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Effektives Selbstmanagement

Zeit sparen, Stress vermeiden - Die besten Tipps

6.000 Entscheidungen pro Schultag und jede Menge Überraschungen: Der Schulalltag ist stressig genug. Entlasten Sie sich selbst durch eine gute Organisation, die Ihnen viel Arbeit, Stress und Frust erspart. 

Wie es geht, erfahren Sie hier – kompakter Rat (nicht nur) für Referendare und Junglehrer.

Mit guter Organisation "entstressen" Sie sich selbst

Ganz gleich, ob als Referendar, Junglehrer oder "alter Hase": Im Schulalltag prasselt ganz viel auf Sie ein. An einem typischen 6-Stunden-Unterrichtstag müssen Sie rund 6.000 Entscheidungen treffen – und damit so viel wie ein Fluglotse. Pro Stunde kommen im Schnitt 15 Konfliktsituationen hinzu. Kein Wunder also, dass Lehrer gleich nach Piloten und Fluglotsen die zweitgrößte Risikogruppe für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bilden.1 Stress, den Sie vermeiden könnten, sollten Sie darum auch tunlichst umgehen. Eine gute Selbstorganisation kann Sie deutlich entlasten – denn neben dem reinen Unterrichten gibt es noch so viel anderes zu organisieren, dass sonst schnell einmal alles zuviel wird.

Einfache Regeln für weniger Stress

Planen Sie Ihren Unterricht langfristig. Das lohnt sich sowohl mit Blick auf Ihren Stresslevel, als auch hinsichtlich der Unterrichtsqualität. Gleiches gilt für die Unterrichtsstunden: Bereiten Sie auch diese möglichst langfristig vor. Wenn Sie Arbeitsblätter, die Sie für eine Stunde brauchen, immer erst morgens "kurz vor knapp" ausdrucken, kann die Technik streiken oder Sie vergessen das Arbeitsblatt doch noch zu Hause, weil Sie überstürzt losgespurtet sind. Den Nervenkitzel können Sie sich durch eine langfristigere, entspanntere Planung definitiv ersparen. Auch den Weg zum Drucker in der Schule sollten Sie nicht auf den letzten Drücker machen – Druckerdefekte und lange Warteschlangen gibt es schließlich immer genau dann, wenn man es so gar nicht gebrauchen kann. 

Ihre Tasche packen Sie am besten abends und auch Ihre Kleidung können Sie sich gut schon am Vorabend bereitlegen. So haben Sie morgens mehr Zeit und bringen sich gar nicht erst selbst unter Zeitdruck. Ihre Liste, was am nächsten Tag in der Schule alles erledigt werden will, welche Materialien Sie benötigen und welche Themen Sie durchnehmen wollen, sollten Sie vorab schriftlich festhalten. Alles im Kopf haben zu müssen erhöht sonst nur wieder den Druck. 

Legen Sie für jede Klasse eine eigene Mappe an. Idealerweise wählen Sie eine Mappe, in der Sie sowohl lose Blätter sammeln als auch gelochte Blätter abheften können. So können Sie alles, was Sie für den Unterricht in der jeweiligen Klasse brauchen, zentral an einem Ort sammeln: die Notizen, die Sie sich zu den Stunden gemacht haben, je ein Exemplar der ausgeteilten Arbeitsblätter und die überschüssigen Kopien für fehlende Schüler sowie die aktuellen Arbeitsblätter im Klassensatz. Auf diese Weise haben Sie alles Wichtige immer sofort griffbereit.

Ordnung ins Chaos – mit System

Damit Sie sich bei Ihrer Unterrichtsplanung nicht jedes Mal umständlich durch Ihre Unterlagen wühlen müssen, sollten Sie einen Ordner anlegen, in dem Sie alle Verlaufsplanungen und Arbeitsblätter systematisch ordnen und verwahren können. Dazu können Sie beispielsweise pro Fach und Klassenstufe einen Ordner anlegen, in dem Sie Verlaufspläne und Arbeitsblätter dann nach Themen sortieren. Hinterlegen Sie Ihre Reihenplanung außerdem auch noch digital auf Ihrem Computer. Denken Sie dabei an sinnvolle Ordner- und Dateinamen, damit Sie auch in ein paar Jahren noch mit Ihrem eigenen Ordnungssystem zurechtkommen. Weitere (analoge) Ordner bieten sich sicherlich auch noch an, beispielsweise "Meine Klasse", "Listen und Pläne", "Schulamt" und auch "Sonstiges". Im Laufe der Zeit werden Sie merken, ob Ihnen für einen Bereich noch eine Ablagemöglichkeit fehlt. 

Damit es gar nicht erst zu Terminchaos kommt, sollten Sie zudem die anstehenden Termine für das Schuljahr entsprechend festhalten. Vielleicht bekommen Sie von der Schulleitung eine Übersicht über die wichtigen Termine des neuen Schuljahrs ausgehändigt, eventuell müssen Sie den Plan aber auch einfach selbst erstellen. Empfehlenswert ist es dann in jedem Fall, sich nicht nur die Termine in den Kalender einzutragen, sondern eine separate Überblicks-Liste anzufertigen. Diese Terminübersicht sollten Sie dann ausgedruckt jederzeit griffbereit haben. So sind Sie nämlich vorbereitet, wenn zum Beispiel Eltern spontan nach allen Wandertagsterminen fragen oder sie die beweglichen Feiertage schnell noch einmal abgleichen wollen.

Für alle Eventualitäten gerüstet: die Tasche sinnvoll packen

Am entspanntesten sind Sie natürlich, wenn Sie das gute Gefühl haben, auf (nahezu) alles vorbereitet zu sein. Packen Sie deshalb neben Ihrem Lehrerkalender mit Zensuren- und Namensliste auch den zahlreichen "Kleinkram" ein, nach dem Sie sonst im Fall der Fälle verzweifelt suchen: Kreide und Boardmarker, Eddings und Folienstifte, Schere, Kleber, Tesafilm, Korrekturstifte, Reißzwecken und Kreppband, Magnete, Locher und Tacker und gegebenenfalls auch Ersatzhefte und Stifte für die Schüler. 

Taschentücher, Pflaster, Kopfschmerztabletten (ausdrücklich nicht für Schülerhände beziehungsweise -köpfe) und Pfefferminzbonbons sollten ebenfalls zur Standardausstattung Ihrer Tasche gehören. Einen Küchenwecker, leere Hüllen für die Kopiervorlagen, beschriftbare Plakate und auch ein Kartenspiel für die Gruppeneinteilung ("Alle Herzen ...", "Alle Asse ...") können Sie ebenfalls bereithalten.

Arbeit und Unterricht richtig organisieren

Vom vorgegebenen Stundenplan einmal abgesehen, können Sie sich Ihre Zeit frei einteilen. Manchmal fällt es schwer, die Arbeit anzugehen und die Zeit optimal zu nutzen – dann stellt sich schnell das Gefühl ein, nur noch zu schuften und keine Zeit mehr für das Privatleben zu haben. Wer sich innerlich ständig mit der Arbeit beschäftigt und gefühlt rund um die Uhr im Dienst ist, hat keine Zeit mehr, Energien aufzutanken. Teilen Sie Ihre Zeit also klar in Arbeitszeit und Freizeit ein. Seien Sie konsequent und trennen Sie – soweit es Ihnen möglich ist – Arbeit und Freizeit auch räumlich. Wenn Sie im Wohnzimmer ständig auf den übervollen Schreibtisch schauen müssen, fällt das Abschalten schwer. Mindestens ein Tag pro Woche sollte tatsächlich arbeitsfrei sein. Genießen Sie dann ganz bewusst Ihre Auszeit und holen Sie neuen Schwung. 

Planen und strukturieren Sie Ihre Aufgaben, damit Sie sich nicht verzetteln. Machen Sie sich eine To-do-Liste und setzen Sie sich selbst passende Fristen. Aufgaben, die mehr als eine Zeitstunde in Anspruch nehmen, sollten Sie in Teileinheiten gliedern. Erledigen Sie die dringendsten Aufgaben immer zuerst und halten Sie sich an Ihre Priorisierung. Haken Sie ab, was Sie geschafft haben – das motiviert und belohnt. Je aufgeräumter Sie arbeiten, desto weniger Zeit verbringen Sie mit nervenaufreibendem Suchen oder doppelten Arbeiten. Zum Schluss noch ein wichtiger Tipp: Machen Sie sich selbst nicht zuviel Druck – Sie können und müssen gar nicht alles perfekt machen. Auch Lehrer sind schließlich "nur" Menschen.

 

Anmerkung - Inhalte entnommen aus: 

"Basics für Junglehrer – Der optimale Einstieg in den Arbeitsplatz Schule" von Holger Mittelstädt, ISBN 978-3-8346-0063-9, Verlag an der Ruhr 

"Referendariat kompakt für die Sekundarstufe" von Frank Nix, ISBN 978-3-589-16256-7, Cornelsen Scriptor