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Ausbildung in der Pflege
Bild: Shutterstock.com/wavebreakmedia

Prophylaxen in der Pflege

Übersicht, Erklärung und Tipps für die Ausbildung

Wer eine Pflegeausbildung absolviert, begegnet dem Begriff früh und häufig: Prophylaxen in der Pflege gehören zum Grundlagenwissen jeder Pflegefachkraft. Doch was genau steckt dahinter – und warum sind sie so zentral für die pflegerische Praxis?

Das Wichtigste in Kürze

  • Prophylaxen beugen pflegebedingten Risiken vor: Prophylaxen in der Pflege umfassen alle Maßnahmen, die Komplikationen wie Dekubitus, Stürze, Thrombosen oder Mangelernährung verhindern sollen und damit die Gesundheit pflegebedürftiger Menschen schützen.
  • Zwölf zentrale Prophylaxen prägen den Pflegealltag: In Ausbildung und Praxis haben sich zwölf wichtige Prophylaxen etabliert, darunter Dekubitus-, Sturz-, Thrombose-, Pneumonie- und Dehydrationsprophylaxe. Sie werden auf Basis individueller Risiken geplant und umgesetzt.
  • Prophylaxen wirken nur im Zusammenspiel: Pflegefachkräfte betrachten Risiken nicht isoliert, sondern leiten mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen ab. Eine sorgfältige Dokumentation sowie die Zusammenarbeit mit Betroffenen, Angehörigen und dem interprofessionellen Team sind dabei entscheidend.

Was sind Prophylaxen in der Pflege?

Der Begriff „Prophylaxe“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Vorbeugung oder Schutzmaßnahme. In der Pflege bezeichnet er alle Maßnahmen, die dazu dienen, pflegetypische Komplikationen zu verhindern, bevor sie entstehen. Das Ziel ist klar: Pflegebedürftige sollen vor vermeidbaren Beeinträchtigungen geschützt werden. Darunter fallen etwa Schäden durch Bewegungsmangel, Mangelernährung, Infektionen oder andere Risikofaktoren.

Prophylaxen sind Ausdruck eines professionellen Pflegeverständnisses, das den Menschen in seiner Gesamtheit wahrnimmt und aktiv dazu beiträgt, seine Gesundheit zu erhalten. Sie sind in Pflegestandards, Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) sowie in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Pflegeberufe verankert. Darüber hinaus fließen prophylaktische Maßnahmen in die Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes (MD) ein.

Wie viele Prophylaxen gibt es in der Pflege?

Eine verbindliche, einheitlich festgelegte Zahl existiert nicht – je nach Lehrwerk, Fachschule oder Klinik werden unterschiedliche Einteilungen verwendet. In der Praxis und in vielen Ausbildungswerken hat sich jedoch eine Kerngruppe von 12 Prophylaxen in der Pflege etabliert, die als Standard gelten und im Unterricht wie im Pflegealltag gleichermaßen relevant sind.


Welche Prophylaxen gibt es in der Pflege? Übersicht

Die folgende Übersicht zeigt die 12 wichtigsten Prophylaxen in der Pflege, ihr jeweiliges Ziel und typische Maßnahmen:

  • Dekubitusprophylaxe 
    Ziel: Druckgeschwüre verhindern 
    Typische Maßnahmen: Lagerungswechsel, Druckentlastung, Hautpflege
     
  • Sturzprophylaxe
    Ziel: Stürze vermeiden
    Typische Maßnahmen: Umgebungsanpassung, Hilfsmittel, Bewegungsförderung
     
  • Kontrakturenprophylaxe
    Ziel: Gelenkversteifungen vorbeugen
    Typische Maßnahmen: passive/aktive Bewegungsübungen, Lagerung
     
  • Thromboseprophylaxe
    Ziel: Blutgerinnsel verhindern
    Typische Maßnahmen: Kompressionsstrümpfe, Frühmobilisation, Flüssigkeitszufuhr
     
  • Pneumonieprophylaxe
    Ziel: Lungenentzündung vorbeugen
    Typische Maßnahmen: Atemübungen, Mobilisation, Oberkörperhochlagerung
     
  • Intertrigoprophylaxe
    Ziel: Hautfalteninfektionen verhindern
    Typische Maßnahmen: Hautfalten trocken halten, atmungsaktive Materialien
     
  • Soor- und Parotitisprophylaxe
    Ziel: Pilzinfektionen im Mund und Ohrspeicheldrüsenentzündung verhindern
    Typische Maßnahmen: Mundpflege, ausreichende Flüssigkeitszufuhr
     
  • Obstipationsprophylaxe
    Ziel: Verstopfung vorbeugen
    Typische Maßnahmen: Ballaststoffreiche Ernährung, Bewegung, Flüssigkeit
     
  • Dehydrationsprophylaxe
    Ziel: Austrocknung verhindern
    Typische Maßnahmen: Trinkmengenkontrolle, Trinkprotokolle
     
  • Aspirationsprophylaxe
    Ziel: Verschlucken und Einatmen von Fremdkörpern verhindern
    Typische Maßnahmen: angepasste Kostform, aufrechte Sitzhaltung beim Essen
     
  • Infektionsprophylaxe
    Ziel: Übertragung von Krankheitserregern verhindern
    Typische Maßnahmen: Händehygiene, Schutzausrüstung, Hygienestandards
     
  • Mangelernährungsprophylaxe
    Ziel: Unterernährung verhindern
    Typische Maßnahmen: Ernährungsassessment, kalorienreiche Kost, Ergänzungsnahrung

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Prophylaxen im Pflegealltag: Wie sie in der Praxis funktionieren

Vorbeugende Pflege bedeutet, Risiken individuell einzuschätzen und Maßnahmen gezielt anzupassen. Dafür werden in der Praxis standardisierte Assessmentinstrumente eingesetzt, etwa die Braden-Skala zur Einschätzung des Dekubitusrisikos oder die Morse Fall Scale zur Bewertung des Sturzrisikos.

Die eigentliche pflegerische Leistung besteht darin, die Ergebnisse zu interpretieren, Prioritäten zu setzen und Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem interprofessionellen Team – also medizinischen und therapeutischen Fachpersonen sowie dem sozialen Dienst – umzusetzen. Auch die Einbeziehung der pflegebedürftigen Person selbst sowie ihrer Angehörigen spielt eine wichtige Rolle: Alle Prophylaxen in der Pflege wirken nachhaltiger, wenn Betroffene die Hintergründe verstehen und aktiv mitwirken können.

Ein wichtiger Grundsatz: Prophylaxen greifen selten isoliert. Wer bettlägerig ist, hat gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Dekubitus, Thrombose, Pneumonie und Kontrakturen. Deshalb denken Pflegefachkräfte prophylaktische Maßnahmen immer im Zusammenhang – und dokumentieren sie sorgfältig in der Pflegeplanung.


Prophylaxen in der Pflegeausbildung: Lernen, Üben, Verstehen

In der theoretischen und praktischen Pflegeausbildung nehmen Prophylaxen breiten Raum ein.

  • Für Auszubildende empfiehlt es sich, die Prophylaxen nicht isoliert zu lernen, sondern immer im Kontext eines Pflegeproblems zu denken: Welches Risiko liegt vor? Welche Maßnahmen leite ich daraus ab? Wie dokumentiere ich das? Wer diesen Dreischritt verinnerlicht, ist nicht nur auf Prüfungen gut vorbereitet, sondern auch auf den Berufsalltag.
  • Für Lehrkräfte bietet das Thema Prophylaxen eine ideale Grundlage für kompetenzorientiertes Unterrichten: Die Verknüpfung von Fachwissen, klinischem Urteilsvermögen und ethischer Haltung lässt sich hier exemplarisch erarbeiten.

Tipp: Klassische Materialien wie das bewährte Lehrwerk Pflegias unterstützen eine abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung ebenso wie einzelne Arbeitsblätter speziell zu Prophylaxen in der Pflege. Auch die Pflege-Coach-Reihe In guten Händen steht Auszubildenden beim Erlernen von Theorie und Praxis zur Seite.

Fallbeispiel für Prophylaxe-Maßnahmen in der Pflege

Herr Brandt ist 78 Jahre alt und lebt seit drei Jahren in einem Pflegeheim. Vor zwei Wochen erlitt er einen Schlaganfall mit rechtsseitiger Hemiparese. Seitdem ist er weitgehend bettlägerig und auf umfassende pflegerische Unterstützung angewiesen. Er kann sich nicht selbstständig im Bett umlagern, seine Sprache ist verlangsamt, das Schlucken fällt ihm schwer. Herr Brandt wirkt antriebsarm und schläft viel. Er trinkt wenig und isst nur auf Aufforderung kleine Mengen.

Die Pflegefachkraft führt bei der Aufnahme in die Akutpflege ein umfassendes Assessment durch. Dabei identifiziert sie mehrere Risiken und plant aufeinander abgestimmte Maßnahmen:

Dekubitus- und Kontrakturenprophylaxe

Herr Brandt wird alle zwei Stunden nach einem festgelegten Lagerungsplan umgelagert. Dabei werden gleichzeitig passive Bewegungsübungen der betroffenen rechten Seite durchgeführt. Der Patient erhält druckentlastende Hilfsmittel wie eine Wechseldruckmatratze und Lagerungskissen. Die Haut wird bei jedem Lagewechsel inspiziert und gepflegt.

Thromboseprophylaxe

Herr Brandt trägt Kompressionsstrümpfe. Zusätzlich führen die Pflegekräfte bei den Lagerungswechseln gezielte Fußübungen (Dorsalflexion, Kreisen) mit ihm durch. Die Frühmobilisation – zunächst an die Bettkante, dann in den Rollstuhl – wird frühzeitig und in Absprache mit der Physiotherapie eingeleitet.

Pneumonieprophylaxe

Ein Atemtrainer führt dreimal täglich Atemübungen mit dem Patienten durch. Bei der Lagerung wird auf eine ausreichende Oberkörperhochlagerung (30–45°) geachtet. Die Mobilisation in den Rollstuhl fördert zusätzlich eine tiefere Atemtätigkeit.

Aspirations- und Soor-/Parotitisprophylaxe

Aufgrund der Schluckstörung erhält Herr Brandt angepasste Kost. Beim Essen sitzt er aufrecht, das Pflegepersonal nimmt sich Zeit und beobachtet den Schluckvorgang. Eine Logopädin wird konsiliarisch hinzugezogen. Die Mundpflege erfolgt mehrmals täglich sorgfältig, um Soorinfektionen und einer Parotitis vorzubeugen.

Dehydrations- und Mangelernährungsprophylaxe

Ein Trinkprotokoll wird angelegt. Herr Brandt soll mindestens 1.500 ml täglich zu sich nehmen. Getränke werden in kleinen Mengen regelmäßig angeboten und, sofern möglich, an Herrn Brandts Vorlieben angepasst. Der Ernährungszustand wird wöchentlich mittels BMI und Gewichtskontrolle dokumentiert.

Dokumentation und Teamkommunikation

Alle Maßnahmen werden in der digitalen Pflegeplanung erfasst und täglich evaluiert. Im wöchentlichen Teambericht besprechen die Verantwortlichen Veränderungen im Zustand von Herrn Brandt – gemeinsam mit Physiotherapie, Logopädie und der behandelnden Ärztin. Der Sohn von Herrn Brandt wird in die Pflegeplanung einbezogen und über die Maßnahmen informiert.

Häufige Fragen zum Thema

Was sind pflegerische Prophylaxen?

Pflegerische Prophylaxen sind vorbeugende Maßnahmen, mit denen Pflegefachkräfte typische gesundheitliche Risiken und Komplikationen verhindern möchten. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen zur Vermeidung von Dekubitus, Stürzen, Thrombosen, Pneumonien oder Mangelernährung. Die Auswahl der Maßnahmen richtet sich nach den individuellen Risiken einer pflegebedürftigen Person. Ziel ist es, Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.

Können mehrere Prophylaxen gleichzeitig notwendig sein?

Ja, in der Praxis greifen Prophylaxen häufig ineinander. Eine bettlägerige Person kann beispielsweise gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Dekubitus, Thrombose, Pneumonie und Kontrakturen haben. Pflegefachkräfte betrachten Risiken deshalb nicht isoliert, sondern planen mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen. So kann eine wirksame und ganzheitliche Versorgung sichergestellt werden.

Warum sind Prophylaxen in der Pflege wichtig?

Prophylaxen helfen dabei, gesundheitliche Komplikationen frühzeitig zu verhindern und die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen zu erhalten. Sie schützen vor vermeidbaren Beeinträchtigungen wie Druckgeschwüren, Stürzen, Infektionen oder Flüssigkeitsmangel. Gleichzeitig fördern sie die Selbstständigkeit und unterstützen den Erhalt vorhandener Ressourcen. Deshalb sind Prophylaxen ein zentraler Bestandteil professioneller Pflege.