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Schulformen: die berufliche Bildung auf einen Blick
Bild: Shutterstock.com/Monkey Business Images

Die Berufsoberschule als Weg zum Studium

Vom Berufsabschluss zum (Fach-)Abitur

Die Berufsoberschule (BOS) bietet Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung die Möglichkeit, einen höheren Schulabschluss zu erwerben. Dieser Bildungsweg verbindet berufliche Praxis mit theoretischer Weiterbildung und eröffnet neue Perspektiven für Studium und Karriere.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Berufsoberschule ist ein weiterführender Bildungsgang für Personen mit mittlerem Schulabschluss und abgeschlossener Berufsausbildung. Sie ermöglicht den Erwerb der Fachhochschulreife, fachgebundenen Hochschulreife oder allgemeinen Hochschulreife - in ein bis drei Jahren.
  • Die BOS baut auf beruflicher Erfahrung auf und führt über Vollzeit- oder Teilzeitunterricht zu einem höheren Schulabschluss. Unterricht umfasst allgemeinbildende Inhalte und fachrichtungsspezifische Fächer in Bereichen wie Technik, Wirtschaft, Sozialwesen, Gesundheit oder Gestaltung.
  • Der Zugang zur BOS erfordert einen mittleren Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Weitere Kriterien können Notenvorgaben oder der Besuch einer Vorklasse sein; die BOS wird in sechs Bundesländern angeboten.

Was ist eine Berufsoberschule?

Die Berufsoberschule ist eine weiterführende Schulform, die sich an Personen mit mittlerem Schulabschluss und abgeschlossener Berufsausbildung richtet. Die BOS ermöglicht es Berufstätigen, auf dem zweiten Bildungsweg vollzeitschulisch oder in Teilzeit die Fachhochschulreife, die fachgebundene Hochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife zu erlangen – und damit den Zugang zu Hochschulen und Universitäten. Je nach angestrebtem Abschluss dauert die Berufsoberschule ein bis drei Jahre in Vollzeit, bei Teilzeit entsprechend länger.

Von der Fachoberschule (FOS) unterscheidet sich die Berufsoberschule dadurch, dass sie eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt. Die FOS hingegen können Schülerinnen und Schüler direkt nach dem mittleren Schulabschluss besuchen.


In welchen Bundesländern gibt es die Berufsoberschule?

Die Berufsoberschule gibt es in sechs deutschen Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Besonders etabliert ist sie in Bayern, wo sie zusammen mit der Fachoberschule unter dem Dach der Beruflichen Oberschule ein eigenständiges und weit verbreitetes Bildungsangebot darstellt.

In anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es vergleichbare Bildungsgänge unter anderen Bezeichnungen, beispielsweise erweiterte Fachoberschulangebote, die ebenfalls eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. Die genauen Zugangsvoraussetzungen, Fachrichtungen und Abschlüsse können sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Deshalb ist es ratsam, sich bei der zuständigen Schulbehörde oder direkt bei den Schulen zu informieren.

Unsere Lehrwerksempfehlungen

Welche Abschlüsse sind an der Berufsoberschule möglich?

An der Berufsoberschule können Schülerinnen und Schüler je nach Bundesland und gewähltem Bildungsgang unterschiedliche Abschlüsse erwerben. Nach der 12. Jahrgangsstufe erlangen sie die Fachhochschulreife (auch Fachabitur genannt). Diese berechtigt zum Studium an Fachhochschulen in allen Fachrichtungen und wird bundesweit anerkannt.

Nach zwei Jahren (12. und 13. Jahrgangsstufe) kann die fachgebundene Hochschulreife erworben werden. Mit diesem Abschluss ist ein Studium an Fachhochschulen in allen Fachrichtungen sowie an Universitäten in bestimmten Studiengängen möglich, die zur gewählten Fachrichtung der BOS passen. Wer beispielsweise den Zweig Technik gewählt hat, kann Ingenieurwissenschaften an der Uni studieren, und wer sich für Wirtschaft entschieden hat, kann sich für BWL einschreiben.

Schülerinnen und Schüler, die zusätzlich ausreichende Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache nachweisen, erhalten nach der 13. Klasse die allgemeine Hochschulreife (Abitur), die zum Studium aller Fächer an allen Hochschulen und Universitäten berechtigt.


Welche Fachrichtungen gibt es an der BOS?

Die Berufsoberschule bietet verschiedene Fachrichtungen an, die je nach beruflichen Vorkenntnissen und Interessen ausgewählt werden können. Zu den gängigsten zählen:

Voraussetzungen für die Aufnahme an einer Berufsoberschule

Für die Aufnahme an einer Berufsoberschule sind in der Regel folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • ein mittlerer Schulabschluss (z. B. Realschulabschluss, Mittlere Reife, mittlerer Schulabschluss der Berufsschule oder Berufsfachschule)
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer oder eine mindestens fünfjährige Berufstätigkeit
  • teilweise ein bestimmter Notendurchschnitt im Zeugnis des mittleren Schulabschlusses, meist mindestens 3,5 in den Hauptfächern

Die Berufsausbildung muss nicht zwingend zur gewählten Fachrichtung passen, sollte aber idealerweise thematische Bezüge aufweisen. Die BOS steht Menschen jeden Alters offen.

In vielen Bundesländern wird eine einjährige Vorklasse angeboten, die auf die 12. Jahrgangsstufe vorbereitet. Der Besuch ist verpflichtend für alle, die noch keinen mittleren Schulabschluss besitzen – dieser kann dann in der Vorklasse durch eine Aufnahmeprüfung erworben werden. Darüber hinaus wird die Vorklasse besonders empfohlen für Absolventinnen und Absolventen von Mittelschulen, Wirtschaftsschulen, Berufsschulen oder Berufsfachschulen sowie für alle, deren Schulabschluss schon länger zurückliegt oder deren Notendurchschnitt knapp unter 3,5 liegt.


Wie läuft der Unterricht an der Berufsoberschule ab?

In der 12. Jahrgangsstufe werden sowohl allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Mathematik, Englisch, Geschichte und Sozialkunde als auch fachrichtungsspezifische Inhalte unterrichtet. In der Fachrichtung Technik stehen beispielsweise Physik, Chemie und Technologie auf dem Stundenplan, in der Fachrichtung Wirtschaft Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Rechnungswesen, in der Fachrichtung Sozialwesen Psychologie, Sozialpädagogik und Sozialwirtschaft.

Die 13. Jahrgangsstufe vertieft diese Inhalte und bereitet auf die Abiturprüfung vor. Wer die allgemeine Hochschulreife anstrebt und noch keine zweite Fremdsprache beherrscht, belegt diese als Wahlpflichtfach bereits ab der 12. Klasse. Der Unterricht in der zweiten Fremdsprache umfasst in der Regel vier Wochenstunden und muss in der 13. Klasse mindestens mit der Note 4 abgeschlossen werden.

Tipp: Das Sortiment von Cornelsen hält zahlreiche Lehrwerke für die berufliche Bildung bereit – gefiltert nach Bundesland vermitteln sie auch schon vor Schulbeginn erste Eindrücke in die Lerninhalte.

Weitere Fragen

Was versteht man unter Berufsoberschule?

Eine Berufsoberschule ist ein Bildungsgang, der Menschen mit mittlerem Schulabschluss und abgeschlossener Berufsausbildung zu höheren Schulabschlüssen führt. Sie ermöglicht je nach Dauer die Fachhochschulreife, eine fachgebundene Hochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife. Unterricht findet vollzeitschulisch oder in Teilzeit statt.

Sind FOS und BOS das Gleiche?

FOS und BOS verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich jedoch in den Voraussetzungen. Die FOS kann direkt nach dem mittleren Bildungsabschluss besucht werden, während die BOS eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufspraxis voraussetzt. Beide Wege gehören zur beruflichen Oberstufe, sprechen jedoch unterschiedliche Zielgruppen an.

Wie viel kostet der Besuch der Berufsoberschule?

Der Besuch der Berufsoberschule ist an staatlichen Schulen in der Regel kostenfrei. Lediglich Lernmittel oder Prüfungsgebühren können anfallen. Private Schulen können Gebühren erheben, deren Höhe abhängig vom Träger ist; zusätzliche Fördermöglichkeiten wie BAföG können unterstützen.

Was brauche ich, um auf die BOS zu gehen?

Für die Aufnahme an der BOS werden ein mittlerer Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder gleichwertige Berufserfahrung benötigt. Teilweise ist ein bestimmter Notendurchschnitt erforderlich oder der Besuch einer Vorklasse. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern.