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Ausbildung in der Pflege
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Grundlagen, Maßnahmen und Ausbildung

Druckgeschwüre gehören zu den häufigsten und zugleich vermeidbarsten Komplikationen in der pflegerischen Versorgung. Aus gutem Grund ist die Dekubitusprophylaxe schon früh Thema in der Pflegeausbildung: Professionelles Handeln verhindert, dass ein Dekubitus überhaupt erst entsteht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dekubitusprophylaxe verhindert Druckgeschwüre: Sie umfasst alle pflegerischen Maßnahmen, die anhaltenden Druck und Scherkräfte reduzieren, gefährdete Hautstellen schützen und die Entstehung eines Dekubitus vermeiden.
  • Risikoeinschätzung und Bewegungsförderung sind zentral: Pflegefachkräfte erfassen das individuelle Dekubitusrisiko frühzeitig, fördern die Eigenbewegung und planen bei Bedarf gezielte Lagerungs- und Druckentlastungsmaßnahmen.
  • Dekubitusprophylaxe ist ein kontinuierlicher Pflegeprozess: Wirksame Maßnahmen werden individuell geplant, dokumentiert, regelmäßig überprüft und an Veränderungen des Gesundheitszustands angepasst.

Was ist Dekubitusprophylaxe – und warum ist sie so wichtig?

Ein Dekubitus (umgangssprachlich: Druckgeschwür oder Wundliegen) entsteht, wenn anhaltender Druck oder Scherkräfte die Durchblutung bestimmter Hautareale unterbrechen. Besonders gefährdet sind knöcherne Vorsprünge wie Steißbein, Fersen, Schulterblätter oder Hüftknochen. Dekubitus kann überall dort entstehen, wo Körpergewicht auf eine begrenzte Fläche trifft. Betroffen sind vor allem Menschen mit eingeschränkter Mobilität, etwa nach Operationen, bei schwerer Erkrankung oder im hohen Alter.

Dekubitusprophylaxe bezeichnet alle pflegerischen Maßnahmen, die darauf abzielen, die Entstehung eines Dekubitus zu verhindern. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) definiert die Dekubitusprophylaxe als pflegefachliche Kernaufgabe – und macht damit deutlich: Die Prävention ist keine Zusatzleistung, sondern integraler Bestandteil professioneller Pflege.

Die Bedeutung für den Pflegealltag ist enorm: Dekubitus verursacht nicht nur erhebliches Leid bei den Betroffenen, sondern führt zu längeren Krankenhausaufenthalten, erhöhtem Pflegeaufwand und hohen Behandlungskosten. Studien zeigen, dass ein Großteil aller Druckgeschwüre durch konsequente Prophylaxe vermeidbar wäre.

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Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe: verbindlicher Rahmen für die Praxis

Grundlage für alle pflegefachlichen Entscheidungen ist der vom DNQP herausgegebene Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Er wurde 1998 als erster Expertenstandard überhaupt entwickelt und zuletzt 2017 in einer zweiten Aktualisierung überarbeitet. Eine dritte Aktualisierung ist für Anfang 2027 angekündigt.

Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe beschreibt Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien, die in allen Versorgungsbereichen gelten – ambulant, stationär und in der Langzeitpflege. Er orientiert sich an der Logik des Pflegeprozesses und gibt klare Vorgaben für:

  • die systematische Risikoeinschätzung bei Aufnahme und im Verlauf
  • die Information, Schulung und Beratung von Pflegebedürftigen und Angehörigen
  • die Bewegungsförderung als zentrale präventive Maßnahme
  • die Druckentlastung und -verteilung durch Lagerung und Hilfsmittel
  • die Kontinuität und Evaluation aller prophylaktischen Maßnahmen

Über das DNQP ist der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe als PDF mit übersichtlicher Tabelle erhältlich und dient Pflegeeinrichtungen als verbindliche Orientierung für die Qualitätssicherung. Im Unterricht für angehende Pflegekräfte eignet sich der Expertenstandard besonders gut als Arbeitsgrundlage: Der tabellarische Überblick über Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien lässt sich hervorragend nutzen, um mit Auszubildenden konkrete Pflegesituationen zu analysieren und Handlungsschritte abzuleiten.

Fit für die Prüfung 

Wann kommt Dekubitusprophylaxe in der Pflegeausbildung dran?

In der generalistischen Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz (PflBG) ist die Dekubitusprophylaxe kein isoliertes Thema, sondern durchzieht die gesamte Ausbildung. Erste Berührungspunkte entstehen bereits im ersten Ausbildungsjahr, wenn grundlegende Pflegehandlungen, Anatomie der Haut und Grundlagen der Pflegeplanung thematisiert werden.

Im weiteren Verlauf vertiefen die Auszubildenden ihr Wissen in Einheiten, die sich mit der Pflege von Menschen mit eingeschränkter Mobilität, mit chronischen Wunden und mit der Anwendung von Expertenstandards befassen. Dabei wird nicht nur Fachwissen vermittelt: Die Auszubildenden lernen, Risiken systematisch einzuschätzen, Pflegemaßnahmen zu planen, durchzuführen und zu evaluieren – und dabei den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen.

In der Praxis begegnen Auszubildende dem Thema häufig sehr früh: Ein bettlägeriger Patient auf der Inneren Station, eine pflegebedürftige ältere Person im Pflegeheim – Dekubitusprophylaxe ist Alltag in nahezu jedem Versorgungsbereich.

Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe: Was die Pflege tun kann

Die Pflegemaßnahmen zur Dekubitusprophylaxe umfassen mehrere Handlungsfelder:

  • Risikoeinschätzung: Eine strukturierte Einschätzung des individuellen Risikos, etwa mit der Braden- oder Norton-Skala, sollte idealerweise direkt bei der Aufnahme stattfinden.
  • Lagerung und Positionierung: Regelmäßige Umlagerung, 30-Grad-Schräglagerung oder Freilagerung der Fersen entlasten gefährdete Körperstellen; die Dekubitusprophylaxe durch Lagerung gehört zu den wirksamsten Maßnahmen in der Pflege.
  • Bewegungsförderung: Aktivierende Pflege hat Vorrang vor passiver Lagerung – Eigenbewegung stärkt zugleich Selbstständigkeit und Würde.
  • Hilfsmittel: Wechseldruckmatratzen, Weichlagerungssysteme oder Fersenschutzschuhe ergänzen die pflegerischen Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe.
  • Hautpflege und Ernährung: Regelmäßige Hautinspektion, schonende Reinigung sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr und proteinreiche Kost beugen Gewebeschäden vor.
  • Beratung von Angehörigen: Besonders in der häuslichen Versorgung sind Schulung und Einbindung der Bezugspersonen entscheidend.

Ein Beispiel aus dem Pflegealltag: Frau M., 81 Jahre, wird nach einer Hüft-OP mit hohem Dekubitusrisiko auf die Pflegestation verlegt. Sofort werden ein Wechseldrucksystem installiert, ein individueller Lagerungsplan erstellt und die Fersen freigelagert. Die zuständige Pflegefachkraft weist den Sohn in grundlegende Lagerungstechniken ein, alle Maßnahmen werden in der Pflegedokumentation festgehalten und täglich evaluiert. Ein typisches Beispiel dafür, dass Dekubitusprophylaxe kein Einzelakt ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess – und sie erfordert Teamarbeit.

Tipp: Wer das Thema Dekubitusprophylaxe in der Ausbildung fundiert aufbereiten möchte, findet im Lehrwerk Pflegias von Cornelsen eine lehrplankonforme und praxisnahe Grundlage – mit Theorie-Praxis-Transfer, Kompetenz-Checks und integrierten Lernvideos zu Pflegeinterventionen.

Weitere Fragen

Was ist ein Dekubitus?

Ein Dekubitus ist eine Schädigung von Haut und darunterliegendem Gewebe, die durch anhaltenden Druck oder Scherkräfte entsteht. Besonders gefährdet sind Körperstellen über knöchernen Vorsprüngen wie Fersen, Hüfte oder Steißbein. Menschen mit eingeschränkter Mobilität haben ein erhöhtes Risiko. Ziel der Dekubitusprophylaxe ist es, die Entstehung solcher Druckgeschwüre zu verhindern.

Welche Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe gibt es?

Vier zentrale Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe sind die Risikoeinschätzung, die Bewegungsförderung, die Druckentlastung durch geeignete Lagerung und der Einsatz druckverteilender Hilfsmittel. Ergänzend sind regelmäßige Hautkontrollen, eine schonende Hautpflege sowie eine ausreichende Flüssigkeits- und Nährstoffversorgung wichtig. Die Maßnahmen müssen an die Mobilität, den Gesundheitszustand und die individuellen Risiken der pflegebedürftigen Person angepasst werden. Besonders wirksam ist die Kombination mehrerer Maßnahmen.

Was tut die Pflegefachkraft, um die Dekubitusprophylaxe zu planen?

Die Pflegefachkraft schätzt zunächst das individuelle Dekubitusrisiko ein und untersucht gefährdete Hautstellen. Anschließend plant sie geeignete Maßnahmen zur Bewegungsförderung, Lagerung, Druckentlastung, Hautpflege und zum Einsatz von Hilfsmitteln. Dabei berücksichtigt sie die Fähigkeiten, Wünsche und gesundheitlichen Einschränkungen der pflegebedürftigen Person. Die geplante Dekubitusprophylaxe wird dokumentiert, regelmäßig überprüft und bei Veränderungen angepasst.

Welche Risikofaktoren gibt es für Dekubitus?

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Dekubitus gehören eingeschränkte Mobilität, anhaltender Druck, Scherkräfte und ein verminderter Allgemeinzustand. Auch hohes Alter, Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel, Inkontinenz, Durchblutungsstörungen und eine eingeschränkte Wahrnehmung können das Risiko erhöhen. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich nicht selbstständig umlagern oder Druckstellen nicht rechtzeitig wahrnehmen können. Eine frühzeitige Risikoeinschätzung ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Dekubitusprophylaxe.