Konfliktlotsenausbildung (also der Einsatz von Schülermediatoren),
  • das Buddy-Programm,
  • Schulsozialarbeit,
  • kollegiale (Fall-)Beratung und Supervision,
  • Elternarbeit.

Wichtig ist allerdings, dass solche Maßnahmen nicht als kurzfristige "Schnellschüsse zur Symptom-Bekämpfung" zum Einsatz kommen, sondern tatsächlich systematisch, konsequent und langfristig etabliert werden. Die Einführung des Buddy-Programms kann also beispielsweise keine wirkungsvolle Antwort auf drängende Probleme sein: In akuten Situationen – wenn also mit Gewalt gedroht oder sie tatsächlich angewandt wird – ist eine Intervention nötig. Bei Bedrohungen und Beleidigungen, körperlichen Attacken oder (Cyber-)Mobbing sind konkrete Maßnahmen gefordert, die die Gewalt verhindern beziehungsweise beenden. Denkbar sind zum Beispiel folgende Interventionsansätze:

  • (Klassen-)Mediation, allerdings nur in kaum eskalierten Fällen,
  • die Trainingsraum-Methode,
  • der No Blame Approach,
  • die Farsta-Methode,
  • ein Täter-Opfer-Ausgleich,
  • Krisenintervention.

Damit die reine Intervention eine Auseinandersetzung nicht nur "pausiert", muss allerdings auch noch eine systematische Konfliktbewältigung erfolgen. Direkte Gespräche oder Beratungen zum Beispiel können viele Streitigkeiten nachhaltig auflösen und auch die Mediation wird immer häufiger in Schulen eingesetzt.1

Auch für jüngere Kinder gibt es geeignete Modelle

Umfassendes Konflikttraining ist übrigens schon mit Grundschulkindern möglich. Die Streitschlichter-Methode gibt es zum Beispiel auch speziell für die Grundschule und auch die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ist bestens für jüngere Schüler geeignet. Rosenbergs Methode basiert im Wesentlichen auf vier einfachen Schritten:

1. Was ist passiert? – Beobachtung beziehungsweise Wahrnehmung

2. Wie geht es dir? – Gefühl

3. Was brauchst du? – Bedürfnis

4. Kannst du eine Bitte formulieren? – Bitte (ergebnisoffen, nicht fordernd)

Im ersten Schritt beschäftigen sich die Schüler mit der Frage "Was sehe und höre ich?". Sie beschreiben ohne Wertung ganz konkret eine bestimmte Situation oder Handlung. Dann benennen sie Ihre Gefühle mit Blick auf die genannte Situation ("Wie geht es mir?"). Im dritten Schritt formulieren sie das Bedürfnis, das bisher unerfüllt ist ("Was brauche ich?") und bitten im letzten Schritt schließlich um eine erfüllbare Handlung. Am Ende könnte beispielsweise folgende Kommunikation dabei herauskommen: 

1. "Wenn ich sehe, dass Paul in der Pause seit einer Woche allein ist,

2. bin ich besorgt,

3. weil ich mir wünsche, dass sich alle Kinder in der Pause wohlfühlen, sich bewegen und Spaß haben und wieder entspannt arbeiten können.

4. Seid ihr bereit, mit mir gemeinsam eine Lösung für diese Situation zu suchen?"2

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Erst analysieren, dann aktiv werden

Sie sehen: Sie haben zahlreiche Möglichkeiten, auf eine konstruktive Konfliktkultur an Ihrer Schule hinzuarbeiten. Bevor Sie sich ans Werk machen, ist allerdings eine realistische Bestandsaufnahme wichtig. Werden Konflikte wirklich aufgearbeitet oder findet bisher nur eine Intervention ohne tatsächliche Konfliktbewältigung statt? Ist es klug, direkt mit spezifischen Präventionsmaßnahmen zu starten? Oder gibt es akute Auseinandersetzungen, die erst einmal eine Intervention nötig machen? Umgekehrt ist reine Symptombekämpfung ohne langfristige Prävention ebenso wenig sinnvoll – für eine positive Konfliktkultur sind letztlich immer alle drei Säulen wichtig.

 

Zum Weiterlesen: Programme speziell für Grundschüler

Wenn Sie nach konkreten Trainingsmodulen speziell für Grundschüler suchen, empfehlen wir Ihnen die Ratgeber "Respektvoll miteinander sprechen – Konflikten vorbeugen: 10 Trainingsmodule zur gewaltfreien Kommunikation in der Grundschule – von der Wolfssprache zur Giraffensprache" von Evelyn Schöllmann und Sven Schöllmann (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-2477-2) sowie "Grundschulkinder werden Streitschlichter – Ein Ausbildungsprogramm mit vielen Kopiervorlagen" von Marina Götzinger und Dieter Kirsch (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-86072-854-3). Dort finden Sie vielfältige altersgerechte Anregungen.

 

Literatur

In enger Anlehnung an: "Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Grundschule" von Jamie Walker, ISBN 978-3-589-05187-8, Cornelsen, S. 12 f

In enger Anlehnung an: "Respektvoll miteinander sprechen – Konflikten vorbeugen: 10 Trainingsmodule zur gewaltfreien Kommunikation in der Grundschule – von der Wolfssprache zur Giraffensprache" von Evelyn Schöllmann und Sven Schöllmann, ISBN 978-3-8346-2477-2, Verlag an der Ruhr, S. 5 f

Fortbildungstipps

Gewaltfreie Kommunikation im schulischen Alltag
Mit der gewaltfreien Kommunikation können Sie an Ihrer Schule eine Form der Verständigung implementieren, die auf Respekt und Klarheit beruht und das partnerschaftliche Miteinander fördert.
 

Konflikte kompetent erkennen und lösen
Durch das Verhalten in Konfliktsituationen ist häufig sehr emotional und verletzend. Dadurch kommt es zu Reibungsverlusten, die im täglichen Miteinander beispielsweise in Ihrer Schule wenig förderlich sind. Grundsätzlich sind es aber nicht die Konflikte, die "schlecht" sind, viel eher ist es die Art und Weise, mit der Konflikten begegnet wird.
 

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