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Schule gestalten / 01.03.2023

Interview mit Sarah Fichtner: Schulleitungen wollen Digitalisierung aktiv mitgestalten

Zweite Cornelsen Schulleitungsstudie belegt Reformfreude

Was brennt den Schulleitungen in Deutschland unter den Nägeln? Welche Veränderungen wünschen sie sich und wie blicken sie in die Zukunft? Zum zweiten Mal haben sich Schulleitungen in ganz Deutschland in einer repräsentativen Umfrage und ausführlichen Interviews zu Wort gemeldet. Sie wollen ihre Schulen weiterentwickeln, wollen allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden und individualisiertes und soziales Lernen fördern. Um dies umsetzen zu können, wünschen sie sich mehr Autonomie und sehen außerdem einen ganz entscheidenden Hebel in der Digitalisierung – wenn sie denn richtig umgesetzt wird.

Person mit hellbraunem Haar, Wind, Fluss im Hintergrund, Turm und Gebäude sichtbar.

„Schule stärken – Digitalisierung gestalten“ lautet der Schwerpunkt der diesjährigen Cornelsen Schulleitungsstudie, über die wir mit der Leiterin der Studie, Dr. Sarah Fichtner vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) gesprochen haben.


Frau Fichtner, bevor wir zum Schwerpunkt der diesjährigen Studie kommen, zunächst einmal ein ganz allgemeiner Blick auf die beiden Studien: Was hat sich geändert?

Sarah Fichtner: Die Themen, die Schulleitungen beschäftigen, sind in beiden Studien ähnlich, aber sie werden von ihnen in der zweiten Studie anders gewichtet. Diesmal steht die Personalgewinnung an erster Stelle, dieses Thema zieht sich durch die gesamte Studie. Es beschäftigt Schulleitungen sowohl aktuell als auch im Ausblick auf die kommenden fünf Jahre am allermeisten. Das ist angesichts des eklatanten Personalmangels an Schulen auch nicht verwunderlich. Auf Platz zwei steht dann aber tatsächlich schon die Digitalisierung des Unterrichts. Die belegte im letzten Jahr Platz drei. In der aktuellen Studie folgt die digitale Ausstattung, die in unserer letzten Studie die Themenliste angeführt hat. Das heißt, Bildung digital zu gestalten ist für Schulleitungen nach wie vor ein bestimmendes Thema, wobei sich eine Verschiebung von der Ausstattung hin zur didaktisch sinnvollen und auch medienkritischen Anwendung abzeichnet.

Gab es auch neue Themen?

Sarah Fichtner: Ja, es sind aktuelle Geschehnisse hinzugekommen, wie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Maßnahmen, die Schulleitungen ergreifen, um damit an ihren Schulen umzugehen. Wir haben außerdem gefragt, welche Impulse die Schulleitungen aus der Coronazeit in die Zukunft überführen wollen. Und da ist interessant, dass sich 96 Prozent der Befragten dafür aussprechen, die Schule als Begegnungsort in Präsenz zu fördern und so die Schulgemeinschaft, also das soziale Miteinander, zu stärken. Ich glaube, das ist eine ganz wertvolle Erkenntnis aus dem Distanzunterricht.


Waren Sie möglicherweise selbst von einigen Ergebnissen überrascht?

Sarah Fichtner: Schon bei der letzten Studie ist mir aufgefallen, mit was für einer reformfreudigen und visionären Gruppe an Menschen wir es hier zu tun haben — trotz des Personalmangels, trotz der hohen Belastungen im Schulalltag, trotz aller verwalterischen Aufgaben und Hindernisse und trotz der Aussagen, dass Schulleitungen sich oft ausgebremst fühlen. 91 Prozent der Schulleitungen finden dementsprechend, dass die Befugnisse zur Ausgestaltung der schulischen Bildung auf der Einzelschulebene liegen sollten. Ihre Reformfreudigkeit trifft auch auf die Digitalisierung zu. Das hat mich schon überrascht, gerade wenn ich ein paar Jahre zurückblicke. Wer hätte damals gedacht, dass heute kaum noch jemand die digitale Schule ablehnt? Nahezu alle Schulleitungen verstehen den Digitalisierungsschub der letzten Jahre als Stütze und als Chance, um ihre Schüler noch zielgerichteter zu fördern und nachhaltigere Lernerfolge zu ermöglichen, um gesellschaftliche Partizipation und Demokratiebildung digital zu gestalten und auch, um den Verwaltungs- und Kommunikationsprozess zu erleichtern. Auf allen Ebenen wird der Digitalisierungsprozess als Chance wahrgenommen. Und das stellen wir in der neuen Studie ausführlich dar.

Infografik zur Digitalisierung in Schulen mit Statistiken und Illustrationen.
Bild: Cornelsen/Inhouse

Was heißt das genau?

Sarah Fichtner: Schon bei der letzten Studie ist mir aufgefallen, mit was für einer reformfreudigen und visionären Gruppe an Menschen wir es hier zu tun haben — trotz des Personalmangels, trotz der hohen Belastungen im Schulalltag, trotz aller verwalterischen Aufgaben und Hindernisse und trotz der Aussagen, dass Schulleitungen sich oft ausgebremst fühlen. 91 Prozent der Schulleitungen finden dementsprechend, dass die Befugnisse zur Ausgestaltung der schulischen Bildung auf der Einzelschulebene liegen sollten. Ihre Reformfreudigkeit trifft auch auf die Digitalisierung zu. Das hat mich schon überrascht, gerade wenn ich ein paar Jahre zurückblicke. Wer hätte damals gedacht, dass heute kaum noch jemand die digitale Schule ablehnt? Nahezu alle Schulleitungen verstehen den Digitalisierungsschub der letzten Jahre als Stütze und als Chance, um ihre Schüler noch zielgerichteter zu fördern und nachhaltigere Lernerfolge zu ermöglichen, um gesellschaftliche Partizipation und Demokratiebildung digital zu gestalten und auch, um den Verwaltungs- und Kommunikationsprozess zu erleichtern. Auf allen Ebenen wird der Digitalisierungsprozess als Chance wahrgenommen. Und das stellen wir in der neuen Studie ausführlich dar.

Cornelsen Schulleitungsstudie

Was beschäftigt Schulleitungen? Die Cornelsen Schulleitungsstudie gibt Schulleitungen in Deutschland eine starke, öffentliche Stimme. Erfahren Sie hier mehr  zur repräsentative Studie des Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS).

Es geht also in erster Linie um digitale Lerninhalte?

Sarah Fichtner: Nein, das greift zu kurz. Es ist für Schulleitungen ein zentrales Anliegen, Schüler/-innen einen reflektierten und auch kritisch-konstruktiven Umgang mit Digitalität zu ermöglich. Es geht also auch um Kommunikationsformen und -normen, um Ethik im Internet, um Wissensrecherche, um den Umgang mit Inhalten und um das Thema Cybermobbing. 93 Prozent der Schulleitungen wünschen sich mehr Unterrichtsinhalte zu den Themen digitale Bildung und Mündigkeit im Sinne eines reflektierten und verantwortungsbewussten Umgangs mit digitalen Medien.

Bedeutet Digitalisierung des Unterrichts nicht noch mehr?

Sarah Fichtner: Ja, aber das geht mit der eben angesprochenen Ermöglichung digitaler Teilhabe Hand in Hand: 95 Prozent der Schulleitungen betrachten den digitalisierten Unterricht als Hebel, um individualisiertes und selbstbestimmtes Lernen zu unterstützen. Dazu gehört auch die computergestützte individuelle Lernverlaufsdiagnostik. Allerdings müssen dann auch Mittel bereitgestellt werden, um nach der Diagnose gezielt fördern zu können. Und dafür braucht es wiederum den Ausbau multiprofessioneller Teams an Schulen.

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