Das Wichtigste in Kürze
- Die Berufseinstiegsschule ist ein vollzeitschulischer Bildungsgang in Niedersachsen mit zwei Klassenstufen. Klasse 1 richtet sich an Jugendliche mit besonderem Förderbedarf, Klasse 2 ermöglicht den Erwerb oder die Verbesserung des Hauptschulabschlusses.
- Die BES bietet eine klare berufliche Orientierung und bereitet auf Ausbildung oder weitere Schulformen vor. Theorie und Praxis werden kombiniert, ergänzt durch Praktika in Betrieben sowie Fachunterricht in Gesundheit und Soziales, Technik oder Wirtschaft.
- Die Klasse 2 richtet sich an Jugendliche ohne Hauptschulabschluss oder mit schwachem Abschluss. Zugangsvoraussetzungen umfassen u. a. den Abschluss der 9. Klasse, ein Förderschulzeugnis oder den erfolgreichen Besuch der BES-Klasse 1.
Von der Berufseinstiegsklasse zur Berufseinstiegsschule
Die Berufseinstiegsschule wurde im Schuljahr 2020/2021 in Niedersachsen eingeführt und fasst zwei eigenständige Bildungsgänge unter einem Dach zusammen: die Klasse 1 (ähnlich dem Berufsvorbereitungsjahr) und die Klasse 2 (ehemals Berufseinstiegsklasse). Umgangssprachlich wird der Begriff „Berufseinstiegsklasse“ oder „BEK“ jedoch weiterhin parallel zur offiziellen Bezeichnung „Klasse 2 der Berufseinstiegsschule“ verwendet.
Was ist die Berufseinstiegsschule?
Die Berufseinstiegsschule ist ein vollzeitschulischer Bildungsgang an berufsbildenden Schulen in Niedersachsen. Sie gliedert sich in zwei parallele Klassen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Die BES-Klasse 1 richtet sich an noch schulpflichtige Jugendliche mit besonderem Förderbedarf und entspricht dem Berufsvorbereitungsjahr in anderen Bundesländern. Die BES-Klasse 2 konzentriert sich auf den Erwerb oder die Verbesserung des Hauptschulabschlusses und hieß bis 2020 Berufseinstiegsklasse. Beide Bildungsgänge dauern jeweils ein Jahr und werden in der Regel unabhängig voneinander besucht.
Die Berufseinstiegsschule ist eine Besonderheit des niedersächsischen Schulsystems. Während die meisten anderen Bundesländer das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) anbieten, hat Niedersachsen mit der BES einen eigenen Weg gewählt. Die Struktur mit zwei parallelen Klassen ermöglicht eine differenzierte Förderung je nach Ausgangslage und individuellem Förderbedarf der Jugendlichen.
Andere Bundesländer haben ähnliche Angebote, die jedoch anders bezeichnet werden. In Baden-Württemberg gibt es das Berufseinstiegsjahr (BEJ) und das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf (VAB), in Nordrhein-Westfalen die Ausbildungsvorbereitung (AV) und in Hamburg die Ausbildungsvorbereitung dual (AvDual). Unabhängig von der jeweiligen Bezeichnung verfolgen diese Bildungsgänge ein gemeinsames Ziel: Sie ermöglichen Jugendlichen ohne ausreichenden Schulabschluss eine zweite Chance und bereiten sie auf den Einstieg in eine Ausbildung vor.
Voraussetzungen und Aufnahme in die BES-Klasse 2
In die Klasse 2 der Berufseinstiegsschule (ehemals Berufseinstiegsklasse) können Jugendliche aufgenommen werden, die eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:
- Abschluss der 9. Klasse einer allgemeinbildenden Schule ohne Hauptschulabschluss
- Hauptschulabschluss mit einem schlechten Notendurchschnitt
- Abschlusszeugnis einer Förderschule
- erfolgreicher Besuch der BES-Klasse 1 mit Empfehlung für Klasse 2
Die Aufnahme erfolgt in der Regel nach dem Ende des vorangegangenen Schuljahres, wobei die Anmeldung über die jeweilige berufsbildende Schule läuft. Im Aufnahmeverfahren berät die Berufseinstiegsschule die Bewerberinnen und Bewerber individuell über Berufswege und Fördermöglichkeiten. Die BES-Klasse 2 kann sowohl in Vollzeit als auch – bei Teilnahme an einer Einstiegsqualifizierung – in Teilzeitform besucht werden.
Aufbau und Inhalte der Berufseinstiegsschule Klasse 2
Die Klasse 2 der Berufseinstiegsschule dauert ein Schuljahr und wird überwiegend in Vollzeitform angeboten. Der Unterricht gliedert sich in zwei Bereiche: den berufsübergreifenden Lernbereich mit allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch, Mathematik, Englisch und Politik sowie den berufsbezogenen Fachunterricht. Im berufsbezogenen Bereich werden Grundkenntnisse in einem gewählten Berufsfeld vermittelt.
Die BES-Klasse 2 wird in den Fachrichtungen Gesundheit und Soziales, Technik sowie Wirtschaft angeboten. Innerhalb dieser Fachrichtungen sind verschiedene Schwerpunkte möglich, beispielsweise Bautechnik, Metalltechnik, Elektrotechnik oder Hauswirtschaft und Pflege.
Ein wichtiger Bestandteil der Berufseinstiegsschule sind Praktika, die den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, praktische Erfahrungen in Betrieben zu sammeln und ihre beruflichen Vorstellungen zu konkretisieren. Der Unterricht findet sowohl in Klassenräumen als auch in schuleigenen Werkstätten und Fachräumen statt, sodass theoretisches Wissen direkt mit praktischen Tätigkeiten verknüpft wird.
Am Ende der BES-Klasse 2 stehen Klausurarbeiten in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie Prüfungen in der beruflichen Theorie und Praxis. Wer diese Prüfungen erfolgreich besteht, erwirbt den Hauptschulabschluss. Auch Jugendliche, die bereits einen schwachen Hauptschulabschluss mitbringen, können durch gute Leistungen in der Berufseinstiegsschule ihre Abschlussnoten verbessern und damit ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöhen.
Perspektiven nach der Berufseinstiegsschule
Nach erfolgreichem Abschluss der BES-Klasse 2 stehen verschiedene Wege offen. Viele Absolventinnen und Absolventen beginnen eine duale Ausbildung in dem Berufsfeld, das sie während der Berufseinstiegsschule kennengelernt haben. Die praktischen Erfahrungen aus den Praktika und der verbesserte Schulabschluss erleichtern den Zugang zu Ausbildungsstellen erheblich.
Alternativ besteht die Möglichkeit, in eine Berufsfachschule zu wechseln, um dort weitere schulische Qualifikationen zu erwerben. Anders als das Berufsgrundbildungsjahr, das unter bestimmten Voraussetzungen als erstes Ausbildungsjahr angerechnet werden kann, wird die Berufseinstiegsschule nicht auf eine spätere Ausbildungszeit angerechnet. Ihr Wert liegt vielmehr in der verbesserten Ausgangsposition für den Start in die Berufswelt und in der gewonnenen beruflichen Orientierung.

