Das Wichtigste in Kürze
- Prophylaxen beugen pflegebedingten Risiken vor: Prophylaxen in der Pflege umfassen alle Maßnahmen, die Komplikationen wie Dekubitus, Stürze, Thrombosen oder Mangelernährung verhindern sollen und damit die Gesundheit pflegebedürftiger Menschen schützen.
- Zwölf zentrale Prophylaxen prägen den Pflegealltag: In Ausbildung und Praxis haben sich zwölf wichtige Prophylaxen etabliert, darunter Dekubitus-, Sturz-, Thrombose-, Pneumonie- und Dehydrationsprophylaxe. Sie werden auf Basis individueller Risiken geplant und umgesetzt.
- Prophylaxen wirken nur im Zusammenspiel: Pflegefachkräfte betrachten Risiken nicht isoliert, sondern leiten mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen ab. Eine sorgfältige Dokumentation sowie die Zusammenarbeit mit Betroffenen, Angehörigen und dem interprofessionellen Team sind dabei entscheidend.
Was sind Prophylaxen in der Pflege?
Der Begriff „Prophylaxe“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Vorbeugung oder Schutzmaßnahme. In der Pflege bezeichnet er alle Maßnahmen, die dazu dienen, pflegetypische Komplikationen zu verhindern, bevor sie entstehen. Das Ziel ist klar: Pflegebedürftige sollen vor vermeidbaren Beeinträchtigungen geschützt werden. Darunter fallen etwa Schäden durch Bewegungsmangel, Mangelernährung, Infektionen oder andere Risikofaktoren.
Prophylaxen sind Ausdruck eines professionellen Pflegeverständnisses, das den Menschen in seiner Gesamtheit wahrnimmt und aktiv dazu beiträgt, seine Gesundheit zu erhalten. Sie sind in Pflegestandards, Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) sowie in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Pflegeberufe verankert. Darüber hinaus fließen prophylaktische Maßnahmen in die Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes (MD) ein.
Wie viele Prophylaxen gibt es in der Pflege?
Eine verbindliche, einheitlich festgelegte Zahl existiert nicht – je nach Lehrwerk, Fachschule oder Klinik werden unterschiedliche Einteilungen verwendet. In der Praxis und in vielen Ausbildungswerken hat sich jedoch eine Kerngruppe von 12 Prophylaxen in der Pflege etabliert, die als Standard gelten und im Unterricht wie im Pflegealltag gleichermaßen relevant sind.
Welche Prophylaxen gibt es in der Pflege? Übersicht
Die folgende Übersicht zeigt die 12 wichtigsten Prophylaxen in der Pflege, ihr jeweiliges Ziel und typische Maßnahmen:
- Dekubitusprophylaxe
Ziel: Druckgeschwüre verhindern
Typische Maßnahmen: Lagerungswechsel, Druckentlastung, Hautpflege
- Sturzprophylaxe
Ziel: Stürze vermeiden
Typische Maßnahmen: Umgebungsanpassung, Hilfsmittel, Bewegungsförderung
- Kontrakturenprophylaxe
Ziel: Gelenkversteifungen vorbeugen
Typische Maßnahmen: passive/aktive Bewegungsübungen, Lagerung
- Thromboseprophylaxe
Ziel: Blutgerinnsel verhindern
Typische Maßnahmen: Kompressionsstrümpfe, Frühmobilisation, Flüssigkeitszufuhr
- Pneumonieprophylaxe
Ziel: Lungenentzündung vorbeugen
Typische Maßnahmen: Atemübungen, Mobilisation, Oberkörperhochlagerung
- Intertrigoprophylaxe
Ziel: Hautfalteninfektionen verhindern
Typische Maßnahmen: Hautfalten trocken halten, atmungsaktive Materialien
- Soor- und Parotitisprophylaxe
Ziel: Pilzinfektionen im Mund und Ohrspeicheldrüsenentzündung verhindern
Typische Maßnahmen: Mundpflege, ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Obstipationsprophylaxe
Ziel: Verstopfung vorbeugen
Typische Maßnahmen: Ballaststoffreiche Ernährung, Bewegung, Flüssigkeit
- Dehydrationsprophylaxe
Ziel: Austrocknung verhindern
Typische Maßnahmen: Trinkmengenkontrolle, Trinkprotokolle
- Aspirationsprophylaxe
Ziel: Verschlucken und Einatmen von Fremdkörpern verhindern
Typische Maßnahmen: angepasste Kostform, aufrechte Sitzhaltung beim Essen
- Infektionsprophylaxe
Ziel: Übertragung von Krankheitserregern verhindern
Typische Maßnahmen: Händehygiene, Schutzausrüstung, Hygienestandards
- Mangelernährungsprophylaxe
Ziel: Unterernährung verhindern
Typische Maßnahmen: Ernährungsassessment, kalorienreiche Kost, Ergänzungsnahrung
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Prophylaxen im Pflegealltag: Wie sie in der Praxis funktionieren
Vorbeugende Pflege bedeutet, Risiken individuell einzuschätzen und Maßnahmen gezielt anzupassen. Dafür werden in der Praxis standardisierte Assessmentinstrumente eingesetzt, etwa die Braden-Skala zur Einschätzung des Dekubitusrisikos oder die Morse Fall Scale zur Bewertung des Sturzrisikos.
Die eigentliche pflegerische Leistung besteht darin, die Ergebnisse zu interpretieren, Prioritäten zu setzen und Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem interprofessionellen Team – also medizinischen und therapeutischen Fachpersonen sowie dem sozialen Dienst – umzusetzen. Auch die Einbeziehung der pflegebedürftigen Person selbst sowie ihrer Angehörigen spielt eine wichtige Rolle: Alle Prophylaxen in der Pflege wirken nachhaltiger, wenn Betroffene die Hintergründe verstehen und aktiv mitwirken können.
Ein wichtiger Grundsatz: Prophylaxen greifen selten isoliert. Wer bettlägerig ist, hat gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Dekubitus, Thrombose, Pneumonie und Kontrakturen. Deshalb denken Pflegefachkräfte prophylaktische Maßnahmen immer im Zusammenhang – und dokumentieren sie sorgfältig in der Pflegeplanung.
Prophylaxen in der Pflegeausbildung: Lernen, Üben, Verstehen
In der theoretischen und praktischen Pflegeausbildung nehmen Prophylaxen breiten Raum ein.
- Für Auszubildende empfiehlt es sich, die Prophylaxen nicht isoliert zu lernen, sondern immer im Kontext eines Pflegeproblems zu denken: Welches Risiko liegt vor? Welche Maßnahmen leite ich daraus ab? Wie dokumentiere ich das? Wer diesen Dreischritt verinnerlicht, ist nicht nur auf Prüfungen gut vorbereitet, sondern auch auf den Berufsalltag.
- Für Lehrkräfte bietet das Thema Prophylaxen eine ideale Grundlage für kompetenzorientiertes Unterrichten: Die Verknüpfung von Fachwissen, klinischem Urteilsvermögen und ethischer Haltung lässt sich hier exemplarisch erarbeiten.
Tipp: Klassische Materialien wie das bewährte Lehrwerk Pflegias unterstützen eine abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung ebenso wie einzelne Arbeitsblätter speziell zu Prophylaxen in der Pflege. Auch die Pflege-Coach-Reihe In guten Händen steht Auszubildenden beim Erlernen von Theorie und Praxis zur Seite.
Fallbeispiel für Prophylaxe-Maßnahmen in der Pflege
Herr Brandt ist 78 Jahre alt und lebt seit drei Jahren in einem Pflegeheim. Vor zwei Wochen erlitt er einen Schlaganfall mit rechtsseitiger Hemiparese. Seitdem ist er weitgehend bettlägerig und auf umfassende pflegerische Unterstützung angewiesen. Er kann sich nicht selbstständig im Bett umlagern, seine Sprache ist verlangsamt, das Schlucken fällt ihm schwer. Herr Brandt wirkt antriebsarm und schläft viel. Er trinkt wenig und isst nur auf Aufforderung kleine Mengen.
Die Pflegefachkraft führt bei der Aufnahme in die Akutpflege ein umfassendes Assessment durch. Dabei identifiziert sie mehrere Risiken und plant aufeinander abgestimmte Maßnahmen:
Dekubitus- und Kontrakturenprophylaxe
Herr Brandt wird alle zwei Stunden nach einem festgelegten Lagerungsplan umgelagert. Dabei werden gleichzeitig passive Bewegungsübungen der betroffenen rechten Seite durchgeführt. Der Patient erhält druckentlastende Hilfsmittel wie eine Wechseldruckmatratze und Lagerungskissen. Die Haut wird bei jedem Lagewechsel inspiziert und gepflegt.
Thromboseprophylaxe
Herr Brandt trägt Kompressionsstrümpfe. Zusätzlich führen die Pflegekräfte bei den Lagerungswechseln gezielte Fußübungen (Dorsalflexion, Kreisen) mit ihm durch. Die Frühmobilisation – zunächst an die Bettkante, dann in den Rollstuhl – wird frühzeitig und in Absprache mit der Physiotherapie eingeleitet.
Pneumonieprophylaxe
Ein Atemtrainer führt dreimal täglich Atemübungen mit dem Patienten durch. Bei der Lagerung wird auf eine ausreichende Oberkörperhochlagerung (30–45°) geachtet. Die Mobilisation in den Rollstuhl fördert zusätzlich eine tiefere Atemtätigkeit.
Aspirations- und Soor-/Parotitisprophylaxe
Aufgrund der Schluckstörung erhält Herr Brandt angepasste Kost. Beim Essen sitzt er aufrecht, das Pflegepersonal nimmt sich Zeit und beobachtet den Schluckvorgang. Eine Logopädin wird konsiliarisch hinzugezogen. Die Mundpflege erfolgt mehrmals täglich sorgfältig, um Soorinfektionen und einer Parotitis vorzubeugen.
Dehydrations- und Mangelernährungsprophylaxe
Ein Trinkprotokoll wird angelegt. Herr Brandt soll mindestens 1.500 ml täglich zu sich nehmen. Getränke werden in kleinen Mengen regelmäßig angeboten und, sofern möglich, an Herrn Brandts Vorlieben angepasst. Der Ernährungszustand wird wöchentlich mittels BMI und Gewichtskontrolle dokumentiert.
Dokumentation und Teamkommunikation
Alle Maßnahmen werden in der digitalen Pflegeplanung erfasst und täglich evaluiert. Im wöchentlichen Teambericht besprechen die Verantwortlichen Veränderungen im Zustand von Herrn Brandt – gemeinsam mit Physiotherapie, Logopädie und der behandelnden Ärztin. Der Sohn von Herrn Brandt wird in die Pflegeplanung einbezogen und über die Maßnahmen informiert.







