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Bild: shutterstock/Jacob Lund

DaF-Blog

Duzen und Siezen im Unterricht DaZ/DaF

Kannst du das noch einmal wiederholen?

Auch wenn das oft kolportierte „You can say you to me“ vermutlich nicht von Helmut Kohl stammt – bei der Anrede der Gesprächspartner kann man  in Deutschland sehr schnell ins Fettnäpfchen treten. Englischsprechende Lerner, Studierende oder Mitarbeiter, zumal aus Herkunftsländern mit flachen Hierarchien, sind natürlich schnell beim „Du“  - Höflichkeit und Respekt sind für sie keine Sache des Pronomens. In anderen Ländern macht man die Anrede nicht nur von der Position, sondern auch vom Alter des anderen abhängig. So werden in China die Älteren in der Regel mit [nin] „gesiezt“, die Jüngeren mit [ni] „geduzt“. Das kann sich aber auch immer wieder ändern, wenn es die Gesprächssituation anbietet. In Schweden dagegen findet man kaum noch Unterschiede, in der Regel wird jeder von jedem geduzt.

Wer in Deutschland Deutsch lernt, sieht sich deshalb von unerwarteten Fallstricken umgeben. Und wir machen es den Lernenden nicht einfacher, wenn wir – je nach Einrichtung oder Kursanbieter – unterschiedliche Unterrichtskulturen pflegen. In klassischen Sprachschulen wird fast ausschließlich auf allen Ebenen geduzt, bei anderen Bildungsträgern überwiegt der formelle Umgangston. Natürlich schafft das Duzen eine vertrautere Lernatmosphäre, es erleichtert auch persönlichere  Sprech-anlässe. Aber manche Lernende mit arabischen Wurzeln weigern sich auch, den Kursleiter zu duzen, besonders, wenn dieser älter und männlich ist. Die Kursteilnehmer untereinander benutzen gewöhnlich das Du. Andererseits werden die Lernenden in allen Lehrwerken mit Sie angesprochen. So müssen wir im Unterricht manchmal unterscheiden, wie wir im Kurs untereinander und wie die Teilnehmer „im wirklichen Leben“ mit Vorgesetzten, Verkäufern oder Angestellten der verschiedenen Ämter sprechen.

Das Gespür für einen angemessenen Umgangston entwickelt sich natürlich vor allem im Alltag der Lernenden. Wir müssen sie aber dafür sensibilisieren und mit den  passenden sprachlichen Mitteln ausrüsten.

Anhand von Bildern kann man Kursteilnehmer gut spekulieren lassen, in welcher Situation welche Anrede benutzt wird. Gründe kann man aus Körperhaltung, Bekleidung, Situation… ableiten. Hörbeispiele zu den gesehenen Bildern ermöglichen die Überprüfung der Vermutung und stellen Redemittel bereit. In Rollenspielen werden die Redemittel angewendet. Je nach Sprachniveau kann die Einheit durch Sachtexte komplettiert werden. Und natürlich müssen die Kursteilnehmer Gelegenheit bekommen, über ihre Erfahrungen im Herkunftsland zu sprechen und sie mit den Verhältnissen in Deutschland zu vergleichen.

Hier gelangen Sie zum Kurs- und Übungsbuch und können bei „Blick ins Buch“ auf die S. 16 blättern.