Interkulturelle Konflikte lösen

Gemeinsam lernen und Probleme in den Griff bekommen.

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In der Schule prallen sie alle aufeinander: Schüler und Lehrer unterschiedlicher Herkunft, mit verschiedenen Werten, Traditionen und Religionen. Deshalb gibt es keinen besseren Ort, um interkulturelles Verständnis zu entwickeln und das gemeinsame Lösen von Konflikten zu trainieren. Auch wenn das oft alles andere als einfach ist.

Konflikte und Streitigkeiten in der Schule sind so alt wie die Schule selbst. Dementsprechend gehört auch das Vermitteln und Trainieren von Konfliktlösungskompetenz seit jeher in den Schulalltag. Doch selten war die Vielfalt von Schülern und Lehrern größer als heute. Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus vielen verschiedenen Nationen, aus unterschiedlichen Religionen und mit einer großen Bandbreite an Werten, Haltungen und Traditionen im Gepäck treffen in der Schule aufeinander. Klar, dass sie sich nicht immer verstehen und Streits und grundlegende Konflikte an der Tagesordnung sind.

Das alles macht die Schule zum besten Ort, um die so wertvollen Kompetenzen zum interkulturellen Verständnis und zum gemeinsamen Lösen von Konflikten zu erwerben. Oft ist sie für Kinder und Jugendliche der einzige Ort dafür – daraus erwachsen Verantwortung und Chancen.

Interkulturelle Konflikte in der Schule souverän lösen
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Differierende kulturelle Bezugsmuster und unterschiedliche Wertevorstellungen ergänzen vermehrt das ohnehin heterogene Bild der Schülerschaft. So wird das harmonische Miteinander im Schulalltag zusätzlich vor eine besondere Herausforderung gestellt.

Interkulturelles Arbeiten mit Kindern und Eltern
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Jedes Kind individuell zu fördern, bedeutet auch, seine kulturellen Wurzeln zu kennen - und so Verhaltensweisen besser einschätzen zu können. Dieses Buch vermittelt Wissen um kulturelle Hintergründe sowie konkrete Anregungen für die interkulturelle Elternarbeit.

Lehrer, die sich bewusst mit dem Thema „interkulturelle Konflikte“ befassen möchten, können gleich an mehreren Punkten ansetzen. Sie können präventiv agieren und interkulturelles Lernen in ihren Unterricht einbinden. Sie können Konflikte aktiv angehen und daran zusammen mit den Schülern wachsen. Sie können auf die Eltern mit Geduld und Ausdauer zugehen, um auch in diesen wichtigen Beziehungen interkulturelle Brücken zu bauen, statt Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Die beste Basis und Quelle vielfältiger Inspiration für interkulturelles Lernen sitzt den Lehrern direkt gegenüber: die Schüler selbst. Die multikulturelle und vielsprachige Lebenswelt der Schüler ist laut Stefan Seitz die beste – weil authentische – Basis für den interkulturellen Unterricht. Seitz ist Leiter des Praktikumsamtes an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und bildet Studierende aller Schularten als Schulpädagogen aus. Je stärker sich die Schüler selbst einbringen können und dabei respektiert werden, umso besser werde der Unterricht, davon ist Seitz überzeugt. Er hat viele Ideen, wie man den interkulturellen Unterricht konkret gestalten kann. Zwei Beispiele:

  • Die Schüler filmen ein Video-Tagebuch aus dem Alltag eines Mitschülers aus dem Ausland oder mit einer seltenen Religionszugehörigkeit.
    • Die Schüler „erkochen“ sich gemeinsam ein multikulturelles Kochbuch.

    • Auch die beste Prävention kann Konflikte nicht verhindern. Seitz sieht aber gerade in interkulturellen Konflikten viel kreatives Potenzial. Denn wenn es richtig kracht, bietet das auch die Chance, noch mal von vorn anzufangen und eingefahrene Positionen neu zu überdenken.

Es braucht eine gewisse Grundhaltung und Spielregeln, damit Konflikte nicht eskalieren. Wichtig ist, dass Lehrer sich nicht von einer Seite einnehmen lassen, sondern so unabhängig wie möglich als Vermittler agieren und dabei von allen Parteien respektiert werden. Grundkonsens sollte sein, dass unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen eine Bereicherung sind. Wichtig ist laut Seitz, dass nach der ersten Klärung der Lage auch ein Ziel formuliert wird. Und dass man in einem weiteren Schritt ganz bewusst durch die Brillen aller am Konflikt beteiligten Personen schaut und sich in ihre Lage hineinversetzt.

Gerade im interkulturellen Kontext geht es darum, die Schüler in ihrer Andersartigkeit zu akzeptieren, auch wenn kein vollständiges gegenseitiges Verstehen erreicht wird. Dass am Ende einer mit einem klaren Siegergefühl aus dem Konflikt herausgeht, ist gar nicht so erstrebenswert – viel besser ist es, wenn alle ein leichtes Lächeln auf den Lippen haben, ihnen aber auch ein gewisses Zähneknirschen anzusehen ist.

Interkulturelles Lernen in der Grundschule - Wer lernt von wem?
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Faszinierende Projekte, Exkursionen und Unterrichtseinheiten: Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Kulturen machen vielfältige unterrichtspraktische Vorschläge, zum Beispiel zur orientalischen Erzählkultur. Die Anregungen ergänzen sie um Überlegungen zum Bilingualismus und zum Übergang vom Kindergarten in die Schule.

Der Sprachenfächer
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Der Sprachenfächer bietet zu jedem Thema eine sachgerechte und gut lesbare Einführung, methodische Vorschläge, über 50 Kopiervorlagen für den offenen Deutschunterricht mit Materialien und Übungen zur Differenzierung sowie zur Projektarbeit, Formulare für die Lernbilanz.

Vier Fragen an Stefan Seitz, den Leiter des Praktikumsamtes an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Er bildet Studierende aller Schularten als Schulpädagogen aus und ist Autor zahlreicher Bücher, zum Beispiel des neuen Cornelsen-Ratgebers „Interkulturelle Konflikte in der Schule souverän lösen“.

Herr Seitz, Sie beschreiben Konflikte in der Schule als „ein Phänomen, das so alt ist wie die Schule selbst“. Was macht interkulturelle Konflikte besonders? Und was bedeutet das für ihre Lösung im Kontext Schule?


Stefan Seitz: Das Besondere an interkulturellen Konflikten ist, dass sie nicht aus einem zwischenmenschlichen Verständigungsproblem aus der aktuellen Situation heraus resultieren, sondern vielmehr aufgrund unterschiedlicher kultureller Wahrnehmungs- und Deutungsmuster entstehen. Durch diese „kulturelle Brille“ wird das Verhalten des anderen eben nicht als solches gedeutet, sondern verzerrt wahrgenommen – obwohl es vielfach völlig andere Ursachen und Hintergründe hat.

Für die Lösung im Kontext Schule bedeutet das, dass hier erst ganz massive „Aufklärungsarbeit“ über die jeweiligen kulturellen Hintergründe, Bezugsmuster und Normen geleistet werden muss – und zwar ganz konkret im Klassenkontext durch Herausarbeitung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede kultureller Äußerungsmöglichkeiten. Erst wenn ich weiß, was der andere warum und wie anders macht, wenn ich seine grundsätzlichen kulturellen Äußerungsformen kenne, kann ich auf dieser Basis versuchen, ihn als Mensch in diesem Kontext wahrzunehmen und zu verstehen.

Welche Haltung können Lehrer einnehmen, um einen Grundkonsens zu vermitteln, auf dessen Basis die Schüler ihre interkulturellen Konflikte idealerweise selbstständig austragen und lösen können?


Stefan Seitz: Zunächst muss ich als Lehrkraft – wie überhaupt in jeder Klassenkonstellation – als Vorbild wirken, das durch Werte wie Toleranz, Empathie, Akzeptanz und Wertschätzung jedes Einzelnen überzeugt. Und zwar authentisch und nicht aufgesetzt. Des Weiteren muss ich unsere kulturellen Werte selbstverständlich als Bezugsmuster und Grundkonstituenten für unser Gesellschaftssystem darstellen, über die es keine Diskussion gibt. Diese Grundwerte sind nicht verhandelbar und bilden die Basis für die Berechtigung jeglicher Kultur hierzulande.

Wenn die Schüler diese Grundwerte kennen und sich an ihnen orientieren lernen, kann ich von hier ausgehend auch mögliche Konfliktfälle zur Eigenregulation zulassen. Die Grundlagen einer wertschätzenden Kommunikation und Konfliktregelung bzw. -lösung sind also die Basis für die eigenständige Gesprächsführung – und diese muss ich üben und in ihrer Bedeutung herausarbeiten.

Wie gelingt interkulturelles Lernen im Schulalltag? Haben Sie dafür ein oder zwei praktische Beispiele?


Stefan Seitz: Interkulturelles Lernen gelingt ganz entscheidend durch Begegnung im Schulalltag. Je mehr gemeinsam unternommen und gearbeitet wird, desto „natürlicher“ wird der gegenseitige Austausch. Gute Beispiele sind insbesondere gemeinsame (oft nicht zwingend auf Sprache angewiesene) Projekte, die Schüler miteinander (handelnd) umsetzen. Dazu kommen Fächer des musischen Bereiches, die ebenfalls nicht primär auf der Sprache basieren und auch Schülern mit Migrationshintergrund ein Einbringen ihrer Stärken ermöglichen. Überdies sind Tutoren- und Helfersysteme im Schulalltag, bei Hausaufgaben usw. effektiv, ebenso wie vielfältige Spiele zum gemeinsamen Kennenlernen. Je mehr man den anderen als Menschen wahrnimmt und eben nicht als „Ausländer“, desto eher findet man Zugang zu ihm.

Welche Softskills sollten Lehrer im Bereich der interkulturellen Kompetenz vermitteln, um ihre Schüler stark zu machen für die interkulterelle Realität jenseits der Schule?


Stefan Seitz: Diese Softskills beziehen sich generell auf jegliche Aspekte der Persönlichkeitsbildung. Hierzu gehören Dimensionen der Selbstkompetenz wie ein starkes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen (Selbstwirksamkeit). Dazu gehören auch Sozialkompetenzen wie Achtung, Anerkennung, Empathie bzw. Perspektivenübernahme, Kompromissfähigkeit, Kritikfähigkeit, Toleranz, Respekt, Kommunikations- und Teamfähigkeit usw. Auch muss der Schüler lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen durch Werte wie Fleiß, Flexibilität, Hilfsbereitschaft, Vorbildhaftigkeit, Verlässlichkeit, Engagement sowie Zivilcourage – alles in Form von Selbstchecks, Rollenspielen, Kommunikationstrainings usw.

 
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