Unterricht gestalten / 03.08.2020

Lesekonferenzen

Lesefreude wecken, Kompetenzen steigern

Lesekonferenzen sind wunderbar geeignet, die Lesekompetenzen von Grundschülern auf lebendige Weise zu fördern. Als kooperative Lernform trainieren sie außerdem weitere wichtige Schlüsselqualifikationen. Diese Tipps und Anregungen erklären, wie es geht – und es ist gar nicht kompliziert!

Bild: Shutterstock.com

Lesekonferenzen: ein tolles Instrument

Früher stand "Lesen" synonym für "Sinnentnahme". Heute wissen wir: Es ist viel mehr als das. Das Lesen ist eine aktive Informationsverarbeitung, bei der sich der Lesende durch die Interaktion mit dem jeweiligen Text die Informationen erschließt. Die Lesekompetenz ist eine unverzichtbare Schlüsselqualifikation – aber eben auch eine, die erst noch gelernt werden will. Lesekonferenzen eignen sich hierfür wunderbar: Sie wecken bei den Kindern die Lesefreude und trainieren gezielt und äußerst effektiv die Lesekompetenz.
 

Was sind Lesekonferenzen? – Begrifflichkeit und Ablauf

Dominique Lurz und Barbara Scherrer definieren Lesekonferenzen in Ihrem Praxishandbuch "Differenzierte Lesekonferenzen – Klasse 1/2" so: "Eine Lesekonferenz ist eine kooperative Lernform im Umgang mit Lesetexten, die sich die Förderung und Steigerung der Lesekompetenz als Ziel gesetzt hat."1

Dabei fördern Lesekonferenzen unter anderem die folgenden Lesestrategien:

  • Unbekannte Wörter klären
  • Wichtiges und Unwichtiges trennen
  • Hauptpersonen identifizieren
  • Fragen zum Text formulieren
  • Ab der 2. Klasse: Stichpunkte formulieren

In Kleingruppen von 4 bis 6 Kindern beschäftigen sich die Kinder mit einem Text. Idealerweise liegt dieser Text in zwei Schwierigkeitsstufen vor, damit Sie sinnvoll gruppenweise differenzieren können. Die Kinder lesen den Text zunächst leise für sich allein. Im nächsten Schritt lesen sie sich gegenseitig laut vor. Sie klären Wörter, die ihnen noch nicht bekannt sind, und formulieren jeweils eine Frage zum Text, die sie sich notieren. In einer Frage-Antwort-Kette stellen sie sich dann gegenseitig die Fragen und beantworten sie. Danach lösen die Schüler gemeinsam in Gruppenarbeit ein Arbeitsblatt mit Aufgaben passend zum Text, von dem Sie ein Exemplar pro Gruppe zur Verfügung stellen.

Für schnelle Gruppen können Sie zusätzlich "Textwerkstattkarten" verteilen, also zusätzliche Aufgaben zur weiteren Differenzierung (etwa "Markiert alle Tunwörter." oder "Der Gruppenleser liest laut vor. Beim Lesen baut er absichtlich einen Fehler ein. Wer ihn bemerkt, darf weiterlesen."). Neben den Lesefähigkeiten werden auf diese Weise auch soziale Kompetenzen – wie zum Beispiel das Zuhören und Loben, aber auch die Kritik- und Konfliktlösungsfähigkeit – geübt.

Sie als Lehrer fungieren bei der Lesekonferenz vor allem als Berater. Sie sorgen für die richtigen (organisatorischen) Rahmenbedingungen indem Sie die entsprechenden Texte und Arbeitsblätter vorbreiten und greifen während der Lesekonferenz nur ein , wenn es wirklich  nötig ist.

Erfolgserlebnisse schaffen Sie, indem Sie die Anforderungen auf die Schüler zuschneiden. Setzen Sie die Texte und Aufgaben also entsprechend der Lern- und Entwicklungsstände der Kinder ein. Auch um das Reflektieren der Arbeit und um die Zusammenführung der Ergebnisse kümmern Sie sich – deshalb steht am Ende einer Lesekonferenz sinnvollerweise immer auch eine Abschlusskonferenz, also zum Beispiel ein Sitzkreis.

Praxistipps: So klappt es noch besser

Wenn sie zum ersten Mal eine Lesekonferenz durchführen, sollten Sie das gemeinsam mit der gesamten Klasse tun. Danach kennen die Schüler das Grundgerüst, sodass sie zukünftige Lesekonferenzen gut in Kleingruppen bearbeiten können.

Teilen Sie die Kinder in möglichst homogene Gruppen ein. Erstellen Sie für jede Gruppe eine Mappe, in der Sie alle wichtigen Materialien hinterlegen. Einen Ablaufplan (am besten laminiert) sollten die Kinder zur Erinnerung jederzeit griffbereit haben. Wenn Sie eine große Büroklammer seitlich am Ablaufplan befestigen, können die Schüler ganz leicht markieren, auf welchem Stand sie gerade sind. Der jeweilige Lesetext in der passenden Schwierigkeitsstufe und das zu bearbeitende Arbeitsblatt gehören natürlich ebenfalls in die Mappe. Gegebenenfalls sollten Sie auch Zusatzmaterial und die Lösungen in einem verschlossenen Umschlag nicht vergessen.

Ergänzend können Sie auch noch Gruppenämterkarten laminieren und auf den Mappen befestigen. Mit Folienstift können Sie dann festhalten, wer in der Gruppe als Gruppenleser fungiert, wer der Gruppenschreiber ist, wer als Gruppensprecher aktiv wird und wer als Zeit- beziehungsweise Lautstärkewächter auf die Uhr und die Lärmentwicklung achtet. Anschauliche Bildkarten, die Sie gut sichtbar zum Beispiel an der Tafel befestigen (Sitzkreise, leise alleine lesen, Abschnitte vorlesen, schwere Wörter klären, Fragen stellen, Aufgaben vorbereiten, Textwerkstatt und Sitzkreis), helfen zusätzlich bei der Orientierung. So haben Sie und Ihre Schüler den Dreh sicherlich schnell raus!

Literatur

1 Definition entnommen aus: "Differenzierte Lesekonferenzen – Klasse 1/2 – Texte und Arbeitsblätter in je zwei Differenzierungsstufen" von Dominique Lurz, Barbara Scherrer, ISBN 978-3-8346-2488-8, Verlag an der Ruhr, S. 5

 "Differenzierte Lesekonferenzen – Klasse 1/2 – Texte und Arbeitsblätter in je zwei Differenzierungsstufen" von Dominique Lurz, Barbara Scherrer, Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-2488-8

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