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Ausbildung in der Pflege
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Die Pflegeanamnese

Der erste Schritt zu guter Pflege

Eine sorgfältige Pflegeanamnese ist der Startpunkt jedes professionellen Pflegeprozesses und eine der ersten Kompetenzen, die Auszubildende in der Pflege erwerben. Wer sie beherrscht, legt das Fundament für eine individuelle und würdevolle Versorgung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundlage der Pflegeplanung: Die Pflegeanamnese ist die erste Phase des Pflegeprozesses und dient der systematischen Erfassung aller pflegerelevanten Informationen einer pflegebedürftigen Person.
  • Ganzheitliche Informationssammlung: Erfasst werden körperliche, psychische, soziale und biografische Aspekte sowie vorhandene Ressourcen, Fähigkeiten und pflegerelevante Risiken.
  • Zentrale Kompetenz in der Ausbildung: Auszubildende lernen bereits früh, Pflegeanamnesen durchzuführen, zu dokumentieren und als Grundlage für eine individuelle Pflegeplanung zu nutzen.

Was ist eine Pflegeanamnese? Definition und Bedeutung

Die Pflegeanamnese ist die erste Phase des Pflegeprozesses: eine strukturierte Erfassung aller pflegerelevanten Informationen zu körperlichen, psychischen, sozialen und biografischen Aspekten einer pflegebedürftigen Person. Dabei werden nicht nur Defizite, sondern auch vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten erhoben. Typische Inhalte sind Diagnosen, Medikamente, Mobilität, Ernährung, soziales Umfeld, Gewohnheiten und pflegerelevante Risiken wie Sturz- oder Dekubitusrisiko.

Die Pflegeanamnese ist damit nicht nur ein Dokumentationsinstrument, sondern auch ein Beziehungsangebot: Das Erstgespräch schafft Vertrauen und zeigt der pflegebedürftigen Person, dass ihre individuelle Lebensgeschichte zählt.

Die Pflegeanamnese in der Ausbildung

In der generalistischen Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz (PflBG) begegnet Auszubildenden die Pflegeanamnese bereits im ersten Ausbildungsjahr – im Unterricht ebenso wie in der Praxis. Theoretisch wird der Anamnesebogen erarbeitet, in Rollenspielen das Gespräch geübt, im praktischen Einsatz dann unter Anleitung angewendet. In Prüfungen müssen Auszubildende zeigen, dass sie eine vollständige Informationssammlung durchführen und in eine begründete Pflegeplanung überführen können.

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Pflegeanamnese nach AEDL und ABEDL

Für die strukturierte Erhebung der Pflegeanamnese sind in Deutschland vor allem zwei Konzepte der Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Monika Krohwinkel maßgeblich.

AEDL (Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens) gliedert die Pflegeanamnese in 13 Lebensbereiche, darunter „Kommunizieren“, „Sich bewegen“, „Essen und Trinken“, „Ruhen und Schlafen“ sowie „Mit existenziellen Erfahrungen umgehen“. Ein Beispiel für eine Pflegeanamnese nach AEDL (Auszug):

  • AEDL-Bereich: Sich bewegen
    Erhobene Information: geht mit Rollator, Sturzrisiko erhöht
     
  • AEDL-Bereich: Essen und Trinken
    Erhobene Information: selbstständig, Schluckbeschwerden bei fester Kost
     
  • AEDL-Bereich: Mit existenziellen Erfahrungen umgehen
    Erhobene Information: äußert Angst vor weiteren Stürzen

ABEDL (Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens) ist die Weiterentwicklung des Ursprungskonzepts: Die Pflegeanamnese nach ABEDL bezieht soziale Beziehungen sowie emotionale und spirituelle Bedürfnisse explizit ein und ist damit ganzheitlicher – und anspruchsvoller. Bei einer ABEDL-Pflegeanamnese kann zum Beispiel zusätzlich gefragt werden: Wie erlebt die Person ihr soziales Umfeld? Welche Bedeutung haben Familie und Gemeinschaft für ihr Wohlbefinden?

Für das Assessment werden bei der Pflegeanamnese ergänzend standardisierte Instrumente eingesetzt, etwa der Barthel-Index oder die Braden-Skala. Sie bilden die Grundlage für gezielte Maßnahmen wie Dekubitusprophylaxe und Sturzprophylaxe.

Pflegeanamnese schreiben: So geht’s – mit Beispiel

Um eine Pflegeanamnese zu schreiben, sind drei Schritte nötig:

  1. Vorbereitung (Unterlagen sichten, Gesprächsrahmen schaffen)
  2. Durchführung (offen und empathisch fragen, ggf. Angehörige einbeziehen)
  3. Dokumentation (zeitnah, präzise, Beobachtungen von Einschätzungen trennen)

Ein Beispiel:
„Frau M., 78 Jahre, nach Sturz in stationärer Kurzzeitpflege. Orientiert, kommuniziert klar, möchte schnell nach Hause. Benötigt Unterstützung bei Körperpflege und Ankleiden (Schmerzen rechtes Bein). Geht mit Rollator. Isst selbstständig, bevorzugt leichte Kost, kein Schweinefleisch (muslimische Glaubenspraxis). Tochter besucht täglich. Ressourcen: kognitiv fit, motiviert, kooperativ.“

Dieses Beispiel zeigt: Knappe, aber präzise Angaben ermöglichen eine individuelle Pflegeplanung. Wer eine Word-Vorlage für die Pflegeanamnese sucht, findet auf den Seiten von Pflegeakademien und Fachverbänden passende Muster – abgestimmt auf AEDL oder ABEDL.

Tipp: Die Lehrwerkreihe Pflegias von Cornelsen begleitet Auszubildende lehrplankonform durch die generalistische Pflegeausbildung – von den Grundlagen der beruflichen Pflege bis zum pflegerischen Handeln. Auch die Pflegeanamnese kommt hier vor. Lehrkräfte finden zudem im Unterrichtsmanager von Cornelsen diverse Kopiervorlagen und Arbeitsblätter für Unterrichtseinheiten und Rollenspiele.

Häufige Fragen zum Thema

Was gehört alles in eine Pflegeanamnese?

Eine Pflegeanamnese umfasst alle Informationen, die für die pflegerische Versorgung relevant sind. Dazu gehören unter anderem Diagnosen, Medikamente, Mobilität, Ernährung, das soziale Umfeld, persönliche Gewohnheiten sowie pflegerelevante Risiken wie Sturz- oder Dekubitusrisiken. Neben möglichen Einschränkungen werden auch vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten erfasst. So entsteht die Grundlage für eine individuelle Pflegeplanung.

Welche Informationen müssen bei der Pflegeanamnese erhoben werden?

Bei der Pflegeanamnese werden körperliche, psychische, soziale und biografische Informationen erhoben. Dazu zählen beispielsweise Gesundheitszustand, Mobilität, Ernährungsverhalten, Kommunikationsfähigkeit, soziale Kontakte und persönliche Gewohnheiten. Zusätzlich werden pflegerelevante Risiken und vorhandene Ressourcen dokumentiert. Die Informationen dienen dazu, den Pflegebedarf umfassend einzuschätzen.

Welche Fragen kann ich in einer Pflegeanamnese stellen? 

Die Fragen orientieren sich an den Lebensbereichen der pflegebedürftigen Person. Themen sind beispielsweise Mobilität, Ernährung, Schlaf, Kommunikation, soziale Beziehungen und Umgang mit belastenden Lebenssituationen. Im Rahmen einer Pflegeanamnese nach ABEDL können auch Fragen zur Bedeutung von Familie, Gemeinschaft oder dem persönlichen Wohlbefinden gestellt werden. Ziel ist es, die individuelle Lebenssituation möglichst ganzheitlich zu erfassen.

Wer führt eine Pflegeanamnese durch?

Die Pflegeanamnese wird in der Regel von Pflegefachpersonen durchgeführt. In der Pflegeausbildung lernen Auszubildende bereits früh, wie eine strukturierte Informationssammlung durchgeführt wird, und wenden diese unter Anleitung in der Praxis an. Die erhobenen Informationen bilden die Grundlage für die weitere Pflegeplanung. Bei Bedarf können auch Angehörige in das Gespräch einbezogen werden.