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Die Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin
Bild: Shutterstock.com/antoniodiaz

Das Kolloquium für Erzieherinnen und Erzieher

Die mündliche Prüfung am Ende der Ausbildung

Das Kolloquium gehört zu den Prüfungsformaten in der Ausbildung angehender Erziehungsfachkräfte. Dieser Ratgeber erklärt, was ein Kolloquium für Erzieherinnen und Erzieher genau ist, welche Themen typischerweise behandelt werden und wie die optimale Vorbereitung aussieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Kolloquium prüft Fachwissen und Argumentationsfähigkeit: Im Kolloquium für Erzieherinnen und Erzieher präsentieren die Prüflinge pädagogische Inhalte, begründen ihre Entscheidungen und reagieren auf fachliche Nachfragen der Prüfungskommission.
  • Die Facharbeit bildet häufig die Grundlage: In vielen Bundesländern ist das Kolloquium eng mit der Facharbeit verknüpft. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher stellen zentrale Ergebnisse vor, erläutern ihr Vorgehen und ordnen ihre Erkenntnisse in einen größeren pädagogischen Zusammenhang ein.
  • Eine strukturierte Vorbereitung senkt das Prüfungsrisiko: Wer die eigene Facharbeit sicher beherrscht, typische Fragen laut übt und Querverbindungen zu anderen Lernfeldern herstellt, kann im Kolloquium klarer und flexibler antworten.

Was ist ein Kolloquium bei Erzieherinnen und Erziehern?

Ein Kolloquium ist eine mündliche Prüfung, die in der Regel am Ende der Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin stattfindet. Im Gegensatz zu einer schriftlichen Arbeit geht es beim Kolloquium darum, Wissen aktiv zu präsentieren, zu begründen und auf Nachfragen der Prüfungskommission einzugehen. Das Format verlangt also außer Fachwissen auch kommunikative Kompetenz und die Fähigkeit, pädagogische Entscheidungen argumentativ zu vertreten.

In vielen Bundesländern ist das Kolloquium eng mit der Facharbeit der angehenden Erzieherinnen und Erzieher verknüpft: Die Auszubildenden stellen im Kolloquium ihre schriftliche Arbeit vor und verteidigen ihre Thesen und Schlussfolgerungen vor dem Prüfungsgremium. Dabei wird kontrolliert, ob die Kandidatinnen und Kandidaten ihren eigenen Text wirklich durchdrungen haben und in der Lage sind, ihn in einen größeren pädagogischen Kontext einzubetten.

Je nach Bundesland und Fachschule kann es aber auch sein, dass die Absolventinnen und Absolventen ihr Kolloquium unabhängig von der vorausgehenden Facharbeit abhalten müssen. In einigen Bundesländern ersetzt das Kolloquium eine weitere schriftliche Prüfung oder ergänzt das Staatsexamen.

Die Rolle des Kolloquiums in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern

Das Kolloquium nimmt in der Ausbildung eine besondere Stellung ein, weil es mehrere Kompetenzbereiche gleichzeitig abklopft. Während schriftliche Prüfungen vor allem deklaratives Wissen abfragen, zeigt das Kolloquium, ob angehende Erzieherinnen und Erzieher in der Lage sind, pädagogische Situationen zu reflektieren, Handlungsoptionen abzuwägen und ihre Entscheidungen fachlich zu begründen.

Das entspricht genau dem, was im Berufsalltag gefordert wird: Erzieherinnen und Erzieher müssen täglich Situationen einschätzen, im Team kommunizieren und gegenüber Eltern sowie Trägern Rechenschaft ablegen. Das Kolloquium simuliert diese Anforderungen in einem prüfungsrelevanten Rahmen und ist damit eine realitätsnahe Vorbereitung auf den Beruf.

Typische Kolloquiumsthemen für Erzieherinnen und Erzieher

Die Themen im Kolloquium für Erzieherinnen und Erzieher sind breit gefächert und orientieren sich an den Lernfeldern der Ausbildung. Zu den häufig behandelten Bereichen zählen:

  • Frühkindliche Bildung und Entwicklung: entwicklungspsychologische Grundlagen, Bindungstheorie, Sprachentwicklung
  • Inklusion und Diversität: Umgang mit Heterogenität in der Gruppe, inklusive Pädagogik, interkulturelle Kompetenz
  • Beobachtung und Dokumentation: Methoden der Beobachtung, Portfolioarbeit, Entwicklungsgespräche mit Eltern
  • Konzeptionelle Arbeit: Erstellung und Reflexion pädagogischer Konzepte, Qualitätssicherung
  • Rechtliche Grundlagen: Kinderschutz, Aufsichtspflicht, SGB VIII
  • Gesundheit und Wohlbefinden: Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit von Kindern

Hier ein Beispiel, wie ein Kolloquium eines angehenden Erziehers ablaufen könnte: Der Auszubildende hat seine Facharbeit über Sprachförderung im Kita-Alltag geschrieben. Im Kolloquium präsentiert er zunächst seine Kernthesen und erläutert seine methodischen Entscheidungen. Anschließend fragt die Prüfungskommission nach, wie er mit einem Kind umgehen würde, das trotz gezielter Förderung kaum Fortschritte zeigt, und wie er die Eltern in diesen Prozess einbinden würde.

Fachbücher und Kompetenzkarten

Wie hoch ist die Durchfallquote im Kolloquium für Erzieherinnen und Erzieher?

Die Durchfallquote im Kolloquium für Erzieherinnen und Erzieher ist insgesamt vergleichsweise gering. Genaue bundesweite Zahlen werden nicht zentral erfasst, da die Ausbildung Ländersache ist und die Prüfungsmodalitäten variieren. Erfahrungsberichte aus Fachschulen deuten jedoch darauf hin, dass die meisten Auszubildenden das Kolloquium beim ersten Versuch bestehen.

Gründe für ein Nichtbestehen sind weniger fehlendes Fachwissen als vielmehr mangelnde Vorbereitung auf die mündliche Prüfungssituation: Nervosität, unstrukturierte Antworten oder die Unfähigkeit, auf Nachfragen flexibel zu reagieren, spielen oft eine Rolle. Wer sich also frühzeitig und gründlich mit seinem Thema bzw. mit möglichen Kolloquiumsfragen auseinandersetzt und schon beim Üben die Prüfungssituation mitdenkt, senkt das Risiko deutlich.


Tipps zur Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung auf das Kolloquium beginnt nicht erst in der letzten Woche vor der Prüfung. Folgende Strategien haben sich bewährt:

  1. Facharbeit intensiv durcharbeiten: Das Geschriebene wird so eingängig und präsent.
  2. Laut und vor anderen üben: Hilft, Aufregung abzubauen und sich zu verbessern.
  3. Querverbindungen herstellen: Prüferinnen und Prüfer schätzen es, wenn Kandidatinnen und Kandidaten Themen verknüpfen können – etwa Bindungstheorie mit Elternarbeit oder Inklusion mit Beobachtungsmethoden.
  4. Materialien sichten: Wer nach Orientierung sucht, findet im Internet Kolloquiumsunterlagen für Erzieherinnen und Erzieher im PDF-Format – etwa Musterprüfungen, Bewertungsbögen oder Themenlisten von Fachschulen. Diese können – ebenso wie die einschlägige Fachliteratur für Erziehungswissenschaften und Pädagogik – als Ergänzung hilfreich sein, ersetzen aber nicht die individuelle Auseinandersetzung mit den eigenen Inhalten.

Weitere Fragen

Was sind typische Fragen im Kolloquium?

Typische Fragen im Kolloquium beziehen sich auf die Facharbeit, die gewählte Methode, die theoretischen Grundlagen und den Praxisbezug. Prüferinnen und Prüfer fragen häufig, warum ein Thema gewählt wurde, welche Erkenntnisse gewonnen wurden und wie sich diese auf konkrete pädagogische Situationen übertragen lassen. Auch Fragen zu Alternativen, Grenzen des eigenen Vorgehens und weiterführenden Handlungsmöglichkeiten sind üblich. Im Kolloquium für Erzieherinnen und Erzieher können außerdem Querverbindungen zu Themen wie Inklusion, Elternarbeit, Kinderschutz oder Beobachtung verlangt werden.

Was muss man beim Kolloquium machen?

Beim Kolloquium müssen angehende Erzieherinnen und Erzieher ein pädagogisches Thema strukturiert präsentieren und fachlich begründen. Häufig stellen sie zunächst die wichtigsten Ergebnisse ihrer Facharbeit vor und erläutern anschließend ihre methodischen Entscheidungen. Danach beantworten sie Fragen der Prüfungskommission und übertragen ihre Erkenntnisse auf praktische Situationen. Entscheidend sind dabei Fachwissen, verständliche Darstellung, Reflexionsfähigkeit und ein sicherer Umgang mit Nachfragen.

Wie kann man sich auf ein Kolloquium vorbereiten? 

Eine erfolgreiche Vorbereitung umfasst die intensive Beschäftigung mit der eigenen Facharbeit oder dem Prüfungsthema, das Üben von Präsentationen sowie die Vorbereitung auf mögliche Nachfragen. Hilfreich ist außerdem, pädagogische Themen miteinander zu verknüpfen und Antworten laut zu üben.

Was wird im Kolloquium bewertet?

Im Kolloquium werden neben dem Fachwissen auch die Fähigkeit zur Reflexion, die Argumentation pädagogischer Entscheidungen, die Präsentationskompetenz und der Umgang mit Nachfragen bewertet. Entscheidend ist, dass fachliche Inhalte nachvollziehbar und begründet dargestellt werden.