Das Wichtigste in Kürze
- Grundlage der Pflegeplanung: Die Pflegeanamnese ist die erste Phase des Pflegeprozesses und dient der systematischen Erfassung aller pflegerelevanten Informationen einer pflegebedürftigen Person.
- Ganzheitliche Informationssammlung: Erfasst werden körperliche, psychische, soziale und biografische Aspekte sowie vorhandene Ressourcen, Fähigkeiten und pflegerelevante Risiken.
- Zentrale Kompetenz in der Ausbildung: Auszubildende lernen bereits früh, Pflegeanamnesen durchzuführen, zu dokumentieren und als Grundlage für eine individuelle Pflegeplanung zu nutzen.
Was ist eine Pflegeanamnese? Definition und Bedeutung
Die Pflegeanamnese ist die erste Phase des Pflegeprozesses: eine strukturierte Erfassung aller pflegerelevanten Informationen zu körperlichen, psychischen, sozialen und biografischen Aspekten einer pflegebedürftigen Person. Dabei werden nicht nur Defizite, sondern auch vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten erhoben. Typische Inhalte sind Diagnosen, Medikamente, Mobilität, Ernährung, soziales Umfeld, Gewohnheiten und pflegerelevante Risiken wie Sturz- oder Dekubitusrisiko.
Die Pflegeanamnese ist damit nicht nur ein Dokumentationsinstrument, sondern auch ein Beziehungsangebot: Das Erstgespräch schafft Vertrauen und zeigt der pflegebedürftigen Person, dass ihre individuelle Lebensgeschichte zählt.
Die Pflegeanamnese in der Ausbildung
In der generalistischen Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz (PflBG) begegnet Auszubildenden die Pflegeanamnese bereits im ersten Ausbildungsjahr – im Unterricht ebenso wie in der Praxis. Theoretisch wird der Anamnesebogen erarbeitet, in Rollenspielen das Gespräch geübt, im praktischen Einsatz dann unter Anleitung angewendet. In Prüfungen müssen Auszubildende zeigen, dass sie eine vollständige Informationssammlung durchführen und in eine begründete Pflegeplanung überführen können.
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Pflegeanamnese nach AEDL und ABEDL
Für die strukturierte Erhebung der Pflegeanamnese sind in Deutschland vor allem zwei Konzepte der Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Monika Krohwinkel maßgeblich.
AEDL (Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens) gliedert die Pflegeanamnese in 13 Lebensbereiche, darunter „Kommunizieren“, „Sich bewegen“, „Essen und Trinken“, „Ruhen und Schlafen“ sowie „Mit existenziellen Erfahrungen umgehen“. Ein Beispiel für eine Pflegeanamnese nach AEDL (Auszug):
- AEDL-Bereich: Sich bewegen
Erhobene Information: geht mit Rollator, Sturzrisiko erhöht
- AEDL-Bereich: Essen und Trinken
Erhobene Information: selbstständig, Schluckbeschwerden bei fester Kost
- AEDL-Bereich: Mit existenziellen Erfahrungen umgehen
Erhobene Information: äußert Angst vor weiteren Stürzen
ABEDL (Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens) ist die Weiterentwicklung des Ursprungskonzepts: Die Pflegeanamnese nach ABEDL bezieht soziale Beziehungen sowie emotionale und spirituelle Bedürfnisse explizit ein und ist damit ganzheitlicher – und anspruchsvoller. Bei einer ABEDL-Pflegeanamnese kann zum Beispiel zusätzlich gefragt werden: Wie erlebt die Person ihr soziales Umfeld? Welche Bedeutung haben Familie und Gemeinschaft für ihr Wohlbefinden?
Für das Assessment werden bei der Pflegeanamnese ergänzend standardisierte Instrumente eingesetzt, etwa der Barthel-Index oder die Braden-Skala. Sie bilden die Grundlage für gezielte Maßnahmen wie Dekubitusprophylaxe und Sturzprophylaxe.
Pflegeanamnese schreiben: So geht’s – mit Beispiel
Um eine Pflegeanamnese zu schreiben, sind drei Schritte nötig:
- Vorbereitung (Unterlagen sichten, Gesprächsrahmen schaffen)
- Durchführung (offen und empathisch fragen, ggf. Angehörige einbeziehen)
- Dokumentation (zeitnah, präzise, Beobachtungen von Einschätzungen trennen)
Ein Beispiel:
„Frau M., 78 Jahre, nach Sturz in stationärer Kurzzeitpflege. Orientiert, kommuniziert klar, möchte schnell nach Hause. Benötigt Unterstützung bei Körperpflege und Ankleiden (Schmerzen rechtes Bein). Geht mit Rollator. Isst selbstständig, bevorzugt leichte Kost, kein Schweinefleisch (muslimische Glaubenspraxis). Tochter besucht täglich. Ressourcen: kognitiv fit, motiviert, kooperativ.“
Dieses Beispiel zeigt: Knappe, aber präzise Angaben ermöglichen eine individuelle Pflegeplanung. Wer eine Word-Vorlage für die Pflegeanamnese sucht, findet auf den Seiten von Pflegeakademien und Fachverbänden passende Muster – abgestimmt auf AEDL oder ABEDL.
Tipp: Die Lehrwerkreihe Pflegias von Cornelsen begleitet Auszubildende lehrplankonform durch die generalistische Pflegeausbildung – von den Grundlagen der beruflichen Pflege bis zum pflegerischen Handeln. Auch die Pflegeanamnese kommt hier vor. Lehrkräfte finden zudem im Unterrichtsmanager von Cornelsen diverse Kopiervorlagen und Arbeitsblätter für Unterrichtseinheiten und Rollenspiele.









