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Ausbildung in der Pflege
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Assessment in der Pflege

Was Pflegeazubis über das Pflege-Assessment wissen müssen

Wer eine Ausbildung zur Pflegefachperson absolviert, begegnet dem Begriff Assessment schon früh – in der Theorie, aber vor allem in der Praxis. Doch was steckt dahinter, welche Instrumente kommen zum Einsatz, und warum ist das Thema Assessment so zentral für eine professionelle Pflege?

Das Wichtigste in Kürze

  • Assessment als Grundlage des Pflegeprozesses: Ein Assessment in der Pflege ist ein systematisches Verfahren, mit dem Pflegefachkräfte den Gesundheitszustand, den Pflegebedarf, vorhandene Ressourcen und mögliche Risiken einer zu pflegenden Person erfassen und bewerten.
  • Kontinuierliche und situationsgerechte Einschätzung: Das Pflege-Assessment umfasst die Ersteinschätzung bei der Aufnahme, fokussierte Untersuchungen bei konkreten Problemen sowie regelmäßige Reassessments zur Überprüfung und Anpassung der Pflegeplanung.
  • Standardisierte Instrumente unterstützen die Pflegeplanung: Skalen, Fragebögen und strukturierte Interviews helfen dabei, beispielsweise das Sturzrisiko, das Dekubitusrisiko, Schmerzen, den Ernährungszustand oder die Selbstständigkeit objektiv einzuschätzen und geeignete Pflegemaßnahmen abzuleiten.

Was ist Assessment in der Pflege?

Der Begriff Assessment stammt aus dem Englischen und heißt übersetzt so viel wie Einschätzung, Beurteilung oder Bewertung. Was bedeutet Assessment in der Pflege konkret? Es handelt sich um einen systematischen Prozess, bei dem Pflegefachkräfte pflegerelevante Informationen über eine zu pflegende Person erheben, analysieren und bewerten. Dabei verfolgen sie das Ziel, den individuellen Pflegebedarf zu ermitteln und geeignete Maßnahmen zu planen.

Mit Pflege-Assessment ist also nicht nur ein erster Blick auf den Zustand einer Patientin oder eines Patienten gemeint. Das Verfahren ist die fachliche Grundlage für alle nachfolgenden Schritte im Pflegeprozess: von der Planung über die Durchführung bis zur Evaluation. Ohne ein sorgfältiges Assessment fehlt der Pflege buchstäblich das Fundament.

Definition:

Assessment = standardisierte Beurteilung, dokumentierte Einschätzung von Patienten zum Zweck der Datensammlung

Assessmentinstrumente = Erhebungsinstrumente in Form von standardisierten Fragebögen oder Skalen zur Datenerhebung und Einschätzung von Patienten, ▶ PAS, Barthelindex etc.

Wann kommt das Pflege-Assessment in der Ausbildung dran?

Das Assessment ist fester Bestandteil der generalistischen Pflegeausbildung, die seit 2020 die früheren Ausbildungen in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zusammenführt. Bereits im ersten Ausbildungsjahr lernen Auszubildende, wie sie eine strukturierte Pflegeanamnese durchführen und erste Assessment-Instrumente anwenden.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung – insbesondere in den Praxisphasen in der ambulanten Pflege, der stationären Langzeitpflege und der stationären Akutpflege – vertiefen angehende Pflegefachkräfte ihre Kompetenzen. Sie lernen, Assessment-Instrumente situationsgerecht einzusetzen, Ergebnisse zu interpretieren und daraus pflegerische Konsequenzen abzuleiten. Das Thema zieht sich also durch alle drei Ausbildungsjahre und ist auch Gegenstand der Abschlussprüfung.


Phasen des Assessments in der Pflege

Das Pflege-Assessment ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der sich in mehrere Phasen gliedert:

  • Erst-Assessment: Direkt bei der Aufnahme einer Patientin oder eines Patienten wird eine umfassende Ersteinschätzung vorgenommen. Ziel ist es, den aktuellen Gesundheitszustand, bestehende Risiken und vorhandene Ressourcen zu erfassen.
  • Fokussiertes Assessment: Bei konkreten Problemen oder Veränderungen wird das Assessment auf einen bestimmten Bereich konzentriert – etwa auf Schmerzen, den Ernährungszustand oder das Sturzrisiko. Dieses sogenannte Fokus-Assessment ergänzt das Basis-Assessment und ermöglicht eine gezielte Reaktion auf aktuelle Pflegephänomene.
  • Verlaufs- und Reassessment: Pflege ist dynamisch. Der Zustand von Patientinnen und Patienten verändert sich – manchmal schnell. Deshalb wird das Assessment regelmäßig wiederholt, um die Pflegeplanung bei Bedarf anzupassen und den Erfolg der Maßnahmen zu überprüfen.

Welche Assessment-Instrumente gibt es in der Pflege?

Assessment-Instrumente in der Pflege sind standardisierte Hilfsmittel – Skalen, Fragebögen oder strukturierte Interviews –, die eine objektive Einschätzung ermöglichen. In Deutschland besonders verbreitet sind:

  • Dekubitusrisiko: Norton-Skala, Braden-Skala
  • Sturzrisiko: Sturz-Assessment nach Morse oder Hendrich
  • Kognitiver Status: Mini-Mental-Status-Test (MMST), DemTect
  • Schmerz: numerische Rating-Skala (NRS), Visuelle Analogskala (VAS), BESD-Skala (bei eingeschränkter Kommunikation)
  • Funktioneller Status: Barthel-Index
  • Basis-Assessment: funktionelle Gesundheitsmuster nach Gordon – Grundlage für Pflegediagnosen

Beispiel eines Pflege-Assessments mit geeigneten Instrumenten aus der Praxis: Eine 78-jährige Patientin wird nach einem Sturz aufgenommen. Die Braden-Skala zeigt ein erhöhtes Dekubitusrisiko, der Barthel-Index belegt eingeschränkte Selbstständigkeit, das Schmerz-Assessment liegt bei mittlerer Intensität – auf dieser Basis wird die Pflegeplanung individuell ausgerichtet.


Assessment der Ernährung in der Pflege

Mangelernährung und Dehydration sind gerade bei älteren Menschen ein unterschätztes Risiko. Gängige Instrumente für das Assessment der Ernährung in der Pflege sind das Nutritional Risk Screening (NRS 2002) im klinischen Bereich und das Mini Nutritional Assessment (MNA) in der Altenpflege, ergänzt durch Trink- und Ernährungsprotokolle.

Dokumentation und Klassifikation: Was ist zu beachten?

Assessment-Ergebnisse müssen vollständig, nachvollziehbar und zeitnah in die Pflegedokumentation einfließen. Für die Klassifikation der daraus abgeleiteten Pflegeprobleme kommen Systeme wie die NANDA-I-Klassifikation oder die ENP-Pflegediagnosen zum Einsatz. Ein einheitliches, verbindliches Diagnosesystem ist in Deutschland noch nicht etabliert. Umso wichtiger ist es, dass Auszubildende lernen, Assessment-Ergebnisse fachlich zu interpretieren und in konkrete Pflegemaßnahmen zu überführen.

Tipp: Das Lehrwerk Pflegias von Cornelsen begleitet Auszubildende durch alle relevanten Themen der generalistischen Pflegeausbildung – von den Grundlagen des Assessments bis zur Pflegedokumentation, stets nah an der Praxis und abgestimmt auf den aktuellen Ausbildungsrahmenplan.

Weitere Fragen

Was gibt es für Assessments in der Pflege?

In der Pflege gibt es Basis-Assessments, Aufnahmeassessments, Fokus-Assessments sowie Verlaufs- und Reassessments. Zusätzlich werden spezielle Assessment-Instrumente zur Einschätzung von Schmerzen, Sturz- und Dekubitusrisiken, Ernährung, kognitiven Fähigkeiten oder Selbstständigkeit eingesetzt. Die Auswahl richtet sich nach der Pflegesituation, dem Gesundheitszustand und den individuellen Risiken der zu pflegenden Person. Ein Assessment in der Pflege bildet die Grundlage für eine bedarfsgerechte Pflegeplanung.

Was ist der Unterschied zwischen Screening und Assessment? 

Ein Screening ist eine kurze und standardisierte Ersteinschätzung, mit der mögliche Risiken oder Auffälligkeiten erkannt werden sollen. Ein Assessment untersucht einen festgestellten Verdacht oder einen bestimmten Pflegebedarf anschließend ausführlicher und differenzierter. Zeigt ein Screening beispielsweise ein erhöhtes Ernährungsrisiko, kann ein umfassendes Assessment in der Pflege zur genaueren Beurteilung folgen. Das Screening dient somit der frühen Erkennung, während das Assessment die Grundlage für konkrete pflegerische Entscheidungen bildet.

Warum ist ein Assessment in der Pflege wichtig? 

Ein Assessment ist die Grundlage des Pflegeprozesses, weil es den individuellen Pflegebedarf, vorhandene Ressourcen und mögliche Risiken systematisch erfasst. Die Ergebnisse helfen Pflegefachkräften, geeignete Maßnahmen zu planen, durchzuführen und regelmäßig anzupassen. Ohne ein strukturiertes Assessment ist eine bedarfsgerechte Pflegeplanung nur eingeschränkt möglich.