Unterricht gestalten / 09.01.2020

{Klexer} So spannend kann Leseförderung sein – eine Unterrichtsidee für Viertklässler

Kreative Umsetzung des Bildersachbuchs Wer hat die Brücke angemalt? von Dave Eggers und Tucker Nichols

Wie kam die Golden Gate Bridge eigentlich zu ihrer Farbe? In Gruppenarbeit sammeln die Kinder zuerst eigene Ideen für eine im Anschluss gemeinsam zu gestaltende Brücke auf Papier. Der kreative Prozess mündet in die Lektüre des Bildersachbuchs über die Entstehung der weltberühmten Golden Gate Bridge. 

Bild: Shutterstock.com/Luciano Mortula - LGM

Die Grundschulkinder arbeiten zuerst in Gruppen – ohne das Bildersachbuch Wer hat die Brücke angemalt? zu kennen. Im gemeinsamen Entwerfen einer Brücke auf Papier erleben die Kinder den kreativen Prozess, in dem es darum geht, eigene Vorstellungen mit denen anderer in einem Modell bestmöglich zusammenzufügen. Dies bereitet optimal auf die spätere Lektüre vor: Die Kinder werden durch ihre eigene Arbeit sensibilisiert für die im Bildersachbuch vermittelten Diskussionen und Wortgefechte bei der Entstehung der Golden Gate Bridge, indem sie ihre eigenen Ergebnisse auf das Buch beziehen und beides miteinander verbinden. 

Das Bildersachbuch Wer hat die Brücke angemalt?

Bild: Diogenes Verlag AG

„Am Anfang war da eine Brücke.“ So beginnt der bekannte amerikanische Schriftsteller Dave Eggers seine Geschichte über die Golden Gate Bridge – dieses ungewöhnlich orangefarbene Wahrzeichen von San Francisco. In lockerem Ton führt Eggers nun in das Thema „Brückenbau“ ein: „Nein, bevor es eine Brücke gab, war da eine Bucht. Eine Bucht, die zum Meer führte. Das Meer war der Pazifik.“ Seite für Seite wird nicht nur erzählt, wie die Brücke gebaut wurde, sondern vor allem auch, wie sie zu ihrer heute weltberühmten Farbe kam. Ein Stück amerikanische Kulturgeschichte wird so differenziert und gleichzeitig einfach und kindgerecht vermittelt. Erzählt wird auch, wie Zufall und demokratische Prozesse eine Entscheidung für diese außergewöhnliche und markante Farbwahl herbeiführten. Der Text pro Seite ist sehr reduziert, die Illustrationen sind durch eine klare Graphik geprägt – das Buch spricht alle Altersstufen ab acht Jahren an. 

Das Material für den Einstieg bereitstellen

Für den Einstieg werden im Klassenraum Arbeitstische – für jede Gruppe einer – vorbereitet, auf dem sich folgende Materialien befinden:

  • eine Schwarz-Weiß-Kopie der Bucht ohne Brücke (siehe Klexer KV 1) für jedes Kind der Gruppe zum Entwurf einer eigenen Idee
  • eine Farbkopie der Bucht (siehe Klexer KV 2) für den gemeinsamen Entwurf der Gruppe, auf grauem, dickerem Papier ausgedruckt
  • weiße dünne Pappe oder stärkeres Papier
  • Scheren
  • Stifte: farbintensive Filzstifte, zum Beispiel alkoholbasierte Marker/Layoutstifte, Bleistifte, Fineliner
  • Beispiele für verschiedene Brückentypen (zum Beispiel aus dem Lehrer-Materialheft Seite 19–22, siehe Buchtipp)
  • Arbeitsblatt mit den Aufgaben (siehe Klexer KV 3)

Einstieg – „Herzlich willkommen im Architekturbüro Die goldene Brücke“

Die Kinder verteilen sich von Beginn an in Gruppen von drei bis fünf um die Arbeitstische. Eine Spielsituation als Einstieg erleichtert das Einlassen auf die Aufgabe und vor allem das Agieren in der Gruppe. Die Lehrkraft führt entsprechend in das Thema ein: Herzlich willkommen im Architekturbüro „Goldene Brücke“. Ich begrüße herzlich die verschiedenen Architekten-Gruppen, die für ihre Ideen und schönen Brücken ebenso bekannt sind wie für deren stabiles Bauen. Eine Bucht (Skizze findet sich an den Tischen) braucht dringend eine neue Brücke! Gefragt sind Teamarbeit, Ideen und genaue Planung. Die Aufgabe findet ihr auf euren Arbeitstischen, für Fragen stehe ich zur Verfügung. 

Gruppenarbeit – Wie soll unsere Brücke aussehen?

Die Arbeit in der Gruppe ist so strukturiert, dass die Schülerinnen und Schüler zwischen dem individuellen Arbeiten, dem Austausch und der Arbeit in der Gruppe wechseln. Auf den Arbeitstischen finden sich die Aufgaben (siehe Klexer KV 3), die von der Lehrkraft begleitet werden. Die Aufgaben können zusätzlich auch auf einem Plakat gut sichtbar in der Klasse präsentiert werden. In Klassen mit Kindern, die noch etwas jünger sind oder denen das selbstständige Arbeiten in der Gruppe noch schwerfällt, können die einzelnen Aufgaben auch vor der gesamten Klasse angesagt und besprochen werden. Die entsprechenden Materialien werden dann sukzessive ausgeteilt. 

Wer hat die Brücke angemalt? – Präsentation der Ergebnisse und Überleitung zum Buch

Die Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse, auch unter dem Aspekt des Prozesses: Wie hat sich die Gruppe auf dieses Modell geeinigt? Was war schwierig? Wo waren sich alle einig? Womit sind sie zufrieden? Was würden sie noch gerne ändern? Sobald alle Gruppen ihre Ergebnisse vorgestellt und sich über die Arbeit in der Gruppe ausgetauscht haben, stellt die Lehrkraft die Frage nach der Farbe. Was ist eine gute Farbe für eine Brücke? Welche Bedeutung hat die Farbe? Welche Brücken fallen den Kindern ein? Welche Farbe haben diese? Können sie sich überhaupt an die genaue Farbe erinnern? Welche Farben sollten Brücken haben und warum? Was für eine Funktion kann oder sollte die Farbe einer Brücke haben? 

Die Buchvorstellung und die Beschäftigung mit dem Bildersachbuch

Im Anschluss wird das Bildersachbuch Wer hat die Brücke angemalt? vorgestellt. Nach einer kurzen Hinführung werden die Seiten im Buch vorgelesen, die zeigen, wie die Menschen, während die Brücke wächst, zuerst noch über die richtige Farbe der „Golden Gate“ diskutieren – und zwar bis zu der Stelle, an der sie die neue Farbe sehen und zufrieden damit sind, da sie nun „richtig“ aussieht. Auch die Bilder der ausgewählten Seiten werden angeschaut.

Die Kinder haben nach dem Vorlesen die Gelegenheit, sich in ihren Gruppen noch einmal intensiv mit dem Buch zu beschäftigen. Schön wäre es, wenn ausreichend Bücher vorhanden wären (für jede Gruppe eins). Jede Gruppe sucht sich einen Aspekt heraus, den sie den anderen in der Schlussrunde vorstellt. Sollten sich die Beispiele doppeln, macht das nichts, dann ergänzen sich die Gruppen. Dieser Nachgang kann sehr gut auf einen späteren Tag verlegt werden. Die Diskussionen um die eigenen Brücken haben sich dann gesetzt und die Kinder können ihr eigenes Erleben und Planen mit der Lektüre noch einmal verarbeiten. 

Weiterführende Ideen für den Unterricht

Als weiterführende Aufgabe zur stärkeren Anbindung des Themas an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler eignet sich auch eine Recherche über die Entstehung und Bauweise der Brücken am eigenen Ort oder in der Nähe. So kann der Faden von Dave Eggers, die Kulturgeschichte einer Gegend über eines ihrer Bauwerke zu eröffnen, für die eigene Historie fortgesponnen werden. Vielleicht gibt es auch eine Brücke am eigenen Ort, der die Kinder gerne eine andere Farbe verpassen würden? Natürlich müssen auch die Gründe für die Wahl der neuen Farbe genannt werden. Der Vorschlag könnte möglicherweise auch interessant für die regionale Presse sein … Auch denkbar ist, das Thema im Sachunterricht mit Experimenten und/oder einem Modellbau einer Brücke aufzugreifen. 

Katja Eder ist Literatur- und Medienwissenschaftlerin. Sie kuratiert „lyrix“, den Bundeswettbewerb für junge Lyrik, arbeitet als Literaturvermittlerin, lehrt Literacy im Bereich Elementare Pädagogik und ist als Jurorin tätig. Ihre Schwerpunkte sind Sprachbildung, Bilderbuch und Lyrik. Sie lebt in Berlin. 

Literatur: 
Dave Eggers: Wer hat die Brücke angemalt?, mit Illustrationen von Tucher Nichols, Diogenes Verlag 2018, ISBN 978-3-257-01227-9, 20 Euro 

Buchtipp: 
Riza Kara, Jan-Martin Klinge: Papierbrücken für den Technikunterricht, Projektheft (November 2017), ISBN 978-1973210658 

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