Das Wichtigste in Kürze
- Qualitätssicherung und Pflegeplanung: Die Pflegevisite ist ein strukturierter Gesprächs- und Beobachtungstermin, bei dem Pflegebedarf, Pflegeziele und die Zufriedenheit der pflegebedürftigen Person überprüft werden.
- Wichtiger Bestandteil der Pflegeausbildung: Auszubildende lernen im Rahmen von Pflegevisiten Gesprächsführung, Beobachtung und fachliche Beurteilung. Schrittweise übernehmen sie dabei zunehmend Verantwortung.
- Strukturierter Ablauf: Eine Pflegevisite umfasst Vorbereitung, Durchführung, Dokumentation und Nachbereitung. Die Ergebnisse fließen direkt in die weitere Pflegeplanung ein.
Was ist eine Pflegevisite? Definition und Grundlagen
Die Pflegevisite ist ein geplanter Gesprächs- und Beobachtungstermin, bei dem mindestens eine Pflegefachkraft gemeinsam mit der zu pflegenden Person (und ggf. Angehörigen) den aktuellen Pflegebedarf, die Pflegeziele und die Zufriedenheit mit den Pflegemaßnahmen systematisch überprüft. Gleichzeitig wird die Pflegedokumentation kontrolliert und bei Bedarf angepasst.
Als Instrument des Qualitätsmanagements ist die Pflegevisite in stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen und Krankenhäusern fest verankert. Typischerweise sind zwei Pflegefachkräfte beteiligt: eine, die die Visite leitet, und eine, die beobachtet und dokumentiert. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die Arbeit einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kontrollieren. Die Pflegevisite dient dazu, den Pflegeprozess als Ganzes im Blick zu behalten.
Die Pflegevisite in der Ausbildung
In der generalistischen Pflegeausbildung begegnet Auszubildenden das Thema Pflegevisite spätestens im zweiten Ausbildungsjahr – häufig im Kontext von Pflegeprozess, Qualitätsmanagement und Pflegedokumentation. Praktische Einsätze in stationären Einrichtungen bieten die Gelegenheit, Pflegevisiten live zu erleben und schrittweise selbst daran mitzuwirken.
Lehrende nutzen die Pflegevisite als Anleitungssituation: Auszubildende beobachten zunächst, übernehmen dann einzelne Gesprächsanteile und reflektieren anschließend gemeinsam mit der anleitenden Person. So werden Kompetenzen wie Gesprächsführung, Beobachtungsgabe und fachliche Urteilsfähigkeit gezielt gefördert.
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Ablauf einer Pflegevisite
Eine strukturierte Pflegevisite umfasst in der Regel diese Phasen:
- Vorbereitung: Sichtung der Pflegedokumentation, Festlegung der Gesprächsziele, Information der zu pflegenden Person
- Durchführung: Gespräch am Bett, Beobachtung des Allgemeinzustands (z. B. Haut, Haare, Mobilität), Überprüfung der Pflegemaßnahmen
- Dokumentation: Festhalten der Ergebnisse, Anpassung des Pflegeplans
- Nachbereitung: Besprechung im Team, Ableitung konkreter Maßnahmen
Eine Pflegevisite-Checkliste hilft dabei, keinen Aspekt zu vergessen. Sie umfasst typischerweise Punkte wie Ernährungszustand, Hautbild, Haarpflege, Mobilität, Schmerzempfinden, Medikamenteneinnahme und die subjektive Zufriedenheit der pflegebedürftigen Person.
Pflegevisite im Krankenhaus vs. in der ambulanten Pflege
Bei der Pflegevisite im Krankenhaus steht die kurzfristige Verlaufsbeobachtung im Vordergrund. Pflegefachkräfte überprüfen täglich oder mehrfach wöchentlich, ob Pflegeziele erreicht werden und ob der Pflegeplan angepasst werden muss. Jeder Fachbereich setzt dabei eigene Schwerpunkte. Ein Beispiel: Die onkologische Pflegevisite, die in der Tumortherapie zum Tragen kommt, berücksichtigt neben körperlichen Symptomen wie Schmerz, Fatigue oder Übelkeit auch psychosoziale Aspekte und koordiniert die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team.
In der ambulanten Pflege findet die Pflegevisite im häuslichen Umfeld statt. Die Pflegefachkraft besucht die pflegebedürftige Person zu Hause, überprüft die Pflegesituation und bespricht Anpassungen gemeinsam mit Betroffenen und ggf. pflegenden Angehörigen. Hier ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt, da die häusliche Umgebung ein sehr persönlicher Raum ist. Vielen Patientinnen und Patienten ist es außerdem extrem wichtig, zu Hause bleiben zu können. Von der Pflegekraft sind u. a. eine sehr gute Beobachtungsgabe und Gesprächsführung gefragt.
Beispiel für eine gelungene Pflegevisite in der Ausbildung
Ein konkretes Beispiel für die Pflegevisite im stationären Bereich: Eine Pflegefachkraft und ein Auszubildender im dritten Ausbildungsjahr besuchen gemeinsam eine ältere Bewohnerin in einem Pflegeheim. Sie sichten vorab die Pflegedokumentation, sprechen dann offen mit der Bewohnerin über ihr Wohlbefinden und stellen fest, dass sie sich beim Waschen der Haare mehr Unterstützung wünscht. Dieser Wunsch wird im Pflegeplan ergänzt, die Maßnahmen werden angepasst und der Auszubildende dokumentiert den gesamten Vorgang eigenständig. Die Pflegevisite wird so zu einem wertvollen Lernfeld.
Tipp: Wer sich gezielt auf Prüfungen vorbereiten möchte, findet bei Cornelsen umfangreiches Lernmaterial: Das Lehrwerk Pflegias begleitet die generalistische Pflegeausbildung über alle drei Jahre und behandelt die Pflegevisite im Kontext von Pflegeprozess und Qualitätsmanagement. Im Sortiment finden sich auch weitere Materialien für die Prüfungsvorbereitung für Pflegefachkräfte.









