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Bild: Shutterstock.com/g-stockstudio

Über Urlaub sprechen

DaF-Journal

„Wenn jemand eine Reise tut…

…so kann er was verzählen.“ Mit diesen zum Sprichwort gewordenen Zeilen beginnt ein Gedicht von Matthias Claudius. Und er setzt fort: „Drum nahm ich meinen Stock und Hut/und tät das Reisen wählen.“[1] Die ironische Distanz, mit der Claudius die aufkommende Reiselust des 19. Jahrhunderts aufs Korn nimmt, ist im Sprichwort heute allerdings nicht mehr zu erkennen. 

Reisen, um andere Länder zu sehen, interessante Menschen kennenzulernen oder sich einfach nur zu erholen – diese Idee ist den meisten Menschen zu Lebzeiten Claudius‘ noch völlig fremd. Natürlich gab es die Bildungsreisen der jungen europäischen Adligen (Grand Tour), Künstler suchten neue Landschaften, um sich inspirieren zu lassen und wohlhabende Patrizier, v.a. in Italien und der Schweiz, zogen sich im Sommer auf ihre Landsitze zurück. Aber für die meisten Menschen war schon ein Besuch im Nachbarort ein besonderes Ereignis und diente gewöhnlich nur der Sicherung des Lebensunterhalts. Gebirge, Meere und ausgedehnte Wälder wurden nicht etwa wegen ihrer Schönheit bewundert, sondern hemmten lediglich die Reise oder behinderten die Landwirtschaft.

Das änderte sich mit der Entwicklung der Eisenbahn, einem vernetzten Verkehrssystem und dem Aufkommen professioneller Reiseveranstalter wie Thomas Cook im 19. Jahrhundert. Auch wenn diese Angebote mit unserem heutigen Pauschalreisetourismus noch wenig zu tun hatten, konnten sich nun auch weniger Begüterte solche Reisen leisten.

Den ersten wirklichen „Urlaub“ für Fabrikarbeiter gab es erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Brauereiarbeiter 1903 einen Anspruch auf 3 Tage bezahlten Urlaub im Jahr durchsetzten. Dabei war allein aus finanziellen Gründen an Urlaubsreisen natürlich nicht zu denken. Der kommerzielle Massentourismus in Europa entwickelte sich erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Krieg, der Ausbau der Infrastruktur und die Verfügbarkeit privater PKW trugen entscheidend dazu bei. Die stark gesunkenen Preise für Flugreisen haben dieser Entwicklung in den letzten 20 Jahren noch mehr Dynamik verliehen. 2019 haben etwa 1,5 Milliarden Menschen weltweit eine Auslandsreise unternommen.
Dieses scheinbar unaufhaltsame Wachstum wurde durch die Pandemie jäh gestoppt. Nach Schätzungen der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) betrug der dadurch entstandene wirtschaftliche Schaden im weltweiten Tourismussektor bis zum Sommer 2021 etwa 3,4 Billionen Euro.

Inzwischen sind wieder mehr Menschen unterwegs, auch wenn sich die Reiseziele geändert haben. Der  Wunsch zu reisen ist aber ungebrochen und hat ganz unterschiedliche Gründe. Welche Erfahrungen haben Ihre Kursteilnehmer/-innen mit touristischen Reisen? Welche Wünsche und Erwartungen haben sie? 
Claudius lässt übrigens das lyrische Ich, Herrn Urian, resümieren:

„Und fand es überall wie hier, 
fand überall ein’n Sparren, 
die Menschen grade so wie wir, 
und eben solche Narren!“

Einen Vorschlag, über Reisen und Urlaub zu sprechen, finden Sie z.B. auf Seite 104 in „Fokus Deutsch: Erfolgreich in Alltag und Beruf: B2, neue Ausgabe “.
 

[1] Matthias Claudius, Urians Reise um die Welt, mit Anmerkungen (vermutlich 1786)