Kurz & knapp
- Das Fachabitur eröffnet nach dem Realschulabschluss den Zugang zur Fachhochschule: Die Fachhochschulreife ist Voraussetzung für ein Studium an Fachhochschulen und kann in manchen Bundesländern unter bestimmten Bedingungen auch den Zugang zu Universitäten ermöglichen.
- Die Fachoberschule ist der klassische Weg zum Fachabitur: Schülerinnen und Schüler erwerben die Fachhochschulreife meist über die Fachoberschule, die in der Regel zwei Jahre dauert und schulische Inhalte mit einem gelenkten Praktikum verbindet.
- Auch ohne Q-Vermerk gibt es mehrere Wege zur Fachhochschulreife: Neben der Fachoberschule kommen je nach Bundesland und Lebenssituation auch Berufsoberschule, Berufskolleg, duale Ausbildung mit Zusatzqualifikation sowie Angebote des zweiten Bildungswegs infrage.
Warum brauche ich das Fachabitur?
Wer mit einem Realschulabschluss ein Studium an einer Fachhochschule anstrebt, muss zuvor die Fachhochschulreife erwerben – also das Fachabitur machen. Dieser Abschluss ist die Voraussetzung für die Zulassung an einer Fachhochschule. In manchen Bundesländern können die Absolventinnen und Absolventen mit dem Fachabitur auch eine Universität besuchen.
Übrigens: Das Fachabitur kann zwei Formen haben, nämlich die Fachhochschulreife (berechtigt zum Studium an Fachhochschulen) und die fachgebundene Hochschulreife (unter Umständen auch für universitäre Studiengänge, aber nur in bestimmten Fächern). Dieser Text bezieht sich auf die Fachhochschulreife.
Der klassische Weg zum Fachabitur mit Mittlerer Reife: die Fachoberschule (FOS)
Die Fachoberschule ist der häufigste Weg zum Fachabitur nach dem Realschulabschluss (auch Mittlere Reife oder Mittlerer Schulabschluss bzw. MSA genannt). Die FOS dauert in der Regel zwei Jahre und gliedert sich in die Klassenstufen 11 und 12. In der 11. Klasse absolvieren die Schülerinnen und Schüler ein ganzjähriges gelenktes Praktikum, das durch Unterricht begleitet wird. Die 12. Klasse ist rein schulisch und endet mit der Fachhochschulreifeprüfung.
Viele FOS-Zweige haben berufliche Schwerpunkte (z. B. Wirtschaft, Technik, Sozialwesen, Gestaltung), was natürlich die Wahl der Schule beeinflusst. Voraussetzung für die Aufnahme an einer Fachoberschule ist der Realschulabschluss oder ein gleichwertiger Mittlerer Bildungsabschluss. Einige Bundesländer verlangen für die Aufnahme an die FOS einen bestimmten Notendurchschnitt, etwa 3,5 in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch.
Fachabitur mit Realschulabschluss ohne Qualifikation
Ein häufiges Missverständnis betrifft den sogenannten Qualifikationsvermerk (Q-Vermerk) der Realschule. Dieser berechtigt zum Besuch der gymnasialen Oberstufe und wird bei besonders guten Noten vergeben. Die gute Nachricht: Für den Besuch einer Fachoberschule ist dieser Qualifikationsvermerk in der Regel nicht erforderlich. Der Zugang zur FOS steht auch mit einem Realschulabschluss ohne Q-Vermerk offen – vorausgesetzt, die geforderten Notenvoraussetzungen werden erfüllt.
Alternative Wege zur Fachhochschulreife
Neben der klassischen Fachoberschule gibt es weitere Möglichkeiten, das Fachabitur nach der Mittleren Reife zu erlangen:
- Berufsoberschule (BOS): Wer bereits eine einschlägige abgeschlossene Berufsausbildung und ggf. Berufserfahrung hat, kann die Berufsoberschule besuchen. Mit Realschulabschluss ist ein direkter Einstieg in die 12. Klasse möglich – so können die Lernenden die Fachhochschulreife in nur einem Jahr erreichen.
- Berufskolleg: In Baden-Württemberg und (auf etwas andere Art) auch in Nordrhein-Westfalen führt das Berufskolleg zum Erwerb der Fachhochschulreife (BKFH), da es dort die FOS als Schulform nicht gibt.
- Duale Ausbildung mit Zusatzqualifikation: Während einer mindestens dreijährigen dualen Berufsausbildung kann durch Zusatzunterricht und eine Prüfung die Fachhochschulreife erworben werden.
- Zweiter Bildungsweg: Abendschulen, Kollegs oder Fernlehrgänge bieten die Möglichkeit, das Fachabitur berufsbegleitend nachzuholen.
Regionale Unterschiede beachten
Da Bildung in Deutschland Ländersache ist, unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen und Bezeichnungen je nach Bundesland. In Brandenburg beispielsweise gibt es den Begriff „Fachabitur“ offiziell nicht – hier wird zwischen Fachhochschulreife und Abitur unterschieden. Besonders ist dort, dass mit der Fachhochschulreife auch ein Universitätsstudium möglich ist. Auch in Niedersachsen und Hessen können Inhaberinnen und Inhaber der Fachhochschulreife unter bestimmten Voraussetzungen an Universitäten studieren.
Praktische Hinweise
Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem praktischen Teil. Als praktischer Teil wird in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein gelenktes Praktikum anerkannt. Vor der Entscheidung für einen bestimmten Bildungsweg empfiehlt es sich, die konkreten Anforderungen bei der zuständigen Schule oder Bezirksregierung zu erfragen, da die Regelungen je nach Bundesland variieren können.
Tipp: Was Absolventinnen und Absolventen nach der Schule außer dem Fachabi noch machen können, steht in unserem Ratgeber zu Beruflicher Bildung.



