Referendariat / 10.02.2020

Abschlussprüfung – Wie bereite ich mich am besten darauf vor?

Praktische Tipps 

Bald ist es geschafft. Das Referendariat neigt sich dem Ende zu – begleitet von der alltäglichen Schulvorbereitung und dem Prüfungsstress wird die Herzfrequenz deutlich höher und die Nächte schlafloser – doch es sind die letzten Meter des Weges und das Ziel ist in greifbarer Nähe. 

Bild: Cornelsen / Claudia Medrow

Umgang mit Prüfungsstress und Schulalltag

Wenn sich der Prüfungszeitraum nähert und man neben der normalen Unterrichtsvorbereitung dem Examen viel Zeit widmen muss, ist es nicht selten, dass sich ein Gefühl der Verzweiflung breit macht und man am liebsten alles hinschmeißen möchte. So ging es einigen Mitreferendaren und mir jedenfalls. Wie ich schon öfters erwähnt habe, ist es in jeder Lebenslage sinnvoll, immer tief durchzuatmen, wenn man gerade mal kein Licht am Ende des Tunnels sieht. Und wenn man tief durchgeatmet hat, eine Pause einlegen. Denn meistens hat es keinen Sinn, im selben Augenblick weiterzuarbeiten. Geht eine Runde um den Block oder motiviert euch zum Sport. Trinkt in Ruhe einen Tee und macht dabei einfach mal nichts.

Was die alltägliche Unterrichtsvorbereitung betrifft, investiert so viel Zeit wie nötig und so wenig wie möglich. Es ist keine Schande, Aufgaben aus dem Buch abzuarbeiten oder dass sich die Schüler mal eine Stunde mit einem Arbeitsblatt beschäftigen – auch die Schüler finden das in der Regel "voll okay". Ihr seid noch in der Ausbildung und nicht jede Stunde muss "die Stunde eures Lebens" werden, die Examensvorbereitung geht in dieser Zeit einfach vor. Nutzt die alltäglichen Unterrichtsstunden um bestimmte Methoden nochmal auszuprobieren oder einzuüben – denn genau in dieser Zeit könnt ihr noch ausloten, ob 
z. B. eine Methode von der Lerngruppe schon gut beherrscht wird oder was ihr an Stoff für die Examensplanung noch wiederholen oder ausbauen müsst.

Wenn ein guter Freund oder eine gute Freundin zur selben Zeit das Referendariat absolviert – ein schöneres Geschenk könnt ihr euch in der Zeit nicht wünschen. Beispielsweise hatte ich das große Glück, mit einer meiner engsten Freundinnen nicht nur den Geschichtsunterricht im gesamten Referendariat, sondern auch das Examen in diesem Fach zusammen planen und vorbereiten zu können. Wir haben wöchentlich einen Termin ausgemacht und uns ausgetauscht und zusammen die Reihen für den Schulalltag und auch die Stunden für das Examen entwickelt. Und schon kommt einem die Prüfungszeit etwas weniger schlimm vor.

Fakt ist: Um den Stress kommt man im Referendariat und vor allem während der Prüfungszeit nicht herum. Setzt euch für einen Tag oder die Woche bestimmte Ziele und motiviert euch selbst mit einer kleinen Belohnung, wenn ihr eure festgelegten Ziele geschafft habt: Eine (oder wenn ihr ganz wild werden wollt) zwei Folgen eurer Lieblingsserie oder einen Film. Wenn ihr dabei entspannen könnt, kocht euch euer Lieblingsgericht oder – wenn ihr kleine Faulpelze seid so wie ich – bestellt euch was bei eurem Lieblings-Lieferservice. Macht am Wochenende einen Ausflug, trefft euch mit Freunden und unternehmt was. Tut nach getaner Arbeit etwas, was euch Energie gibt.

Wann fange ich mit der Vorbereitung an?

Ungefähr ein halbes Jahr vor dem Prüfungszeitraum habe ich (unter Vorbehalt) meinen Examenstermin genannt bekommen. Doch auch wenn das nicht bei jedem der Fall ist: Allein durch die Tatsache, dass man in den Seminaren nicht alleine sitzt, wird man gefühlt ein Jahr vorher das erste Mal die Frage hören: "Weißt du schon, was du im Examen zeigst?"

Ob nun ein halbes oder ein ganzes Jahr – es klingt erst mal nach einer ganz schön langen Zeit, man wird aber überrascht sein, wie schnell die Tage vergehen und der große Tag dann vor der Tür steht. Meine Empfehlung ist es daher auch, mindestens ein halbes Jahr vor dem Prüfungszeitraum mit der Planung zu beginnen – egal, ob alleine oder mit Freunden. Damit meine ich nicht, dass man schon den genauen Stundenablauf und die Entwürfe fürs Examen fertiggetippt haben soll, aber dass man sich vielleicht auf einem Schmierzettel, Notizblock oder im geheimen Tagebuch erste Ideen und Gedanken dazu aufschreibt: Bei welchem Thema werde ich da in etwa mit der Klasse sein? Welche interessanten Stundenthemen und Fragestellungen fallen mir spontan dazu ein? Welche Methode eignet sich gut dafür?

Doch wie in allen Lebenslagen gibt es auch hierfür kein Rezept. Aber erfahrungsgemäß ist es ratsam, nicht erst eine Woche vor dem Examen erste Vorüberlegungen zu den zwei Examensstunden zu treffen – dies gilt auch für diejenigen, die meinen, dass sie besser unter Druck arbeiten. Da man allerdings bereits einige Wochen vorher das mutmaßliche Thema beim Hauptseminarleiter einreichen muss, wird man wahrscheinlich schon einen oder zwei Gedanken daran verschwenden (es ist dann noch nichts in Stein gemeißelt und man kann z. B. Fragestellungen noch verändern, aber zumindest das grobe Thema sollte schon angegeben werden).

Wie bereite ich mich darauf vor?

Wie bereits oben beschrieben ist es sinnvoll sich bei den Examensstunden erst einmal grob zu orientieren und die losen Ideen dann immer weiter zu konkretisieren. Dabei können ein paar Denkanstöße helfen:

  • Welche Kompetenz des Unterrichtsfachs soll jeweils in diesen 45 Minuten bei den Schülern weiterentwickelt werden? Es muss ein klarer Bezug zum Rahmenlehrplan bestehen!
  • Was ist das konkrete Lernziel/ Lernprodukt der Stunde? Wie könnt ihr mit Material und Methode dazu beisteuern, dass eure Schüler in recht kurzer Zeit das Lernziel erreichen?
  • Wie zeige ich diese Entwicklung? Seid in der Lage zu erklären, was die Schüler am Ende dazugelernt haben, was sie am Anfang der Stunde (noch) nicht konnten bzw. inwiefern sie die von euch gewählte Kompetenz ausgebaut haben?
  • Überlegt euch vorher bei der individuellen Kompetenzentwicklung gut, wer in euren Lerngruppen dem Mindest-, Regel- und Maximalstandard entspricht und wie ihr zeigen könnt, inwiefern die jeweiligen Schüler/innen in der Stunde das von euch angestrebte Lernziel erfüllt haben. Es muss ein klarer Lernzuwachs erkennbar sein!
  • Versucht das Interesse oder den Ehrgeiz der Schüler zu wecken: Ich habe öfter gehört, dass es super ankommt, wenn die Prüfer sehen, dass die Schüler in der Endphase authentisch über das Thema diskutieren und eine Lösung oder Antwort suchen und sich darüber austauschen. Denn genau dazu soll guter Unterricht ja auch bestenfalls führen!

Vorgedanken zur Examensbewertung

Es hilft immer enorm, sich mit Kollegen auszutauschen und mit ihnen über bestimmte Unterrichtsvorhaben zu sprechen; durch jahrelange Erfahrung im Beruf können sie bestimmte Aspekte realistischer einschätzen oder falls sie zufällig den Hauptprüfer kennen, euch Tipps geben, worauf dieser ihrer Meinung nach besonders Acht gibt bei den Examensstunden. Aber Vorsicht: Das Urteil eurer Kollegen oder Fachbereichsleiter ist keine Garantie dafür, dass es auch laut der Prüfer eure allerbeste Stunde wird. Leider und zum Glück sind die Prüfer beim Examen auch nur Menschen, die mal einen besseren oder schlechteren Tag haben, und denen je nachdem ein kleinerer Fehler gravierend auffällt oder die auch etwas gröberen mal untern Tisch fallen gelassen werden, wenn die Stunde grundsätzlich läuft. Bezüglich der Transparenz der Bewertung scheiden sich ja auch die Geister und ich verstehe, wenn sich einige ungerecht behandelt fühlen, wenn die Note in ihren Augen nicht der eigenen Einschätzung entspricht. Wie in meinem Artikel zur Notengebung beschrieben, bleibt die Bewertung etwas Objektives und wird im Examen etwas relativiert, indem vier Menschen die Note gemeinsam vergeben, die die Prüfer dank ihrer langjährigen Erfahrung im Lehrberuf treffen. Dies sollte man sich ebenfalls vor Augen führen.

Von daher: Fangt mit der Planung lieber zu früh als zu spät an, bereitet euch so gut es geht vor, damit ihr mit einer gefassten Grundeinstellung und mit positiver Zuversicht ins Examen geht.

Die Cornelsen Referendariatskolumne

Marie Stark ist Mitte 20 und unterrichtet als Referendarin an einem Berliner Gymnasium die Fächer Englisch und Geschichte. Im Cornelsen Magazin berichtet sie regelmäßig über die bisher spannendste Phase ihres Lebens – das Referendariat. 
Alle in der Kolumne verwendeten Namen sind Pseudonyme zum Schutz der Personen. Ansonsten ist aber alles echt – Realität Schule. 

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