Das Wichtigste in Kürze
- Die Fachschule ist eine Weiterbildungsform für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung. Sie vermittelt vertiefte theoretische und praktische Kompetenzen und qualifiziert für mittlere Führungspositionen oder eine selbstständige Tätigkeit.
- Fachschulabschlüsse sind staatlich anerkannt und auf DQR-Niveau 6 verortet. Dadurch sind sie dem Bachelor-Niveau gleichgestellt, und Absolventinnen und Absolventen dürfen den Titel "Bachelor Professional" führen.
- Die Weiterbildung dauert je nach Form zwei Jahre in Vollzeit oder drei bis vier Jahre in Teilzeit. Inhalte umfassen einen fachrichtungsübergreifenden sowie einen fachrichtungsbezogenen Bereich, ergänzt durch Projektarbeiten und ggf. Praktika.
Was ist eine Fachschule?
Die Fachschule ist eine Einrichtung der beruflichen Weiterbildung, die auf einer abgeschlossenen Berufsausbildung und praktischer Berufserfahrung aufbaut. Anders als Berufsschulen oder Berufsfachschulen, die zur Erstausbildung gehören, richtet sich die Fachschule an Personen, die ihre beruflichen Kompetenzen vertiefen und erweitern möchten. Sie vermittelt vertiefte fachtheoretische und fachpraktische Kenntnisse und bereitet auf mittlere Führungspositionen oder eine selbstständige Tätigkeit vor. Der Abschluss einer Fachschule ist im Deutschen Qualifikationsrahmen auf Hochschulniveau angesiedelt.
Tipp: Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ordnet alle Bildungsabschlüsse nach acht Niveaustufen ein. Fachschulabschlüsse liegen auf Niveau 6 – genau wie ein Bachelor-Abschluss von der Hochschule. Deshalb dürfen Absolventinnen und Absolventen der Fachschule seit 2020 den Titel „Bachelor Professional“ tragen. Dies unterstreicht die Gleichwertigkeit und verbessert die internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse.
Welche Fachrichtungen gibt es an Fachschulen?
Das Angebot an Fachschulen ist vielfältig und deckt zahlreiche Berufsfelder ab. Wichtig: An der Fachschule werden keine Erstausbildungen angeboten, sondern Aufstiegsfortbildungen für bereits ausgebildete Fachkräfte. Wer beispielsweise eine Ausbildung zum Elektroniker abgeschlossen hat, kann sich an der Fachschule zum staatlich geprüften Techniker weiterbilden und damit für Führungsaufgaben qualifizieren.
Die wichtigsten Fachbereiche umfassen:
- Technik: Maschinentechnik, Elektrotechnik, Bautechnik, Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, Umweltschutztechnik, Informatik
- Wirtschaft: Betriebswirtschaft, Hotel- und Gaststättengewerbe, Absatzwirtschaft
- Sozialpädagogik: Erzieher, Heilerziehungspflegerin, Heilpädagoge
- Gesundheit und Pflege: Altenpflege, Familienpflege, Podologie
- Gestaltung: Produktdesign, Mode und Bekleidung, Foto- und Medientechnik
- Agrarwirtschaft: Landbau, Weinbau und Kellerwirtschaft, Gartenbau
Die konkreten Angebote variieren je nach Bundesland, da die Bildungshoheit bei den Ländern liegt und diese die Fachschulverordnungen eigenständig regeln.
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Welchen Abschluss erhält man an einer Fachschule?
Der erfolgreiche Abschluss einer Fachschule führt zu einem staatlich anerkannten Berufsabschluss. Die Absolventinnen und Absolventen erhalten Berufsbezeichnungen wie „Staatlich geprüfte Technikerin“, „Staatlich anerkannter Erzieher“ oder „Staatlich geprüfte Betriebswirtin“ – je nach absolvierter Fachrichtung. In vielen Bundesländern kann parallel zum Fachschulabschluss auch die Fachhochschulreife erworben werden, die zum Studium an Fachhochschulen berechtigt.
Voraussetzungen für die Aufnahme an einer Fachschule
Die Aufnahme in eine Fachschule setzt grundsätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem einschlägigen Ausbildungsberuf voraus. Darüber hinaus wird in der Regel eine mindestens einjährige, häufig auch mehrjährige Berufspraxis im erlernten Beruf gefordert. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich je nach Fachrichtung:
- Fachbereich Technik: abgeschlossene Ausbildung in einem technischen Beruf plus ein bis zwei Jahre Berufserfahrung
- Fachbereich Sozialpädagogik: abgeschlossene Ausbildung (z. B. als Sozialassistentin oder Kinderpfleger) oder alternativ Abitur/Fachhochschulreife mit entsprechenden Praktika
- Fachbereich Wirtschaft: kaufmännische Ausbildung und Berufspraxis
Einige Fachschulen führen zusätzlich Aufnahmegespräche durch oder verlangen bestimmte Notendurchschnitte im Berufsabschlusszeugnis.
So läuft die Weiterbildung an einer Fachschule ab
Die Weiterbildung an einer Fachschule kann in Vollzeit oder Teilzeit absolviert werden. In Vollzeitform dauert sie in der Regel zwei Jahre, in Teilzeit (berufsbegleitend) drei bis vier Jahre. Der Unterricht gliedert sich in verschiedene Lernbereiche:
- Der fachrichtungsübergreifende Bereich umfasst allgemeinbildende Fächer wie Mathematik, Deutsch, Englisch, Politik und Wirtschaft. Diese Fächer sind besonders wichtig, wenn parallel die Fachhochschulreife angestrebt wird.
- Der fachrichtungsbezogene Bereich vermittelt vertiefte theoretische und praktische Kenntnisse der jeweiligen Fachrichtung. Hier werden komplexe berufliche Aufgabenstellungen bearbeitet und Problemlösungskompetenzen entwickelt.
Ein zentraler Bestandteil ist die Projektarbeit, bei der die Lernenden eigenständig praxisnahe Aufgaben bearbeiten und präsentieren. Diese Projektarbeit fließt in die Abschlussprüfung ein und zeigt die Fähigkeit, komplexe berufliche Herausforderungen selbstständig zu bewältigen. Je nach Fachrichtung können auch Praktika vorgesehen sein, insbesondere im sozialpädagogischen Bereich, wo umfangreiche Praxisphasen in Kindertagesstätten oder anderen Einrichtungen integriert sind.
Kosten und Finanzierung des Fachschulbesuchs
Öffentliche Fachschulen erheben in der Regel kein Schulgeld. Allerdings können Kosten für Lernmittel, Arbeitsmaterialien, Prüfungsgebühren und Exkursionen anfallen. Private Fachschulen verlangen häufig Schulgebühren, deren Höhe je nach Träger und Fachrichtung variiert.
Für die Finanzierung der Weiterbildung können verschiedene Förderungen in Anspruch genommen werden. Bei Vollzeitmaßnahmen besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Aufstiegs-BAföG (ehemals Meister-BAföG), das als Zuschuss und zinsgünstiges Darlehen gewährt wird. Auch Förderungen durch die Bundesagentur für Arbeit können infrage kommen. Bei berufsbegleitenden Teilzeitformen ist eine Finanzierung oft durch das eigene Einkommen möglich.









