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Schulformen: die berufliche Bildung auf einen Blick
Bild: Shutterstock.com/Monkey Business Images

Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)

Berufliche Orientierung für Jugendliche ohne Schulabschluss

Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) vermittelt berufliche Grundkenntnisse in verschiedenen Berufsfeldern und bereitet auf den Einstieg in eine Ausbildung oder Berufstätigkeit vor. Gleichzeitig können Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss erwerben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das BVJ ist ein einjähriger vollzeitschulischer Bildungsgang für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss. Es vermittelt berufliche Grundkenntnisse und bietet die Möglichkeit, einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss zu erwerben.
  • Der Unterricht kombiniert allgemeinbildende Fächer mit berufsbezogenen Grundlagen und Praxiserfahrungen. Praktika in Betrieben sind ein zentraler Bestandteil und unterstützen die berufliche Orientierung.
  • Das BVJ verbessert die Ausbildungsreife und erleichtert den Übergang in Ausbildung oder weiterführende schulische Bildung. Es wird nicht auf die Ausbildungszeit angerechnet, bildet aber eine wichtige Grundlage für den Berufseinstieg.

Was ist das Berufsvorbereitungsjahr genau?

Das Berufsvorbereitungsjahr ist ein vollzeitschulisches Angebot, das in fast allen Bundesländern existiert – mit Ausnahme von Brandenburg und Niedersachsen, die eigene Modelle entwickelt haben. In Niedersachsen etwa wurde das BVJ im Schuljahr 2020/2021 in die Berufseinstiegsschule (BES) überführt. Das Berufsvorbereitungsjahr richtet sich an berufsschulpflichtige Jugendliche, die ihre allgemeine Schulpflicht erfüllt, aber keinen Ausbildungsplatz gefunden haben oder noch nicht über die erforderliche Ausbildungsreife verfügen.

Der Bildungsgang dauert ein Schuljahr und kombiniert allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Mathematik und Sozialkunde mit berufsbezogenem Unterricht in Theorie und Praxis. Das BVJ wird in verschiedenen Berufsfeldern angeboten, darunter Metalltechnik, Elektrotechnik, Bautechnik, Holztechnik, Hauswirtschaft, Gesundheit und Pflege sowie Wirtschaft und Verwaltung. Jugendliche können so erste praktische Erfahrungen sammeln und ihre beruflichen Interessen konkretisieren.


Voraussetzungen für das BJV

In das Berufsvorbereitungsjahr können Jugendliche aufgenommen werden, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie haben mindestens neun Jahre eine allgemeinbildende Schule besucht.
  • Sie haben keinen Hauptschulabschluss, sondern nur ein Abgangszeugnis der Klasse 8 oder 9.
  • Sie haben die Berufsschulpflicht noch nicht erfüllt.
  • Sie haben noch keinen Ausbildungsplatz oder sind noch nicht an einer weiterführenden Schule eingeschrieben.

Die Anmeldung erfolgt über die jeweilige berufsbildende Schule. In einigen Bundesländern ist der Besuch des BVJ für berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildungsplatz verpflichtend. Das Berufsvorbereitungsjahr kann sowohl in rein schulischer Form als auch kooperativ – in Zusammenarbeit mit Bildungsträgern und Betrieben – organisiert sein.


Aufbau und Inhalte des Berufsvorbereitungsjahres

Das BVJ gliedert sich in einen allgemeinbildenden und einen berufsbezogenen Bereich. Der allgemeinbildende Unterricht umfasst Fächer wie Deutsch, Mathematik, Englisch, Sozialkunde und Sport. Diese Fächer orientieren sich an den Standards der Hauptschule und helfen, schulische Lücken zu schließen. Der berufsbezogene Unterricht vermittelt fachtheoretische und fachpraktische Grundkenntnisse in einem oder mehreren Berufsfeldern.

Ein wichtiger Bestandteil des Berufsvorbereitungsjahres sind Praktika in Betrieben, die den Jugendlichen ermöglichen, verschiedene Berufe kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln. Der Unterricht findet sowohl in Klassenräumen als auch in Werkstätten und Fachräumen der berufsbildenden Schulen statt. Durch die Verzahnung von Theorie und Praxis werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezielt auf die Anforderungen einer Berufsausbildung vorbereitet.

In der kooperativen Form des BVJ arbeiten Berufsschulen mit Bildungsträgern zusammen. Die Jugendlichen besuchen an einigen Tagen die Berufsschule und an anderen Tagen den Bildungsträger, wo sie intensiv praktisch arbeiten und sozialpädagogisch betreut werden.

Abschluss und Prüfungen des BVJ

Am Ende des Berufsvorbereitungsjahres erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Zeugnis. Wer das BVJ erfolgreich abschließt, erwirbt einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss. Die genauen Prüfungsmodalitäten variieren je nach Bundesland. In der Regel müssen die Leistungen in allen Fächern mindestens ausreichend sein, und es gelten Ausgleichsregelungen für einzelne schwächere Noten.

Einige Bundesländer bieten zusätzlich die Möglichkeit, durch eine Externenprüfung den qualifizierenden Hauptschulabschluss zu erwerben. Die regelmäßige Teilnahme am Unterricht und an den Praktika ist Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Berufsvorbereitungsjahres.


Perspektiven nach dem Berufsvorbereitungsjahr

Nach dem Berufsvorbereitungsjahr stehen verschiedene Wege offen. Viele Absolventinnen und Absolventen beginnen eine duale Ausbildung in einem der Berufsfelder, die sie während des BVJ kennengelernt haben. Der erworbene Hauptschulabschluss und die praktischen Erfahrungen verbessern die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erheblich.

Alternativ können Jugendliche in eine Berufsfachschule wechseln, um weitere schulische Qualifikationen zu erwerben, oder an berufsvorbereitenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit teilnehmen. Anders als das Berufsgrundbildungsjahr wird das Berufsvorbereitungsjahr nicht auf eine spätere Ausbildungszeit angerechnet. Sein Wert liegt vielmehr in der gewonnenen Ausbildungsreife, der beruflichen Orientierung und dem nachgeholten Schulabschluss, die gemeinsam eine solide Grundlage für den Einstieg in die Berufswelt bilden.

Weitere Fragen

Wie läuft ein Berufsvorbereitungsjahr ab?

Das Berufsvorbereitungsjahr dauert ein Jahr und kombiniert theoretischen Unterricht mit berufsbezogenen Praxisanteilen. Lernende besuchen allgemeinbildende Fächer wie Deutsch und Mathematik sowie fachpraktische Bereiche in Werkstätten oder Betrieben. Ergänzend erfolgen Praktika, die Einblicke in verschiedene Berufsfelder ermöglichen und auf eine Ausbildung vorbereiten.

Was ist der Unterschied zwischen BGJ und BVJ?

Der Unterschied liegt vor allem in Zugang und Zielgruppe: Das BGJ setzt einen Hauptschulabschluss voraus und vermittelt Inhalte des ersten Ausbildungsjahres eines Berufsfeldes. Das BVJ richtet sich an Jugendliche ohne Hauptschulabschluss und dient der beruflichen Orientierung sowie dem Erwerb eines gleichwertigen Abschlusses. Beide führen jedoch an eine spätere Ausbildung heran.

Ist man nach dem BVJ noch schulpflichtig?

Die Schulpflicht kann durch das BVJ erfüllt werden, da es zur Berufsschulpflicht zählt. Nach erfolgreichem Abschluss besteht in der Regel keine weitere Schulpflicht mehr. Entscheidend sind jedoch die Vorgaben des jeweiligen Bundeslands und das Alter der Jugendlichen.

Was passiert, wenn man das BVJ nicht schafft?

Wird das BVJ nicht erfolgreich abgeschlossen, erhalten Teilnehmende kein Abschlusszeugnis und keinen Hauptschulabschluss. Sie können das BVJ häufig wiederholen oder alternative Wege der Berufsvorbereitung wählen. Beratungsangebote der Schulen oder Arbeitsagenturen unterstützen bei passenden Anschlussmöglichkeiten.