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Ausbildung in der Pflege
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Expertenstandards in der Pflege

Was sie sind, wie viele es gibt und warum sie zählen

Qualität in der Pflege ist kein Zufallsprodukt. Sie entsteht dort, wo Fachkräfte nach dem aktuellen Stand der Pflegewissenschaft handeln – systematisch, nachvollziehbar und einrichtungsübergreifend. Genau darum gibt es die Expertenstandards in der Pflege.

Das Wichtigste in Kürze

  • Expertenstandards sichern die Pflegequalität: Expertenstandards in der Pflege beschreiben wissenschaftlich begründete Anforderungen an zentrale pflegerische Aufgaben und schaffen einen einheitlichen Orientierungsrahmen für unterschiedliche Versorgungsbereiche.
  • Struktur, Prozess und Ergebnis bilden den Aufbau: Jeder Expertenstandard legt fest, welche fachlichen und organisatorischen Voraussetzungen benötigt werden, wie Pflegefachkräfte handeln sollen und welches Ergebnis für die pflegebedürftige Person angestrebt wird.
  • Expertenstandards prägen Ausbildung und Praxis: Auszubildende lernen, Risiken einzuschätzen, Maßnahmen fachlich zu begründen, Pflegeprozesse zu dokumentieren und die Wirksamkeit pflegerischer Interventionen anhand anerkannter Qualitätsstandards zu überprüfen.

Was sind Expertenstandards in der Pflege?

Expertenstandards in der Pflege sind evidenzbasierte Qualitätsinstrumente, entwickelt vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) mit Sitz an der Hochschule Osnabrück. Sie definieren konkrete Ziele, erforderliche Strukturen, Pflegeprozesse und messbare Ergebnisse für zentrale pflegerische Problemfelder, etwa Dekubitusprophylaxe, Schmerzmanagement oder Sturzprophylaxe.

Einfacher ausgedrückt: Expertenstandards beschreiben, was gute Pflege in einem bestimmten Themenbereich ausmacht – und zwar auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, nicht nach dem Ermessen einzelner Einrichtungen oder Pflegepersonen. Sie bündeln das aktuelle Wissen der Pflegewissenschaft und übersetzen es in einen Rahmen für die Praxis, also beispielsweise für ambulante Pflegedienste, stationäre Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäuser.

Wichtig: Expertenstandards für die Pflege sind keine Schritt-für-Schritt-Anweisungen. Sie beschreiben die Mindestanforderungen an Struktur, Prozess und Ergebnis. Jede Einrichtung ist selbst dafür verantwortlich, wie sie den vorgegebenen Rahmen ausfüllt.

Sind die Expertenstandards in der Pflege rechtlich bindend?

Ab 2008 sah § 113a SGB XI vor, dass bestimmte Expertenstandards nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger für alle zugelassenen Pflegeeinrichtungen verbindlich sein sollten. Da diese Veröffentlichung jedoch nicht erfolgt ist und § 113a inzwischen wieder aufgehoben wurde (Stand: Juli 2026), sind die DNQP-Expertenstandards nicht im Sinne einer unmittelbaren gesetzlichen Verbindlichkeit für alle Einrichtungen vorgeschrieben, sondern werden als fachlicher Standard und Prüfmaßstab genutzt. Der Medizinische Dienst (MD) kontrolliert im Rahmen seiner regulären Qualitätsprüfungen, ob und wie die Standards umgesetzt werden.


Wie viele Expertenstandards gibt es in der Pflege?

Stand 2026 und laut der Website des DNQP gibt es aktuell 10 Expertenstandards für die Pflege. Der Expertinnenstandard zur Förderung der physiologischen Geburt richtet sich ausschließlich an Hebammen und ist nicht für die klassische Alten- und Krankenpflege relevant.

Hier sind alle 10 Expertenstandards der Pflege vom DNQP in der Übersicht:

  1. Dekubitusprophylaxe in der Pflege: Prävention von Druckgeschwüren bei gefährdeten Patientinnen und Patienten
  2. Entlassungsmanagement in der Pflege: Sicherstellung einer lückenlosen Weiterversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt
  3. Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten und chronischen Schmerzen: Erkennung, Einschätzung und Behandlung akuter Schmerzzustände sowie Umgang mit dauerhaften Schmerzzuständen und Sicherung der Lebensqualität
  4. Sturzprophylaxe in der Pflege: Prävention von Stürzen und sturzbedingten Verletzungen
  5. Kontinenzförderung in der Pflege: Erhaltung und Wiederherstellung der Harn- und Stuhlkontinenz
  6. Pflege von Menschen mit chronischen Wunden: Wundmanagement und -versorgung bei chronischen Wundheilungsstörungen
  7. Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege: Prävention und Behandlung von Mangelernährung
  8. Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz: personzentrierte Pflege und Beziehungsqualität bei Demenzerkrankungen
  9. Förderung der Mundgesundheit in der Pflege: Mundhygiene und Mundgesundheit als pflegerische Aufgabe
  10. Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege: Schutz der Haut und Prävention von Hautschäden

Der Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege (Erhaltung der Bewegungsfähigkeit und Prävention von Immobilität) wurde bereits 2014 entwickelt, die Einführung ist jedoch laut der Website des Medizinischen Dienstes freiwillig.

Zu beachten: Häufig findet sich im Internet eine Liste mit 13 Expertenstandards für die Pflege, doch die Seite des DNQP führt nur 10 auf. Der Standard „Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten und chronischen Schmerzen“ war früher zweigeteilt. Die „Erhaltung und Förderung der Mobilität“ ist, wie beschrieben, nicht oder noch nicht offiziell Teil der Expertenstandards. Als weiterer Standard wird oft „Förderung der Vitalzeichenmessung in der Pflege“ genannt, darüber finden sich beim DNQP jedoch keine Informationen. Jüngeren Quellen zufolge sind Standards für Delirprävention und Multimedikation in Arbeit.

Wie ist ein Expertenstandard aufgebaut?

Jeder Expertenstandard in der Pflege unterscheidet drei qualitative Aspekte:

  • Strukturqualität beschreibt die Voraussetzungen: Welche fachliche Qualifikation wird erwartet? Welche organisatorischen Rahmenbedingungen, Ressourcen und Materialien sind erforderlich?
  • Prozessqualität definiert, was die Pflegefachkraft selbst tut – beispielsweise Risiken einschätzen, Maßnahmen planen und dokumentieren.
  • Ergebnisqualität beschreibt das angestrebte Ziel aus der Sicht der pflegebedürftigen Person, formuliert als messbarer Zielzustand.

Dieser dreigliedrige Aufbau macht die Expertenstandards übersichtlich und prüfbar.


Expertenstandards in der Pflegeausbildung

Expertenstandards sind ein wesentlicher Bestandteil der Pflegeausbildung. Mit der Einführung des Pflegeberufegesetzes (PflBG) im Jahr 2020 wurde die Ausbildung zur Pflegefachkraft grundlegend reformiert und stärker an pflegewissenschaftlichen Grundlagen ausgerichtet.

In der schulischen Ausbildung begegnen Auszubildende den Expertenstandards in der Pflege als Grundlage für das Verständnis von Qualitätssicherung. Sie lernen, was evidenzbasierte Pflege bedeutet, wie Standards entwickelt werden und warum das Handeln nach anerkannten Leitlinien sowohl für die pflegebedürftige Person als auch für die Pflegefachkraft selbst von Bedeutung ist.

In der praktischen Ausbildung erleben Auszubildende die Umsetzung der Expertenstandards. Sie führen Risikoassessments durch, dokumentieren Maßnahmen und beobachten, wie erfahrene Pflegefachkräfte die Vorgaben der Standards in den Pflegealltag integrieren.

Für Prüfungen und Kompetenzentwicklung sind Expertenstandards ebenfalls relevant. In schriftlichen und mündlichen Prüfungen werden Auszubildende dazu aufgefordert, pflegerische Situationen auf der Grundlage von Expertenstandards zu beurteilen und Maßnahmen zu begründen.

Lehrkräfte an Pflegeschulen stehen vor der Aufgabe, die zum Teil abstrakt formulierten Standardtexte didaktisch aufzubereiten und für Auszubildende greifbar zu machen. Fallbeispiele, Simulationen und Übungen zur Pflegeplanung sind bewährte Methoden, um die Inhalte der Expertenstandards lebendig werden zu lassen.

Tipp: Das bewährte Lehrwerk Pflegias enthält alle notwendigen Informationen über die Expertenstandards in der Pflege. Die Lerninhalte sind passgenau auf die Anforderungen der generalistischen Pflegeausbildung zugeschnitten. Die wissenschaftlich fundierten Standards (wie Dekubitusprophylaxe, Sturzprävention, Schmerzmanagement oder Beziehungsgestaltung bei Demenz) werden theorie- und praxisnah aufbereitet.

Weitere Fragen

Warum sind Expertenstandards in der Pflege wichtig? 

Expertenstandards unterstützen Pflegefachkräfte dabei, pflegerische Maßnahmen nach aktuellem wissenschaftlichem Wissen umzusetzen. Sie fördern eine einheitliche Pflegequalität und helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Wie sind Expertenstandards aufgebaut? 

Expertenstandards bestehen aus Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Sie legen fest, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie Pflegefachkräfte handeln sollen und welche Ergebnisse für pflegebedürftige Menschen erreicht werden sollen.