Unterricht gestalten / 06.02.2019

{First Steps} Mit den Künsten Englisch unterrichten

Kunst im Englischunterricht statt auf der Bühne oder im Museum

Lesen Sie hier, wie sich künstlerische Tätigkeiten mit dem Sprachenlernen verbinden lassen und kreative Prozesse aus den Bereichen Musik, Pantomime, bildende Kunst und Poesie zu schöpferischen Produkten, Ideen und Einfällen auf Englisch führen können. Kopiervorlagen zu verschiedenen Kunstgebieten unterstützen bei der praktischen Umsetzung im Unterricht.

Bild: Shutterstock.com/YAKOBCHUK VIACHESLAV

Gemeinhin begegnet man Kunst auf Bühnen, in Museen, Ausstellungen, Bibliotheken oder auf der Leinwand – aber im Englischunterricht an der Grundschule? Ist es nicht irritierend, von Kunst zu sprechen, wenn eigentlich eine Sprache gelernt werden soll? Das kommt ganz auf die Betrachtungsweise an. Künstlerische Tätigkeiten im Englischunterricht sind im Prinzip kreative Prozesse, die zu schöpferischen Produkten, Ideen und Einfällen auf Englisch führen – ersonnen und realisiert von Schülerinnen und Schülern.

Musik

Im Hinblick auf Musik spielt Kunst im Englischunterricht der Grundschule alles andere als eine Nebenrolle: Die Kinder tragen beispielsweise rhythmisch gehaltene Chants vor, die aus Lehrbuchzitaten zusammengestellt sind. Sie hören und singen englische Lieder oder klatschen Haupt- und Nebenakzente von Wörtern nach. Manchmal überführen sie mit ihren Händen und Füßen ganze Liedstrophen in rhythmische Geräusche – und haben Spaß bei ihrem schöpferischen Tun.

Lernkonzerte  

Musikeinspielungen haben ebenfalls ihren Weg in den Unterricht gefunden, z. B. wenn Dialoge oder Wortschatz im Zusammenspiel mit langsamen, beruhigenden Klängen präsentiert werden. Die Methode der Suggestopädie setzt ganz auf solche musischen Präsentationen und nennt sie Lernkonzerte. Während die Lehrkraft die neuen Wörter vorstellt oder einen Dialog mit der Handpuppe vorspielt, ertönt im Hintergrund eine Melodie mit einem Rhythmus von etwa 60 Schlägen pro Minute. Das entspricht dem Ruhepuls. Das getragene "Air" von J. S. Bach führt die Liste geeigneter Titel für musische Einführungen von Redemitteln an. Natürlich ist auch modernere Musik möglich, solange sie nicht zu aufgeregt daherkommt. 

Pantomime

Wer Total Physical Response (TPR), das nonverbale Reagieren auf Befehle und Aufforderungen, umsetzt, veranlasst die Kinder dazu, ihren Körper einzusetzen. Mit Bewegungen zeigen sie, dass sie verstanden haben, worum es geht. TPR spricht auch die Kreativität an, ein wesentliches Merkmal künstlerischen Schaffens. Dies zeigen die vielen einfallsreichen Umsetzungen, die Kinder sich ausdenken, etwa um Vokabeln oder Chunks mimisch und gestisch darzustellen (s. KV 1 "Pantomime"). Das kreative Spiel mit Wörtern in Kombination mit Rhythmen und Melodien sorgt nicht nur für gute Laune, es hat auch einen wichtigen Lerneffekt. Durch mehrmaliges Singen und Zuhören, durch pantomimisches Darstellen und Modellieren mit dem Körper werden Gedächtnisspuren gelegt und verstärkt. Vokabeln und Redewendungen werden besser erinnert und sind schneller verfügbar.

Bilder und Gemälde

Das Beschreiben von Bildern gelingt schon ab der 3. Klasse. Didaktisierte Wimmelbilder oder Zeichnungen sind beliebte Medien für die Arbeit mit Vokabeln. Nutzt man Gemälde oder passende Fotos, kommen die Kinder bei der Arbeit mit sprachlichen Mitteln explizit mit Kunst in Berührung. Auch wenn es noch nicht um Gestaltungsmittel oder um Auslegung geht, richtet sich der Blick doch auch darauf und bahnt so erste Wahrnehmungsprozesse an – ein guter Beitrag zur künstlerisch-ästhetischen Erziehung. Bilder selbst können Anlässe für ein Freeze Frame sein, zu dem man kleine Dialoge verfassen lässt. Umgekehrt sammeln die Kinder aus dem Vokabelteil ihres Englischbuchs Wörter, die zu einem Bild passen, und kleben oder schreiben sie hinein (s. KV 2 "Paintings and photos"). Kreative Köpfe verfassen hierzu einen kleinen Text.        

Bildgeschichten

Im besten Sinne kommunikativ geht es zu, wenn Techniken der sequenziellen Kunst zum Einsatz kommen. Mit Comics, Bildromanen und Bildgeschichten ergänzt dieses Genre die traditionellen acht Künste um eine weitere didaktisch interessante Variante. Zunächst denken viele Lehrkräfte sicherlich an die Vorzüge von Bildgeschichten für die Anbahnung rezeptiver Fähigkeiten. Tatsächlich wird das Lesen leichter, weil die Inhalte durch Visualisierungen zusätzlich dargestellt werden. Sie erleichtern es den Schülerinnen und Schülern, die Texte in den einzelnen Sprechblasen und unter den jeweiligen Bildfolgen besser zu verstehen. Die Textmenge bleibt außerdem überschaubar, wenn ein Teil der Inhalte über Zeichnungen vermittelt wird. Selbst einmal Autor eines Comics zu sein, dazu verhelfen Sprechblasen, die schon in Bildfolgen eingebunden sind und darauf warten, mit Texten angereichert zu werden. Wer möchte, fügt noch die ein oder andere caption, eine Bildunterschrift, dazu. Im Comic unterstützen diese captions die Bilder mit einem erläuternden Text.

Spaß macht es zweifellos, das eigene Werk mit Onomatopoetika – manche nennen diese Spielart der Lautmalerei auch Peng-Sprache – anzureichern. Wörter zu erfinden, die Geräusche darstellen und diese dann markant in die Bilder einzufügen, verleiht den Bild-Text-Geschichten ihren besonderen Charakter. Auch die vom Feuilleton geschätzte Graphic Novel nutzt diese Methode gerne.

Gedichte

Zum künstlerischen Markenkern des Englischunterrichts zählt zweifellos das Schreiben eigener Texte. Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, denn kreative Texte werden die Kinder später, den Lehrplänen entsprechend, immer häufiger verfassen müssen. Eine gute Vorbereitung mit künstlerischem Potenzial ist der Umgang mit Gedichtformaten. In der Grundschule sind die Ergebnisse noch kurz und knapp, aber dennoch bereits mit schöpferischem Anspruch verfasst. Das so wichtige Üben von Vokabeln und Satzbaumustern erhält darüber hinaus durch Gedichtformate eine ganz eigene, künstlerisch ambitionierte Note: Das Pivot Poem stellt Satzfragmente bereit, die individuell ergänzt werden. In einem Akrostichon finden die Kinder ein Wort vor, zu dessen einzelnen Buchstaben sie jeweils ein weiteres Wort ergänzen. Der kreative Impuls eines Ideogramms wird durch eine Zeichnung im oder um das Wort herum umgesetzt, welche die Bedeutung visualisiert.

Räume erkunden 

Architektur als Kunstform lernen die Kinder nicht nur durch Bilder historischer und moderner Bauten aus der Zielkultur kennen, obwohl der Buckingham Palace oder die Royal Albert Hall zweifellos beeindruckende Beispiele sind. Architektur hat auch viel mit Raumgefühl zu tun, das die Kinder laut Lehrplänen frühzeitig entwickeln sollen. Vor diesem Hintergrund ist dann auch ein Auftrag wie dieser zulässig: Take photos of yourself in your room with your smartphone – for example: I’m next to my computer / I‘m under my desk / I‘m on my bed / ... Show your photos to your partner. Can he or she say where you are in the picture? So wird eine Auslegung zum perspektivischen Bild als künstlerischem Produkt gleich mitgeliefert.

Fazit

Kunst im Englischunterricht kann Kontext, Produkt oder Ausgangspunkt für sprachliche bzw. kreative Aktivitäten sein. Kinder gehen mit Kunst um, beschäftigen sich damit und führen etwas in einem künstlerischen Rahmen aus. Auf vielfältige Weise erfahren sie, dass sie ihre schöpferischen Talente beim Englischlernen einsetzen können – und üben bzw. wiederholen ganz nebenbei Wortschatz und Redemittel.      

Wolfgang Gehring Professor für Englischdidaktik an der Universität Oldenburg

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