Kurz & knapp
- Ein schwächerer Realschulabschluss ist nicht das Ende des Bildungswegs: Wie einschränkend der Abschluss wirkt, hängt vom Notendurchschnitt, den Leistungen in Kernfächern und den weiteren Zielen von Schülerinnen und Schülern ab.
- Es gibt mehrere Wege zur Verbesserung oder zum Ausgleich: Dazu zählen die Wiederholung des Abschlussjahres, das Nachholen im zweiten Bildungsweg, der Einstieg in eine Ausbildung sowie der Erwerb des Mittleren Abschlusses über andere Schulformen oder Prüfungen.
- Beratung und frühe Planung sind besonders wichtig: Schulische Beratungsstellen und Berufsberatungen helfen Schülerinnen, Schülern und Erziehungsberechtigten dabei, passende Bildungswege, Fristen und konkrete Anschlussmöglichkeiten zu klären.
Was heißt überhaupt „schlechter Realschulabschluss“?
Zunächst einmal sollte geklärt werden, wie „schlecht“ der Abschluss konkret ist und welche Ziele der Schüler oder die Schülerin verfolgt. Ein Zeugnis mit einem Schnitt um 3,0 eröffnet natürlich andere Wege als ein Abschluss knapp über „ausreichend“ oder ein Nichtbestehen.
Wichtig sind vor allem der Gesamtdurchschnitt und die Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch. Ebenso bedeutsam ist die Zielsetzung: Möchte der Schüler oder die Schülerin zum Beispiel direkt eine Ausbildung aufnehmen, an eine weiterführende Schule wechseln oder die 10. Klasse wiederholen, um den Mittleren Abschluss zu stabilisieren? „Schlecht“ ist immer in Relation zu den Plänen der betroffenen Person zu betrachten.
Prüfungstraining für Mathematik
Kann man mit einer 5 in Mathe einen Realschulabschluss machen?
Eine Note 5 in Mathematik oder einem anderen Hauptfach schließt den Erwerb eines Realschulabschlusses (Mittleren Schulabschlusses) nicht grundsätzlich aus, da Ausgleichsregelungen in allen deutschen Bundesländern bestehen. Der Abschluss wird jedoch nur bei einem ausreichenden Gesamtdurchschnitt (meist 4,0 bis 4,4) und erfolgreichem Ausgleich der Note 5 durch bessere Leistungen in anderen Fächern vergeben.
Was kann ich tun, wenn ich einen schlechten Realschulabschluss habe?
Schlechte Noten am Ende der Realschule müssen kein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg eines jungen Menschen darstellen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Realschulabschluss zu verbessern, nachzuholen oder durch andere Bildungswege auszugleichen.
Gut zu wissen:
Übrigens fällt die Bezeichnung dieses Abschlusses je nach Bundesland und Schulform unterschiedlich aus: Er ist unter anderem als Mittlere Reife, Mittlerer Schulabschluss bzw. MSA, Fachoberschulreife oder Sekundarabschluss I bekannt.
1. Wiederholung des Abschlussjahres an der Schule
Ist der Realschulabschluss zwar bestanden, aber deutlich schwächer als erwartet, kann es sinnvoll sein, das Abschlussjahr zu wiederholen. Die konkrete Ausgestaltung ist in den Schulordnungen der einzelnen Bundesländer geregelt und kann je nach Land variieren.
Viele Bundesländer erlauben die Wiederholung einer Jahrgangsstufe oder des Abschlussjahres, allerdings nur begrenzt häufig und unter bestimmten Bedingungen. Bei Nichtbestehen ist in der Regel eine Wiederholung der Jahrgangsstufe möglich; teilweise bestehen zudem Chancen auf eine Nachprüfung, wenn nur einzelne Fächer ausschlaggebend sind.
2. Nachholen des Realschulabschlusses im zweiten Bildungsweg
Ist die Schulzeit an der Realschule schon länger beendet oder eine Wiederholung an der bisherigen Schule nicht mehr möglich, kann der Realschulabschluss im sogenannten zweiten Bildungsweg nachgeholt werden. Häufig nehmen junge Erwachsene und Berufstätige diese Möglichkeit in Anspruch.
Entsprechende Programme finden sich unter anderem an Abendschulen, Volkshochschulen, Berufsbildenden Schulen oder über staatlich anerkannte Fernlehrgänge. Für die Teilnahme wird meist ein bereits erreichter Schulabschluss (zum Beispiel Hauptschulabschluss) sowie ein Mindestalter vorausgesetzt. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich je nach Träger und Bundesland.
3. Einstieg in die duale Ausbildung mit schwachem Abschluss
Auch mit einem schwächeren Realschulabschluss bestehen Chancen auf einen Ausbildungsplatz, sofern Eignung und Motivation überzeugen. Betriebe achten neben den Noten häufig auf praktische Erfahrungen, Zuverlässigkeit und Sozialkompetenzen.
Nach erfolgreichem Abschluss einer anerkannten Berufsausbildung kann je nach Bundesland ein Mittlerer Schulabschluss nachträglich anerkannt werden. Voraussetzung sind meist ein bestimmter Notendurchschnitt, eine bestandene Kammerprüfung sowie ausreichende Kenntnisse in einer Fremdsprache, häufig Englisch.
4. Erwerb des Mittleren Abschlusses über andere Schulformen oder Prüfungen
In einigen Bundesländern besteht die Möglichkeit, den Mittleren Schulabschluss über spezielle Prüfungen oder bestimmte Bildungsgänge an weiteren Schulformen zu erwerben. Das eröffnet zusätzlichen Spielraum, einen schwächeren Abschluss zu verbessern oder auszugleichen.
So gibt es in mehreren Ländern sogenannte Nichtschüler- oder Externenprüfungen, mit denen Interessierte einen Mittleren Abschluss nachträglich erwerben können. Darüber hinaus führen bestimmte Bildungsgänge an Berufsfachschulen oder Berufskollegs ebenfalls zum Mittleren Schulabschluss, wenn sie erfolgreich absolviert werden.
Organisatorische Schritte und Beratung
Damit ein schwächerer Realschulabschluss nicht zu langfristigen Nachteilen führt, ist ein strukturiertes Vorgehen wichtig. Es gibt verschiedene Beratungsangebote für Erziehungsberechtigte sowie Schülerinnen und Schüler:
- Schulische Beratungsdienste, Beratungslehrkräfte und Schulleitungen informieren zu Wiederholungsregelungen, Übergängen und alternativen Bildungsgängen.
- Berufsberatungen, etwa bei den Agenturen für Arbeit oder Jugendberufsagenturen, geben einen Überblick über Ausbildungswege, weiterführende Schulen sowie Fristen für Anmeldungen und Prüfungen.









