Referendariat / 15.11.2019

7 Dinge, die ich im Referendariat gelernt habe

Teil 9: Tipps für Referendare 

Dass man aus Fehlern lernt, ist wahr, und dennoch: Man kann sich im Referendariat eine Menge (Fehler und dadurch) Stress ersparen, wenn man sich einige Dinge vornimmt. Die folgenden 7 (mehr oder weniger) kleinen Tipps beruhen auf ein paar Erfahrungen, die ich machen durfte und jedem ans Herz legen würde!  

Bild: Cornelsen / Claudia Medrow

1. Grundsätzlich: Durchatmen und Ruhe bewahren

Wenn die Schüler mal wieder am Rad drehen, der UB wirklich schief läuft, der Tag nicht genug Stunden für das Arbeitspensum hat und ihr euch mal wieder fragt, wann ihr eigentlich zum letzten Mal gegessen habt (und nein, Kaffee zählt nicht als Mahlzeit!): tief ein- und ausatmen und innerlich das Wort „Ruhe“ chanten, visualisieren oder wenn ihr wollt tanzen. Auch wenn es in stressigen Phasen vorkommen mag, dass nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr klappt: Es ist nur eine Phase. Sie geht vorüber. Und das Beste: das Ref geht auch nicht ewig! Es gibt ein absehbares Ende des Spagats zwischen Seminaren, Unterricht, Vorbereitung und Unterrichtsbesuchen. Und damit ihr euch nicht unnötig fertig macht, solltet ihr dieses Credo unbedingt verinnerlichen.

2. Auch mal abschalten 

Das Schöne aber auch Nervige am Lehrerberuf ist, dass es eigentlich immer recht viel zu erledigen gibt. Und meiner Erfahrung nach tut man es. Oft. Viel zu oft! Erinnert euch deswegen daran, dass es ein Leben außerhalb der Schule gibt – und lebt es auch! Geht zum Sport, macht mal ein Mittagsschläfchen, kocht was Leckeres oder dreht einfach eine Runde um den Block. Es macht den Kopf frei und ihr arbeitet hinterher viel konzentrierter und vor allem produktiver, als wenn ihr denselben Gedanken oder Plan zum zwanzigsten Mal am Schreibtisch hockend durchkaut. 

Und auch wenn tausend Sachen anstehen und die Zeit knapp ist: Erinnert euch an diese Wesen, aus der Zeit vor dem Referendariat – Familie, Freunde und Partner. Trefft euch, unternehmt was und quatscht – aber nicht über Schule! Es macht nämlich viel mehr Spaß, sich mit den üblichen Dingen des Schulalltags zu beschäftigen, wenn man seine Freizeit und Gespräche nicht nur damit füllt. 

3. Gesundheit geht vor!

Einer der größten Fehler, die ich gemacht habe, war es, eine Unterrichtsbesuch-Vorbereitung krank vorzunehmen. Man muss nicht Medizin studiert haben, um zu wissen, dass man mit 39° Celsius Fieber ins Bett und nicht an den Schreibtisch gehört. Ich wollte unbedingt einen weiteren Unterrichtsbesuch abhaken und dachte mir, dass es ja schon irgendwie klappt, ich muss ja nur sitzen, das ist doch kein großer Akt. Meine Verbohrtheit habe ich mit einem katastrophalen Unterrichtsbesuch bezahlt, bei dem ich mir im gesunden Zustand beim besten Willen nicht erklären konnte, wie ich diese Planung auch nur ansatzweise angemessen fand. 

Wenn ihr euch also nicht ganz auf der Höhe fühlt: Bleibt zuhause, legt euch ins Bett, und ruht euch richtig aus. Eure Kollegen und auch Schüler werden es euch nicht verübeln, dass ihr eure Keime nicht mit ihnen teilt. Wenn man sich die zwei oder drei Tage zur Genesung "gönnt", bringt es mehr, als zwei Wochen lang geschwächt und fertig herumzugeistern. Merkt euch daher: Wenn man krank ist, dann auch krank sein! 

4. Mit anderen austauschen

Geteiltes Leid ist halbes Leid - was ich allen daher unbedingt von Anfang an rate zu tun: Sucht euch (z.B. in euren Seminaren) jemanden, mit dem oder der ihr den Unterricht gemeinsam vorbereitet, euch austauscht und – wenn’s richtig gut läuft zwischen euch und zeitlich machbar ist – sogar mal gegenseitig im Unterricht besucht und Feedback gebt. Es hilft und entlastet ungemein, wenn man gerade mitten in der Vorbereitung für einen Unterrichtsbesuch steckt, dass der andere einem Material für das andere Fach zusteckt. Und sei es auch nur, wenn ihr mal so richtig Ballast abladen wollt; wir Refis (und Lehrer) untereinander verstehen den Stress des anderen meistens recht gut und teilen das Leid des anderen. 

Doch wenn man sich nun – wie das häufig so ist – nicht regelmäßig treffen oder besuchen kann, dann hilft es auch sehr, sich bei erfahreneren Kollegen oder auch Referendaren, die schon weiter in der Ausbildung sind, zu informieren oder ein paar Tipps (und vielleicht sogar Material?) abzuholen– oder auch mal in euren Unterricht einzuladen. Manchmal sieht man bei den eigenen Unterrichtskonzepten den Wald vor lauter Bäumen nicht und schon ganz einfache kleine Änderungen geben dem ganzen einen wunderbaren Flow. Kommt von dem Gedanken weg, immer alles alleine machen zu wollen. Auch wenn es euer liebstes Hobby ist, den ganzen Tag Unterrichtsstunden und -reihen für das nächste Schuljahr zu konzipieren: wenn Hilfe angeboten wird, nehmt sie an – daran ist nichts Verwerfliches! Ich habe z. B. meine Unterrichtsentwürfe gerne mal einer Mitreferendarin oder Kollegin zugeschickt, die mir dann entweder direkt per E-Mail, Anruf oder am nächsten Tag Feedback gegeben haben. Die Unterrichtsbesuche, die ich auf diese Weise gegenchecken lies, liefen meistens wie geschmiert, sodass ich ein großer Fan des gegenseitigen Austauschs bin und diesen nur wärmstens empfehlen kann! 

5. Material kopieren – so "früh" wie möglich

Jeder, der mal ein Lehrerzimmer oder den dazugehörigen Kopierraum betreten hat, weiß: Montagfrüh ist die Primetime des Kopierens. So nett es eben auch ist, um 7:00 Uhr im Halbschlaf ein paar seichte Wochenendaktivitäten unter Kollegen auszutauschen, vergeht die Stunde zum Unterrichtsklingeln deutlich schneller als gedacht, wenn noch 10 Kollegen vor einem an einen der zwei Kopierer wollen. Um sich also unnötigen Stress zu ersparen, sollte man sich, auch wenn man Freitagnachmittag eigentlich nur noch nach Hause möchte, die paar Minuten nach dem Unterricht nehmen und schon die Sachen für den nächsten Tag bzw. sogar Woche kopieren (wenn möglich). Ein sehr banaler Tipp, doch ich habe erst recht spät entdeckt, dass es einem deutlich die Schererei am Morgen spart und einen zusätzlich auch ein wenig runterkommen lässt nach einem anstrengenden Tag. 

6. Weniger ist mehr!

Auch so ein Leitsatz, den ihr euch für Unterrichtsbesuche unbedingt merken solltet. Konzentriert euch wirklich auf einen, maximal vielleicht drei Schwerpunkte in eurer Vorzeigestunde. Das heißt nun nicht, dass ihr alle anderen wichtigen Faktoren außer Acht lasst, doch legt euch einen Fokus: z. B. die Methode, Optimierung des Materials, Klarheit der Ansagen, das Tafelbild etc., etc. Keiner erwartet von euch, dass ihr in diesen 45 Minuten eine Methoden- oder Materialexplosion präsentiert, dass die Schüler bekehrt oder deren Leben von Grund auf verändert wird. Bei dem unschönen Unterrichtsbesuch, den ich gerade schon erwähnt habe, habe ich versucht, alles bisher Gelernte irgendwie hineinzuquetschen, obwohl das gar nicht nötig, sogar unmöglich gewesen wäre. Wenige, aber klare Schwerpunkte geben euch genug Struktur und helfen, eine klare Stundenplanung vorzunehmen und entsprechendes Material vorzubereiten.   

7. Das A und O bei Unterrichtsbesuchen: Lernzuwachs

Und da wir schon beim Thema Unterrichtsbesuche sind: Wofür ich auch unnötig lange gebraucht habe, war zu begreifen, dass das wichtigste beim Unterrichtsbesuch (und später auch beim Examen) ein klar erkennbarer Lernzuwachs der Schüler ist – Methode, Material und Progression des Unterrichts sollten darauf ausgerichtet sein. Macht euch vor oder auch noch während der Planung klar, was genau die Schüler in dieser Stunde lernen sollen, was sie vorher noch nicht konnten und wie ihr das in dieser kurzen Zeit umsetzen und vor allem auch präsentieren könnt. Behaltet immer ein klares Ziel vor Augen und denkt dabei an die eben beschriebene "Weniger ist mehr"-Regel! Wenn der Lernzuwachs und eine klare Schwerpunktsetzung deutlich werden, hilft dies meist auch bei der Beschreibung der (individuellen) Kompetenzentwicklung und der Standards in eurem Entwurf. Wie immer verspreche ich auch hierbei nichts mit hundertprozentiger Garantie, doch es erleichtert die Planung meiner Meinung nach enorm! 

Die Cornelsen Referendariatskolumne

Marie Stark ist Mitte 20 und unterrichtet als Referendarin an einem Berliner Gymnasium die Fächer Englisch und Geschichte. Im Cornelsen Magazin berichtet sie regelmäßig über die bisher spannendste Phase ihres Lebens – das Referendariat. 
Alle in der Kolumne verwendeten Namen sind Pseudonyme zum Schutz der Personen. Ansonsten ist aber alles echt – Realität Schule. 

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