Das Wichtigste in Kürze
- Die Berufsschule ist fester Bestandteil der dualen Ausbildung und vermittelt theoretische Grundlagen sowie Allgemeinbildung. Theorie in der Berufsschule und Praxis im Ausbildungsbetrieb greifen ineinander, wodurch Auszubildende fachlich und persönlich auf ihren Beruf vorbereitet werden.
- Der Besuch ist verpflichtend für alle Auszubildenden im dualen System. Die Teilnahme erfolgt nach Anmeldung durch den Ausbildungsbetrieb, und es ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben.
- Der Unterricht kombiniert berufsbezogene Lernfelder und allgemeinbildende Fächer. Organisiert wird er im Teilzeitmodell oder als Blockunterricht, abhängig von Schule und Betrieb.
Was ist eine Berufsschule?
Wer eine duale Ausbildung absolvieren möchte, geht neben der Lehre im Betrieb zur Berufsschule. Anders als bei einer rein schulischen Ausbildung, die vollständig an einer Berufsfachschule stattfindet, erwerben die Lernenden hier ihr Wissen an zwei Orten: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis ist das Markenzeichen des dualen Systems in Deutschland. Ein weiterer Vorteil: Auszubildende erhalten vom Betrieb eine Ausbildungsvergütung, während bei rein schulischen Ausbildungen in der Regel kein Gehalt gezahlt wird.
Die Berufsschule vermittelt die theoretischen Grundlagen für den jeweiligen Ausbildungsberuf sowie eine erweiterte Allgemeinbildung. Der Besuch der Berufsschule ist für alle Auszubildenden im dualen System verpflichtend.
Welche Berufe kann man an der Berufsschule lernen?
In Deutschland gibt es über 320 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe, die Sie im dualen System erlernen können und für die somit der Besuch einer Berufsschule vorgesehen ist. Die Bandbreite ist riesig und deckt nahezu alle Wirtschaftsbereiche ab:
- kaufmännische Berufe: z. B. Industriekaufleute oder Kaufleute für Büromanagement
- handwerkliche Berufe: z. B. Tischler, Elektronikerin, Kfz-Mechatroniker, Friseurin
- Berufe im Gesundheitswesen: z. B. zahnmedizinische Fachangestellte oder Pflegekraft
- technische Berufe: z. B. Fachinformatiker, Industriemechanikerin, Technischer Zeichner
- Gastronomie und Hotellerie: z. B. Koch oder Hotelfachkraft
- kreative Berufe: z. B. Mediengestalterin oder Fotograf
Tipp: Eine vollständige und aktuelle Übersicht aller Ausbildungsberufe stellt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zur Verfügung.
Unsere Lehrwerksempfehlungen
Was sind die Voraussetzungen für die Aufnahme in eine Berufsschule?
Die wichtigste Voraussetzung für den Besuch einer Berufsschule ist ein unterschriebener Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen. Mit diesem Vertrag meldet der Ausbildungsbetrieb seine Azubis bei der zuständigen Berufsschule an. Sie brauchen sich also nicht selbst darum zu kümmern.
Rechtlich gesehen ist für die Aufnahme in eine Berufsschule grundsätzlich kein bestimmter Schulabschluss notwendig. Die meisten Ausbildungsbetriebe fordern mindestens einen Hauptschulabschluss, je nach Beruf und Unternehmen können aber auch ein mittlerer Schulabschluss oder die Fachhochschulreife Voraussetzung sein. Für manche Ausbildungen ist der Zugang sogar ohne Schulabschluss möglich.
Grundsätzlich gilt in Deutschland die Berufsschulpflicht. Diese dauert je nach Bundesland unterschiedlich lange, oft bis zum Ende des 18. Lebensjahres oder bis zum Abschluss der Berufsausbildung – manchmal sogar bis 21. Wer keinen Ausbildungsplatz findet, kann an der Berufsschule ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) absolvieren, um so die Zeit zu überbrücken und der Berufsschulpflicht nachzukommen. Häufig kann dieses später, wenn ein Vertrag mit einem Betrieb zustande kommt, als erstes Ausbildungsjahr angerechnet werden.
Wie läuft der Unterricht in einer Berufsschule ab?
Der Unterricht an der Berufsschule ist eng mit der praktischen Arbeit im Betrieb verknüpft. Dabei gibt es zwei gängige Organisationsformen:
- Teilzeitunterricht: Die Auszubildenden besuchen an ein bis zwei festen Tagen pro Woche die Berufsschule. Die restlichen Tage verbringen sie im Betrieb. Dieses Modell ermöglicht einen kontinuierlichen Wechsel zwischen Theorie und Praxis.
- Blockunterricht: Hier wechseln sich längere Phasen im Betrieb und Schulunterricht ab. Die Auszubildenden sind für mehrere Wochen am Stück ausschließlich in der Berufsschule und anschließend wieder für einen längeren Zeitraum im Unternehmen. Dieses Modell wird oft gewählt, wenn Ausbildungsbetrieb und Berufsschule weit voneinander entfernt liegen.
Der Unterricht selbst gliedert sich in berufsbezogene und allgemeinbildende Fächer. Der berufsbezogene Unterricht findet oft in Lernfeldern statt, die sich an konkreten beruflichen Aufgaben und Handlungsabläufen orientieren. Hier werden die theoretischen Grundlagen für den jeweiligen Ausbildungsberuf vermittelt – etwa Fachkunde, Fachrechnen oder berufsspezifische Technologien. Ein angehender Kfz-Mechatroniker lernt beispielsweise die Funktionsweise von Motoren und elektrischen Systemen, eine Kauffrau für Büromanagement befasst sich mit Geschäftsprozessen und Buchführung, während ein Bäcker-Azubi Kenntnisse über Teigführung, Rezepturen und Lebensmittelkunde erwirbt.
Die allgemeinbildenden Fächer umfassen in der Regel Deutsch, Mathematik, Politik/Sozialkunde, meist auch Ethik/Religion, Sport und eine Fremdsprache. Ziel ist es, nicht nur fachliche, sondern auch personale und soziale Kompetenzen zu fördern, die für das gesamte Berufsleben von Bedeutung sind.









