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Von der antiken Kochkunst bis zu den sozialen Netzwerken

DaF-Journal

Über Eigentumsrechte sprechen 

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Am 15. August 1888 reichte Richard Straube aus Sachsen beim kaiserlichen Patentamt unter der Nummer 5348 einen Antrag auf Patentierung einer Erfindung ein, die wegen der versprochenen Zeit- und Materialersparnis auch in die heutige Zeit passen würde. Patentiert werden sollte eine Vorrichtung, die die Vorzüge eines Schaukelstuhls mit denen eines Wannenbades kombiniert. Diese Konstruktion hat sich bekanntlich nicht durchsetzen können, aber seitdem 1877 das Deutsche Patentgesetz erlassen wurde und das Kaiserliche Patentamt entstand, sind dort viele Erfindungen begutachtet worden, auf die wir heute nur noch schwer verzichten könnten. Neben den bekannten Entwicklungen wie dem Kühlschrank von Linde, dem Kraftfahrzeug von Benz und dem Dübel von Fischer gehören auch der Schukostecker von Büttner, der Taschenschirm „Knirps“ von Haupt und der Papierlocher von Soennecken zu unserem Alltag.  

Aber die Geschichte des Patentrechts reicht viel weiter zurück. Von Athenaius, einem griechischen Schriftsteller zu Beginn des 3. Jahrhunderts u.Z., ist folgende Regel überliefert worden: „Wenn einer der Köche ein eigenes neues köstliches Gericht erfinden würde, so sollte es keinem anderen vor Ablauf eines Jahres gestattet sein, von dieser Erfindung Gebrauch zu machen, sondern nur dem Erfinder selbst. Während dieser Zeit sollte er den geschäftlichen Gewinn davon haben, damit die anderen sich anstrengten und wetteifernd sich in solchen Erfindungen zu übertreffen suchten."1 

Für den Schutz des Urheberrechts gibt es über Jahrhunderte in vielen Kulturen die verschiedensten Belege. Das Wort Patent selbst ist aus dem Begriff lettre patente(lat ->frz) entlehnt, mit dem offene Briefe beschrieben wurden, die den Charakter von Urkunden hatten. Heute würden wir sie vielleicht als Gewerbeschein oder Ernennungsurkunde bezeichnen.  So wurde mit dem Offiziers- oder Kapitänspatent der Rang bestätigt und mit dem Kaperpatent (auch Kaperbrief) die Piraterie im Auftrag der Krone legalisiert. Und wenn wir heute von unseren patenten Kursteilnehmern/-innen schwärmen, meinen wir Menschen, die einzigartig, selbstbewusst und besonders geschickt sind. 

Mit dem Thema Patente, Erfindungen und Markenpiraterie werden wir und die Lernenden fast täglich konfrontiert. Es bietet deshalb viele Anlässe zum Sprachhandeln. Die Kursteilnehmer/-innen können Erfindungen und Patente aus ihrer Heimat vorstellen, über Persönlichkeitsrechte in sozialen Netzwerken sprechen oder sich mit dem Urheberrecht auseinandersetzen. 

1 aus dem Englischen: Charles Duke Yonge :The Deipnosophists, Or, Banquet of the Learned of Athenaeus: Henry G. Bohn, Oxford 1854, p. 835.

Einen Vorschlag für eine solche Einheit finden Sie in „Fokus Deutsch – erfolgreich in Alltag und Beruf C1“ in der Einheit 11, S 222ff.