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Azubi Wissen: gut vorbereitet durch Ausbildung & Berufsschule
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Rechte und Pflichten

Der gesetzliche Rahmen deines Ausbildungsvertrags

Als Azubi bewegt man sich während der Berufsausbildung in einem klar definierten rechtlichen Rahmen, der sowohl Schutz bietet als auch Verantwortung mit sich bringt. Dieser Ratgeber bietet einen Überblick über die Rechte und Pflichten von Azubis während der Ausbildung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Azubis haben klare gesetzlich verankerte Rechte für eine qualifizierte Ausbildung. Dazu gehören eine hochwertige Vermittlung aller beruflichen Fertigkeiten, geregelte Arbeitszeiten, angemessene Vergütung, gesetzlicher Urlaub sowie Freistellung für die Berufsschule.
  • Gleichzeitig bestehen verbindliche Pflichten während der gesamten Ausbildungszeit. Azubis müssen aktiv lernen, pünktlich erscheinen, Anweisungen befolgen, sorgsam mit Materialien umgehen und regelmäßig die Berufsschule besuchen.
  • Pflichtverletzungen können arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Wiederholtes Fehlverhalten kann Abmahnungen oder sogar eine Kündigung nach sich ziehen, während Azubis bei Verstößen des Betriebs Beschwerdemöglichkeiten haben.

Was sind deine Rechte als Azubi?

Der Ausbildungsvertrag bildet die Grundlage deines Ausbildungsverhältnisses: In ihm sind alle wichtigen Rahmenbedingungen für deine Ausbildungszeit festgehalten.

Deine wichtigsten Rechte als Azubi sind: Du hast das Recht auf eine hochwertige Ausbildung, die dich umfassend auf deinen zukünftigen Beruf vorbereitet. Dein Ausbildungsbetrieb muss dir hierfür alle Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln, die zum Erreichen des Ausbildungsziels – wie im Ausbildungsrahmenplan festgelegt – erforderlich sind.

Als Azubi hast du außerdem folgende Rechte:

  • Die vereinbarte Ausbildungsvergütung steht dir pünktlich und in voller Höhe zu. Sie muss angemessen sein und mit fortschreitender Ausbildung steigen. Bei Krankheit hast du Anspruch auf Fortzahlung deiner Vergütung für bis zu sechs Wochen.
  • Deine Arbeitszeit ist gesetzlich geregelt. Für minderjährige Auszubildende gelten zusätzlich die Regelungen zur Arbeitszeit nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG).
  • Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt mindestens 24 Werktage im Jahr gemäß Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Bist du noch minderjährig, steht dir nach JArbSchG je nach Alter sogar mehr Urlaub zu.
  • Für die Berufsschule musst du vom Ausbildungsbetrieb freigestellt werden, und diese Zeit darf nicht auf deinen Urlaub angerechnet werden.
  • Ausbildungsmittel wie Werkzeuge, Materialien oder Schutzkleidung müssen dir vom Ausbildungsbetrieb kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Du musst diese Dinge nicht selbst bezahlen.
  • Dein Ausbildungsbetrieb hat eine besondere Fürsorgepflicht dir gegenüber. Er darf dir keine Aufgaben übertragen, die nicht der Erreichung des Ausbildungsziels dienen oder deine Kräfte übersteigen.

Wichtig: Bist du noch minderjährig, also zwischen 15 und 17 Jahre alt, sind deine Rechte um die Bestimmungen gemäß des Jugendarbeitsschutzes erweitert.

Die Pflichten eines Azubis

Mit dem Ausbildungsvertrag erhältst du aber nicht nur Rechte, sondern übernimmst auch Verantwortung und damit die Pflichten eines Azubis.

So wie die Hauptpflicht deines Ausbildungsbetriebs darin besteht, dir eine hochwertige Ausbildung zu vermitteln, ist es deine Hauptpflicht, dich ernsthaft zu bemühen, die notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse zu erwerben. Das bedeutet, dass du aktiv am Ausbildungsgeschehen teilnehmen und die dir übertragenen Aufgaben sorgfältig erledigen solltest.

Dazu gehört außerdem, dass du pünktlich zu deiner Arbeitsschicht erscheinst und die Weisungen deiner Ausbilderin oder deines Ausbilders und anderer weisungsberechtigter Personen im Betrieb befolgst, sofern sie im Rahmen deiner Ausbildung ausgesprochen werden. Dabei geht es nicht um blinden Gehorsam, sondern um eine konstruktive Zusammenarbeit.

Weitere Pflichten als Azubi:

  • Du besuchst regelmäßig die Berufsschule und verfolgst deine theoretische Ausbildung mit derselben Sorgfalt wie deine praktische Ausbildung im Betrieb.  
  • Bei Krankheit musst du dich umgehend krankmelden und ggf. eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, sofern der Betrieb keine andere Regelung vorsieht.
  • Ein sorgfältiger Umgang mit den anvertrauten Arbeitsmitteln, Maschinen und sonstigen Einrichtungen wird von dir erwartet.
  • Betriebsgeheimnisse und vertrauliche Informationen darfst du nicht an Dritte weitergeben. Diese Schweigepflicht gilt auch nach Beendigung deiner Ausbildung.
  • Das Führen eines Ausbildungsnachweises (Berichtsheft) gehört ebenfalls zu deinen Pflichten.

Rechte und Pflichten für Azubis: Welche Konsequenzen entstehen bei Pflichtverletzungen?

Das Ausbildungsverhältnis basiert auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt – beides kann durch wiederholte Pflichtverletzungen nachhaltig beschädigt werden. Pflichtverletzungen können in schwerwiegenden Fällen aber auch rechtliche Konsequenzen haben.

Wenn du beispielsweise regelmäßig zu spät kommst, kann dich der Ausbildungsbetrieb die verpasste Zeit nacharbeiten lassen oder bei fortgesetztem Verhalten eine Abmahnung aussprechen. Bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen wie Diebstahl oder dauerhaftem Schwänzen der Berufsschule kann der Ausbildungsbetrieb das Ausbildungsverhältnis sogar kündigen.

Nicht zuletzt kann sich pflichtwidriges Verhalten auch negativ auf deine Beurteilung und damit auf deine beruflichen Perspektiven nach der Ausbildung auswirken.

Stellst du selbst eine Pflichtverletzung deines Ausbildungsbetriebs fest, kannst du dich an verschiedene Stellen wenden, unter anderem den Betriebsrat, die Jugend- und Auszubildendenvertretung oder die zuständige Kammer.

Weitere Fragen

Welche Rechte und Pflichten hat ein Lehrling?

Ein Lehrling hat das Recht auf eine hochwertige Ausbildung, angemessene Vergütung, gesetzlich geregelte Arbeitszeiten sowie Freistellung für die Berufsschule. Gleichzeitig besteht die Pflicht, aktiv zu lernen, pünktlich zu erscheinen und Anweisungen zu befolgen. Auch der sorgfältige Umgang mit Arbeitsmitteln und das Führen des Berichtshefts gehören zu den Pflichten eines Lehrlings.

Welche Rechte haben Auszubildende mit Kindern?

Auszubildende mit Kindern haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie andere Azubis, jedoch besteht ein besonderer Schutz durch allgemeine arbeitsrechtliche Vorschriften. Sie haben Anspruch auf die vereinbarte Vergütung, geregelte Arbeitszeiten und Freistellung für die Berufsschule. Zusätzlich gelten Fürsorgepflichten des Betriebs, die eine Überforderung verhindern sollen.

Darf ein Azubi alleine im Betrieb bleiben?

Ein Azubi darf nur dann alleine im Betrieb bleiben, wenn die übertragenen Aufgaben dem Ausbildungsziel entsprechen und keine Überforderung darstellen. Der Betrieb hat eine Fürsorgepflicht und muss gewährleisten, dass Azubis nicht unbeaufsichtigt Tätigkeiten ausführen, die ihre Fähigkeiten übersteigen. Minderjährige müssen zusätzlich nach dem Jugendarbeitsschutz besonders geschützt werden.

Welche Pflichten haben Auszubildende in der Berufsschule?

Auszubildende müssen die Berufsschule regelmäßig besuchen und aktiv am Unterricht teilnehmen. Sie haben die Pflicht, Lerninhalte sorgfältig zu bearbeiten und Fehlzeiten ordnungsgemäß zu entschuldigen. Die schulische Ausbildung gilt als gleichwertiger Bestandteil der Gesamtqualifikation und muss mit derselben Sorgfalt verfolgt werden wie die praktische Ausbildung im Betrieb.