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Ausbildung in der Pflege
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Der Pflegeprozess in der Pflegeausbildung

Strukturiert pflegen von Anfang an

Wer eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, begegnet dem Pflegeprozess von den ersten Wochen an. Er ist das methodische Herzstück professioneller Pflege – und zugleich eine der prüfungsrelevantesten Kompetenzen überhaupt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegerisches Handeln folgt einer klaren Struktur: Der Pflegeprozess ist ein systematischer Problemlösungsprozess, mit dem Pflegefachkräfte die Versorgung planen, durchführen und bewerten. Er stellt sicher, dass Pflege individuell und nachvollziehbar erfolgt.
  • Der Pflegeprozess ist eine zentrale Kompetenz in der Ausbildung: Auszubildende lernen von Beginn an, Informationen zu sammeln, Pflegeprobleme zu erkennen, Ziele festzulegen und Maßnahmen zu planen. Das Thema begleitet alle drei Ausbildungsjahre und ist prüfungsrelevant.
  • In der Praxis kommen unterschiedliche Modelle zum Einsatz: Verbreitet sind das 6-Schritte-Modell nach Fiechter und Meier sowie das 4-Phasen-Modell der WHO. Beide verfolgen das Ziel, die Pflege bedarfsgerecht zu planen und regelmäßig zu überprüfen.

Einfach erklärt: Was ist der Pflegeprozess?

Der Definition nach ist der Pflegeprozess ein systematischer, zyklischer Problemlösungsprozess, mit dem Pflegefachkräfte die Versorgung pflegebedürftiger Menschen individuell planen, durchführen und bewerten. Pflege passiert also nicht zufällig oder nach Bauchgefühl, sondern nach einem klar strukturierten Ablauf – nachvollziehbar für alle Beteiligten und jederzeit anpassbar an die Situation der zu pflegenden Person.

Dabei steht der Mensch im Mittelpunkt: Nicht eine Diagnose oder ein Krankheitsbild wird gepflegt, sondern eine Person mit individuellen Bedürfnissen, Ressourcen und Lebensumständen. Genau das unterscheidet professionelle Pflege von bloßer Versorgung. Seit dem 1. Januar 2020 ist der Pflegeprozess im Pflegeberufegesetz (PflBG) als vorbehaltene Tätigkeit gesetzlich verankert. Das heißt, er darf nur von qualifizierten Pflegefachkräften verantwortet werden.

Wann kommt der Pflegeprozess in der Ausbildung dran?

In der generalistischen Pflegeausbildung ist der Pflegeprozess kein isoliertes Thema – er zieht sich durch alle drei Ausbildungsjahre. Bereits im ersten Ausbildungsjahr lernen Auszubildende die Grundlagen: Welche Bedeutung fällt der Informationssammlung beim Pflegeprozess zu? Wie erkenne ich Pflegeprobleme? Wie formuliere ich konkrete Pflegeziele?

Im zweiten und dritten Jahr vertiefen die Auszubildenden die Anwendung in verschiedenen Versorgungsbereichen – von der Akutpflege im Krankenhaus bis zur Langzeitpflege im Pflegeheim. Auch beim staatlichen Pflegeexamen spielt der Pflegeprozess eine zentrale Rolle: Sowohl in der schriftlichen als auch in der praktischen Prüfung müssen Prüflinge zeigen, dass sie pflegerisches Handeln methodisch begründen können.


Wie läuft der Pflegeprozess ab?

Es gibt verschiedene Modelle, die den Pflegeprozess strukturieren. In Deutschland sind vor allem zwei Ansätze verbreitet: das 6-Schritte-Modell nach Fiechter und Meier sowie das 4-Phasen-Modell nach WHO.

Der Pflegeprozess nach Fiechter und Meier: 6 Schritte

Das Pflegeprozess-Modell nach Fiechter und Meier ist das in Deutschland am häufigsten verwendete. Verena Fiechter und Martha Meier entwickelten es in den 1970er Jahren an der Kaderschule für Krankenpflege in Zürich. Sie nutzen die folgenden 6 aufeinander aufbauenden Schritte, um den Pflegeprozess zu strukturieren:

  1. Informationssammlung (Pflegeanamnese): Alle relevanten Daten zur pflegebedürftigen Person werden erhoben – körperliche, soziale, psychische und biografische Informationen. Die Informationssammlung bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte.
  2. Erkennen von Pflegeproblemen und Ressourcen: Welche Probleme liegen vor? Was kann die Person selbst leisten? Beides ist gleich wichtig.
  3. Festlegen von Pflegezielen: Ziele müssen konkret, realistisch und überprüfbar sein – zum Beispiel: „Frau M. kann bis Ende der Woche mit Unterstützung zehn Schritte gehen.“
  4. Planung der Pflegemaßnahmen: Welche Interventionen sind notwendig, um die Ziele zu erreichen? Wer führt sie wann durch?
  5. Durchführung der Pflege: Die geplanten Maßnahmen werden umgesetzt und dokumentiert.
  6. Evaluation: War die Pflege wirksam? Wurden die Ziele erreicht? Wenn nicht, beginnt der Zyklus erneut.

Der Pflegeprozess nach Fiechter und Meier ist als Regelkreis zu verstehen: Nach der Evaluation startet – bei Bedarf – eine neue Informationssammlung. So wird die Pflege kontinuierlich angepasst und verbessert.

Unsere Empfehlungen: Fachbücher von Pflegias

Der Pflegeprozess nach der WHO in 4 Phasen

Der Pflegeprozess im 4-Phasen-Modell geht auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück und ist international verbreitet. Er beinhaltet nur 4 Schritte:

  1. Assessment: Informationen sammeln und die Pflegesituation beurteilen.
  2. Planung: Ziele definieren und Maßnahmen festlegen.
  3. Durchführung: Die geplante Pflege umsetzen.
  4. Evaluation: Ergebnisse bewerten und den Prozess anpassen.

Beim Pflegeprozess in 4 Schritten nach WHO sind Pflegediagnose und Zielsetzung in die Planungsphase integriert. Beide Modelle – der Pflegeprozess nach Fiechter und Meier mit 6 Schritten und der WHO-Pflegeprozess mit 4 Phasen – verfolgen dasselbe Ziel: eine individuelle, nachvollziehbare und hochwertige Pflege.

Beispiel für den Pflegeprozess aus der Praxis

Ein Pflegeprozess-Beispiel nach Fiechter und Meier macht die 6 Schritte greifbar:

Herr K., 78 Jahre, kommt nach einer Hüftoperation auf die Station.

  • In der Informationssammlung (Schritt 1) erhebt die Pflegefachkraft, dass er leicht verwirrt wirkt, Schmerzen beim Bewegen hat und bisher selbstständig lebte.
  • Als Pflegeproblem (Schritt 2) wird ein erhöhtes Sturzrisiko identifiziert; als Ressource gilt, dass Herr K. motiviert und kommunikativ ist.
  • Das Pflegeziel (Schritt 3) lautet: Herr K. verlässt das Bett nur mit Begleitung und gibt seine Schmerzen täglich auf der Schmerzskala an.
  • Als Maßnahmen (Schritt 4) werden Sturzprophylaxe, regelmäßige Schmerzerfassung und gezielte Mobilisationsübungen geplant und anschließend durchgeführt (Schritt 5).
  • Nach einer Woche zeigt die Evaluation (Schritt 6), dass Herr K. sicherer auf den Beinen ist.

Bei Bedarf beginnt der Zyklus erneut.


Gut vorbereitet mit den richtigen Lernmaterialien

Wer den Pflegeprozess verstehen und sicher anwenden möchte, findet bei Cornelsen passendes Lernmaterial: Das Lehrwerk Pflegias begleitet Auszubildende durch alle drei Ausbildungsjahre und vermittelt den Pflegeprozess praxisnah und lehrplankonform. Für die  Prüfungsvorbereitung für Pflegefachkräfte finden sich im Sortiment von Cornelsen ebenfalls geeignete Materialien, die gezielt auf prüfungsrelevante Kompetenzen eingehen – darunter auch die methodische Pflegeplanung.

Häufige Fragen zum Thema

Warum ist der Pflegeprozess für die Pflege wichtig?

Der Pflegeprozess sorgt dafür, dass pflegerisches Handeln strukturiert, nachvollziehbar und auf die individuellen Bedürfnisse einer pflegebedürftigen Person abgestimmt erfolgt. Er hilft Pflegefachpersonen dabei, Probleme zu erkennen, Ziele festzulegen und passende Maßnahmen zu planen. Durch die regelmäßige Evaluation kann die Pflege jederzeit an veränderte Situationen angepasst werden. So trägt der Pflegeprozess zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung bei.

Wann lernen Auszubildende den Pflegeprozess?

Der Pflegeprozess ist bereits im ersten Ausbildungsjahr ein zentrales Thema der generalistischen Pflegeausbildung. Auszubildende lernen zunächst die Grundlagen, beispielsweise die Informationssammlung, das Erkennen von Pflegeproblemen und die Formulierung von Pflegezielen. In den folgenden Ausbildungsjahren wird die Anwendung in unterschiedlichen Versorgungsbereichen vertieft. Auch im staatlichen Pflegeexamen spielt der Pflegeprozess eine wichtige Rolle.

Was ist das Ziel des Pflegeprozesses?

Ziel des Pflegeprozesses ist es, die Pflege individuell, nachvollziehbar und bedarfsgerecht zu gestalten. Pflegefachkräfte erfassen dazu die persönliche Situation, vorhandene Ressourcen und den Unterstützungsbedarf einer pflegebedürftigen Person, um passende Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Durch die regelmäßige Überprüfung der Ergebnisse kann die Pflege fortlaufend an veränderte Bedürfnisse angepasst werden. So trägt der Pflegeprozess zu einer hochwertigen und personenzentrierten Versorgung bei.