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Lehrer im Gespräch mit Elternteil und Schüler - Symbolhaft für Elternarbeit
Bild: stock.adobe.com/Africa Studio

Elternarbeit

Die Förderung des Kindes als gemeinsames Ziel 

Elternarbeit bezeichnet die Zusammenarbeit von pädagogischen Fachkräften mit Eltern, deren Kinder eine pädagogische Einrichtung besuchen, wie Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen. Ziel ist, das Kind gemeinsam in seiner Entwicklung zu unterstützen und zu fördern.

Von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft

Klassische Beispiele der Elternarbeit sind Elternabende. Diese dienen in erster Linie dem Austausch von Informationen, wie dem aktuellen Entwicklung- und Leistungsstand der Kinder und Jugendlichen, etwaigen Problemen, Schulprojekten und geplanten schulischen Veranstaltungen.

Der aktuelle Begriff der Erziehungspartnerschaft führt weg von dieser klassischen Konzeption: Er betont das Zusammenspiel von Familie und außerfamiliären Erziehungseinrichtungen, das für die positive Entwicklung des Kindes ausschlaggebend ist. Nur durch eine gut funktionierende Kooperation beider Partner können Erziehung und Bildung des Kindes erfolgreich gefördert werden.

Somit bewegt sich die Elternarbeit weit über den Elternabend hinaus. Themenspezifische Eltern-Lehrkraft-Gespräche ggf. auch mit dem Kind/Heranwachsenden, gemeinsam organisierte Projekte, Schulfeste und Freizeitangebote ermöglichen ein Zusammentreffen fernab von Leistungsdruck und vorhandenen Problemen. Die Begegnung beider Partner auf Augenhöhe stärkt die Beziehung und schafft das nötige Vertrauen für später möglicherweise auftretende Krisen.

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Wissen kompakt: Elternarbeit

Elternarbeit: Mutter mit Tochter am Klavier
Bild: stock.adobe.com/Monkey Business

Die Elternarbeit gilt als wichtiger Bestandteil der Schule, denn sie bietet Eltern und Lehrkräften die Chance, die erzieherische Aufgabe der Kinder gemeinsam zu meistern. Kooperativ die Verantwortung für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen zu übernehmen und sich gegenseitig zu unterstützen ist die wesentliche Schlüsselfunktion der Elternarbeit.

Die Familie als zentrale Anlaufstelle des Kindes

Auch wenn das Kind einen Großteil seiner Zeit in der Schule verbringt, bleibt das Elternhaus nach wie vor der zentrale Ort. Familiäre Rituale und Lebensweisen tragen entscheidend zur Charakterbildung bei. Zugleich bietet der familiäre Alltag die besten Voraussetzungen für nachhaltiges Lernen. Durch praktische Anwendungen im Elternhaus können Dinge, die in der Schule gelernt wurden, vertieft werden.

Der Einblick in das familiäre Umfeld ist für Lehrkräfte wichtig, um bestimmte Verhaltensweisen und Gewohnheiten der Kinder zu verstehen. Die Unterstützung der Eltern wiederum kann bei schwierigen Herausforderungen hilfreich sein. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit schafft somit Vorteile für alle Beteiligten.

Bild: Shutterstock.com/SaMBa

Erfolgreiche Elternarbeit setzt voraus, dass Eltern und Lehrkräfte sich als gemeinsames Team verstehen, sich gegenseitig beraten und ergänzen. Im Optimalfall entsteht so im Zusammenspiel ein ganzheitliches Erziehungs- und Bildungsprogramm, das auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist.

Das Kernstück der Elternarbeit bildet das persönliche Gespräch. Beim Elternabend treffen verschiedene Menschen aufeinander. Sie haben unterschiedliche pädagogische Vorstellungen, abweichende Interessen und eigene Erwartungen hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder. Dies stellt nicht nur Lehrkräfte vor eine große Herausforderung, sondern erfordert von allen Beteiligten Offenheit und Kooperationsbereitschaft.

Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist ein friedlicher und verständnisvoller Umgang. Respekt, Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Meinungen sind unerlässlich, wenn es darum geht, individuelle Bedürfnisse, Ideen und Erwartungen zu kommunizieren.

Lehrkräfte, die als motivierendes Beispiel vorangehen, können die Eltern ermutigen, sich aktiv zu beteiligen. Hierbei sollten beide Seiten ernst genommen und in ihrer jeweiligen Kompetenz anerkannt werden – die Eltern als Experten für die persönliche Sicht auf ihre Kinder und die Lehrkräfte als Experten für das pädagogische Fachwissen.

Ein harmonischer Umgang schafft das nötige Vertrauen, gemeinsam am Erreichen bestimmter Ziele zu arbeiten.

Elternarbeit: Kind mit Fragezeichen um den Kopf
Bild: Shutterstock.com/www.BillionPhotos.com

Die Theorie ist das eine, doch in der Praxis reichen Respekt und Vertrauen allein oft nicht aus, um Probleme in einer Erziehungspartnerschaft zu vermeiden.

Die Begegnung sollte auf gleicher Augenhöhe und mit Wertschätzung stattfinden, ohne Hierarchien. Wird die Kompetenz der Eltern infrage gestellt, führt dies schnell zu einer ablehnenden Haltung der Lehrkraft gegenüber –umgekehrt verhält es sich genauso.

Werden Eltern von Anfang an zur Zusammenarbeit ermutigt und nicht erst, wenn Probleme bereits aufgetaucht sind, schafft dies ein harmonisches Miteinander. Um Reibungen zu vermeiden, sollte die Kommunikation einladend statt anweisend und ermutigend statt anklagend sein.

 

Neben regelmäßigen Elternabenden und Elternsprechtagen gibt es viele weitere Möglichkeiten, die Erziehungspartnerschaft zu fördern und das Vertrauen untereinander zu stärken. Die Umsetzung der Angebote richtet sich dabei an besten nach der Schulform, den örtlichen Begebenheiten, den Lehrkräften, den Eltern sowie den Kindern/Heranwachsenden.

Einige dieser Möglichkeiten sind:

  • themenspezifische Gesprächskreise und Veranstaltungen
    (beispielsweise für Väter, Alleinerziehende oder Menschen mit Migrationshintergrund)
  • Beteiligung am Schulleben
    (als Lesepaten, Schülerlotsen oder bei gemeinsam organisierten Projekten, wie Besuch des Arbeitsplatzes, Bereitstellung von Unterrichtsmaterial)
  • Freizeit- und Sportangebote
    (Schul-/Sportfeste, Elternwandertage, Familienfreizeiten)
  • gemeinsame Umgestaltung des Schulgeländes
    (etwa Schulgarten, Schulräume, Sportplatz)
  • Mitspracherecht durch Schlüsselpersonen
    (in der Elternvertretung)
  • schriftliche Mitteilungen geplanter Veranstaltungen
    (als Elternbrief oder am Schwarzen Brett)

Schule: Digitaler Unterricht
Bild: Shutterstock.com

Allgemein lässt sich sagen: Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger und intensiver ist die Elternarbeit. In der Primarstufe, wenn die Kinder erst eingeschult wurden, ist ein hohes Maß an Vertrauen nötig, um die Kinder in die Obhut der Schule zu übergeben. Eltern möchten die Gewissheit haben, dass ihre Kleinen gut aufgehoben sind. Ein regelmäßiger Austausch beruhigt die Eltern und stärkt das Vertrauen.

Steht der Übertritt zur Sekundarstufe an, beginnt eine wichtige Phase für alle Beteiligten. Eltern möchten ihren Kindern die beste Schulbildung ermöglichen, dürfen dabei jedoch die Fähigkeiten der Kinder nicht außer Acht lassen. Um eine vernünftige Entscheidung bei der Wahl einer weiterführenden Schule zu treffen, sind intensive Elterngespräche während dieser Zeit unverzichtbar.

Weiterführende Schulen werden – je nach Bundesland – in Haupt-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien eingeteilt. Während dieser Zeit nehmen die Eltern eine wichtige Begleitfunktion ein, die mehr oder weniger intensiv sein kann. Kommen Kinder in die Pubertät, gilt es, das richtige Maß zu finden, Eigenverantwortung und Eigeninitiative zu fördern und nur dann einzugreifen, wenn es zwingend notwendig ist.

Eine gut funktionierende Erziehungspartnerschaft hat für alle Beteiligten große Vorteile.

Negative Gefühle, die mit dem Thema Schule behaftet sind, werden reduziert und machen Platz für eine positive Einstellung. Eine angenehme Atmosphäre im Elternhaus fördert den Lernprozess und stärkt die Lernmotivation.

Im Optimalfall bauen Eltern und Lehrkräfte ihre Beziehung von Beginn an auf Vertrauen und Respekt auf. Dies ist die entscheidende Basis für mögliche Krisen und Herausforderungen.

Elternarbeit: Notizen auf Zettel
Bild: Shutterstock.com/Aksonsat Uanthoeng

Dank der Elternarbeit erhalten Lehrkräfte einen Einblick in das familiäre Umfeld. Dies führt zu einem besseren Verständnis von bestimmten Verhaltensweisen, Gewohnheiten oder Auffälligkeiten der Kinder/Jugendlichen.

Werden die Aufgaben und Erwartungen beider Seiten bereits zu Beginn geklärt, können Probleme der Kinder/Heranwachsenden leichter gelöst werden. Die Eltern nehmen in diesem Fall eine wichtige Unterstützer- und Beraterfunktion ein. Lehrkräfte fühlen sich in ihrem Handeln gestärkt und wissen, dass sie sich auf einen starken Erziehungspartner im Elternhaus verlassen können.

Beteiligen sich Eltern an der Planung, Organisation und Durchführung schulischer Aktivitäten, werden Veranstaltungen und Schulfeste häufig überhaupt erst möglich. Schule und Lehrkraft profitieren nicht selten von den Anregungen und Ideen mancher Eltern, die den Weg frei machen für neue Projekte und positive Veränderungen im Schulalltag.

Elternarbeit schließt die Eltern in den Schulalltag ihrer Kinder mit ein. Der regelmäßige Informationsaustausch informiert sie über deren Fortschritte, Gewohnheiten und Erfolge. Vor allem in der Pubertät, wenn Kinder häufig schweigsamer werden, schaffen Elterngespräche die nötige Grundlage für gemeinsame Lösungen vorhandener Probleme.

Eltern profitieren vom pädagogischen Fachwissen der Lehrkräfte. Sie erhalten Anregungen und Tipps für ihre Erziehungsfragen. Unterschiedliche Perspektiven lassen sie ihre eigenen Vorstellungen hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder hinterfragen.

Unter anderem über die Elternvertretung erhalten Eltern die Möglichkeit, eigene Wünsche und Vorstellungen zu äußern. Bewegen sich diese im Rahmen des Unterrichts- und Lehrplans, können sie zu einer Umsetzung oder Anpassung im Schulalltag führen.

Bei Veranstaltungen außerhalb des Elternabends erhalten Eltern zusätzlich die Chance, Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig in Erziehungsfragen zu unterstützen.

Elternarbeit: Selfie von glücklichen Schülern
Bild: Shutterstock.com/William Perugini

Entwickelt sich ein guter Kontakt zwischen Eltern und Lehrkräften, wirkt sich das positiv auf die Entwicklung der Schüler/-innen aus. Die Gewissheit, dass sowohl Elternhaus als auch Schule an ihrem Wohl interessiert sind, stärkt, unterstützt und motiviert sie.

In Krisenzeiten haben Schülerinnen und Schüler dann zwei zuverlässige Ansprechpartner an ihrer Seite, denen sie vertrauen und auf die sie sich verlassen können.

Zeigen Eltern ein hohes Engagement und wirken aktiv bei schulischen Freizeit- und Sportangeboten mit, bekommen Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren und über sich hinauszuwachsen. Das macht sie stolz und führt so zu einem besseren Klima an der Schule.