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Ausbildung in der Pflege
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Mobilisation in der Pflege

Ziele, Methoden und Hilfsmittel

Wer im Pflegebereich arbeitet oder ein Familienmitglied zu Hause betreut, begegnet früher oder später dem Begriff Mobilisation. Doch was bedeutet Mobilisation in der Pflege eigentlich genau? Warum ist sie wichtig und wie sieht sie im Alltag aus? Dieser Beitrag klärt auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mobilisation erhält und fördert Bewegungsfähigkeit: Mobilisation in der Pflege umfasst aktive und passive Maßnahmen, die Beweglichkeit, Muskelkraft, Gelenkfunktion und Selbstständigkeit pflegebedürftiger Menschen erhalten, verbessern oder wiederherstellen.
  • Bewegung beugt gesundheitlichen Folgen vor: Regelmäßige Mobilisation kann das Risiko für Dekubitus, Thrombosen, Pneumonien, Kontrakturen und Stürze senken. Gleichzeitig unterstützt sie die Durchblutung, den Stoffwechsel und das psychische Wohlbefinden.
  • Individuelle Planung und sichere Durchführung sind entscheidend: Mobilisationsmaßnahmen richten sich nach den Ressourcen, Einschränkungen und Pflegezielen der betroffenen Person. Pflegefachkräfte nutzen geeignete Hilfsmittel, fördern Eigenaktivität und achten auf eine ergonomische sowie rückenschonende Arbeitsweise.

Was ist Mobilisation in der Pflege?

Unter Mobilisation versteht man alle pflegerischen Maßnahmen, die darauf abzielen, die Bewegungsfähigkeit eines Menschen zu erhalten, wiederherzustellen oder zu verbessern. Sie umfasst sowohl aktive als auch passive Bewegungsübungen und reicht vom einfachen Lagewechsel im Bett bis zur Unterstützung beim Gehen. Mobilisation ist damit ein zentrales Element ganzheitlicher Pflege und eng verknüpft mit dem Wohlbefinden, der Würde und der Selbstständigkeit pflegebedürftiger Menschen.

Ziele der Mobilisation in der Pflege

Warum sollte im Rahmen der Pflege die Mobilität des pflegebedürftigen Menschen gefördert werden? Die Antwort ist einfach: Wer beweglich ist, kann vieles selbst tun – und das soll so lange wie möglich so bleiben.

Die Ziele der Mobilisation in der Pflege gehen über die rein körperlichen Aspekte hinaus, denn mobil zu sein, ist auch für die Psyche wichtig. Im Mittelpunkt steht die Lebensqualität der pflegebedürftigen Person.

Körperliche Ziele:

  • Vorbeugung von Komplikationen: Bewegungsmangel kann zu Dekubitus (Druckgeschwüren), Thrombosen, Pneumonien und Kontrakturen führen. Regelmäßiges Mobilisieren in der Pflege beugt vor.
  • Erhalt der Muskelkraft und Gelenkbeweglichkeit: Muskeln, die nicht genutzt werden, bauen sich rasch ab. Gezielte Bewegungsübungen erhalten die vorhandene Kraft und Flexibilität.
  • Förderung der Durchblutung und des Stoffwechsels: Bewegung regt den Kreislauf an und unterstützt lebenswichtige Körperfunktionen.
  • Sturzprophylaxe: Wer regelmäßig mobilisiert wird, trainiert gleichzeitig Balance und Koordination und senkt damit das Sturzrisiko.

Psychosoziale Ziele:

  • Stärkung des Selbstwertgefühls: Wer sich eigenständig bewegen kann, erlebt sich als handlungsfähig und selbstbestimmt.
  • Förderung sozialer Teilhabe: Mobilität ermöglicht es, am Alltag teilzunehmen, sei es beim gemeinsamen Mittagessen, einem Spaziergang oder dem Besuch von Angehörigen.
  • Minderung von Angst und Depression: Körperliche Aktivität hat nachweislich positive Auswirkungen auf die Stimmung und das psychische Wohlbefinden.

Mobilisation in der Pflege – Beispiele aus dem Alltag

Konkrete Mobilisation in der Pflege sieht je nach Zustand und Ressourcen der pflegebedürftigen Person sehr unterschiedlich aus. Die folgenden Beispiele zeigen die Bandbreite möglicher Maßnahmen:

  • Lagerungswechsel im Bett: Bei bettlägerigen Personen wird die Körperposition regelmäßig verändert, um Druckstellen zu vermeiden und die Durchblutung anzuregen.
  • Transfer vom Bett in den Rollstuhl: Mit gezielter Anleitung und geeigneten Hilfsmitteln wird die pflegebedürftige Person beim Aufstehen und Umsetzen unterstützt.
  • Gehübungen: Kurze Gehstrecken – zunächst mit Unterstützung, später zunehmend selbstständig – stärken die Beinmuskulatur und fördern die Koordination.
  • Passive Bewegungsübungen: Bei Personen, die keine eigene Muskelkraft aufbringen können, führen Pflegefachkräfte die Bewegungen behutsam durch, um Kontrakturen zu verhindern.
  • Alltagsintegrierte Mobilisation: Das Anziehen, Waschen oder das Greifen nach einem Glas Wasser sind kleine, aber wertvolle Bewegungsmomente, die gezielt gefördert werden.

Hilfsmittel zur Mobilisation in der Pflege

Damit Mobilisation sicher und schonend – für Pflegebedürftige wie für Pflegende – gelingt, stehen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung.

Gängige Hilfsmittel im Überblick:

  • Rutschbrett/Gleithilfe: Transfer zwischen Bett und Rollstuhl
  • Stehbrett/Stehpflegebett: aufrechte Positionierung bei bettlägerigen Personen
  • Rollator: Unterstützung beim Gehen
  • Hebegurt/Lifter: sicheres Umlagern bei eingeschränkter Mobilität
  • Antirutschsocken: Sturzprophylaxe beim Gehen
  • Lagerungskissen und -rollen: Druckentlastung und Positionierung im Bett
  • Haltegriffe und Badehilfen: Sicherheit im Sanitärbereich

Die Auswahl des richtigen Hilfsmittels richtet sich stets nach dem individuellen Bedarf, dem Pflegeziel und den räumlichen Gegebenheiten. Pflege- und Therapiefachkräfte beraten gemeinsam, welche Unterstützung sinnvoll ist.

Mobilisation in der Pflegeausbildung

Das Thema Mobilität in der Pflege nimmt bereits in der Ausbildung einen hohen Stellenwert ein. Im Rahmen der generalistischen Pflegeausbildung, die seit 2020 in Deutschland gilt, lernen die angehenden Fachkräfte unter anderem:

  • Theoretische Grundlagen: Anatomie und Physiologie des Bewegungsapparates, Pathophysiologie von Immobilität, Pflegemodelle und -konzepte wie das Bobath-Konzept oder die kinästhetische Mobilisation.
  • Praktische Übungen: In Simulationsräumen üben Auszubildende Transfers, Lagerungstechniken und den Umgang mit Hilfsmitteln – zunächst an Übungspuppen, später unter Anleitung in der Praxis.
  • Rückenschulgerechtes Arbeiten: Ein zentraler Aspekt der Ausbildung ist der Eigenschutz. Pflegende lernen, wie sie Mobilisationsmaßnahmen ergonomisch und rückenschonend durchführen, um Berufserkrankungen vorzubeugen.
  • Kommunikation und Aktivierung: Mobilisieren ist immer auch ein kommunikativer Akt. Auszubildende lernen, wie sie pflegebedürftige Menschen motivieren, erklären, was sie tun, und auf Widerstände oder Ängste einfühlsam eingehen.

In der praktischen Ausbildung – also in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder ambulanten Diensten – vertiefen Auszubildende ihr Wissen durch direkte Erfahrung.

Weitere Fragen

Was sind die Grundsätze der Mobilisation?

Zu den Grundsätzen der Mobilisation gehören die Förderung der Eigenaktivität, die Orientierung an den individuellen Fähigkeiten und die sichere Durchführung aller Bewegungsmaßnahmen. Pflegebedürftige Menschen sollen so viel wie möglich selbst übernehmen und nur so viel Unterstützung wie nötig erhalten. Die Mobilisation in der Pflege muss schrittweise, verständlich erklärt und an den aktuellen Gesundheitszustand angepasst werden. Dabei sind geeignete Hilfsmittel, Sturzprävention und rückenschonendes Arbeiten zu berücksichtigen.

Welche Hilfsmittel werden zur Mobilisation eingesetzt?

Zur Mobilisation werden je nach Bedarf Hilfsmittel wie Rollatoren, Rutschbretter, Gleithilfen, Hebelifter, Stehbretter oder Lagerungskissen eingesetzt. Sie unterstützen eine sichere und möglichst selbstständige Bewegung und entlasten zugleich die Pflegekräfte.