Das Wichtigste in Kürze
- Die höhere Berufsfachschule ist eine vollzeitschulische Ausbildungsform mit staatlich anerkanntem Berufsabschluss. Sie setzt einen mittleren Schulabschluss voraus und qualifiziert für anspruchsvollere Berufsfelder sowie weiterführende Bildungswege.
- Ein zentrales Merkmal ist die Möglichkeit der Doppelqualifikation. Neben dem Berufsabschluss kann durch Zusatzunterricht die Fachhochschulreife erworben werden, was direkte Studienzugänge ermöglicht.
- Der Unterricht kombiniert theoretische Inhalte mit festen Praxisanteilen. Werkstätten, Labore und verpflichtende Praktika verknüpfen Theorie und Berufspraxis über zwei bis drei Ausbildungsjahre.
Was ist eine höhere Berufsfachschule?
Die höhere Berufsfachschule ist eine vollzeitschulische Ausbildungsform, die zu einem staatlich anerkannten Berufsabschluss führt. Der wesentliche Unterschied zur regulären Berufsfachschule liegt in der Zugangsvoraussetzung: Während für die Berufsfachschule oft ein Hauptschulabschluss ausreicht, setzt die höhere Berufsfachschule einen mittleren Schulabschluss voraus. Dadurch ermöglicht sie den Zugang zu anspruchsvolleren Berufen und höheren beruflichen Positionen.
Ein besonderer Vorteil ist die Möglichkeit, parallel zum Berufsabschluss durch Zusatzunterricht und eine Zusatzprüfung die Fachhochschulreife zu erwerben – eine Doppelqualifikation, die den direkten Weg zum Studium an einer Fachhochschule eröffnet.
Welche Ausbildungsberufe bieten höhere Berufsfachschulen an?
Wer in Deutschland an eine Ausbildung denkt, hat oft die klassische „Lehre“ im Sinn – also eine Mischung aus praktischer Arbeit im Betrieb und theoretischem Lernen an der Berufsschule. Das nennt sich „duale Ausbildung“. Es gibt aber auch rein schulische Ausbildungen, wie sie zum Beispiel höhere Berufsfachschulen anbieten.
Das Spektrum der Ausbildungsberufe an höheren Berufsfachschulen ist breit gefächert und orientiert sich an den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Besonders verbreitet sind Ausbildungen in folgenden Bereichen:
- Sozial- und Gesundheitswesen: Staatlich anerkannte Erzieherin, Sozialassistent, Pflegefachkraft, Physiotherapeutin, Ergotherapeut
- Technischer Bereich: Informationstechnischer Assistent, Chemisch-technische Assistentin, Bautechnischer Assistent, Biologisch-technische Assistentin, Umweltschutztechnischer Assistent
- Kaufmännischer Bereich: Kaufmännischer Assistent für Fremdsprachen, Wirtschaftsassistentin, Assistent für Tourismus
- Gestalterischer Bereich: Gestaltungstechnische Assistentin, Mediengestalter
- Ernährung und Pharmazie: Assistentin für Ernährung und Versorgung, Diätassistent, Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)
Die konkreten Angebote variieren je nach Bundesland und Standort, da die Bildungshoheit bei den Ländern liegt.
Aufnahmekriterien für die höhere Berufsfachschule
Die Grundvoraussetzung für den Besuch einer höheren Berufsfachschule ist in der Regel der mittlere Schulabschluss (Realschulabschluss oder Fachoberschulreife). Je nach Fachrichtung können zusätzliche Anforderungen hinzukommen wie:
- bestimmte Notendurchschnitte in relevanten Fächern
- gesundheitliche Eignungsnachweise (besonders im Gesundheitsbereich)
- Motivationsschreiben oder Aufnahmegespräche
- Vorpraktika oder Nachweise über praktische Erfahrungen
- an einigen Schulen Bestehen eines Eignungstests
So läuft die Ausbildung an einer höheren Berufsfachschule ab
Der Unterricht an höheren Berufsfachschulen kombiniert theoretische und praktische Elemente. In der Regel erstreckt sich die schulische Ausbildung über zwei bis drei Jahre, abhängig von der gewählten Fachrichtung. Der theoretische Unterricht umfasst sowohl allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Mathematik und Englisch als auch berufsspezifische Inhalte. Der fachtheoretische Unterricht vermittelt das notwendige Fachwissen für die spätere Berufstätigkeit.
Die praktische Ausbildung findet sowohl in schuleigenen Werkstätten, Laboren oder Übungsräumen als auch in Form von mehrwöchigen oder mehrmonatigen Praktika in Betrieben und Einrichtungen statt. Diese Praxisphasen sind fest im Lehrplan verankert und ermöglichen den Transfer des Gelernten auf reale Arbeitssituationen.
Ein besonderer Vorteil der höheren Berufsfachschule ist die Möglichkeit, parallel zum Berufsabschluss die Fachhochschulreife zu erwerben. Dies geschieht durch Zusatzunterricht in allgemeinbildenden Fächern und eine entsprechende Zusatzprüfung. Mit dieser ergänzenden Qualifikation steht den Absolventinnen und Absolventen der Weg zu einem Fachhochschulstudium oder dualem Studium offen.
Was kostet die höhere Berufsschule?
Öffentliche höhere Berufsfachschulen sind in der Regel schulgeldfrei. Allerdings können Kosten für Lernmittel der Berufsbildung, Arbeitsmaterialien, Prüfungsgebühren und gegebenenfalls Klassenfahrten anfallen. Private Träger erheben häufig ein Schulgeld, das je nach Einrichtung und Fachrichtung variiert. Für die Finanzierung der Ausbildung können Schülerinnen und Schüler BAföG beantragen, sofern die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Da es sich um eine vollzeitschulische Ausbildung handelt, besteht kein Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung wie bei einer dualen Ausbildung.

